Bauhauptgewerbe


12. SOKA-BAU Praktiker-Tagung: Kampf gegen Fachkräftemangel

Podiumsdiskussion mit Moderator Dr. Norbert Lehmann: Klaus-Dieter Fromm (ZDB), Andreas Harnack (IG BAU) und Martin Karnein (HDB) (von links).
Podiumsdiskussion mit Moderator Dr. Norbert Lehmann: Klaus-Dieter Fromm (ZDB), Andreas Harnack (IG BAU) und Martin Karnein (HDB) (von links). © Detlef Gottwald
21.03.2014
SOKA-BAU begrüßte zur 12. Praktiker-Tagung unter dem Titel "Ausbildung für die Bauwirtschaft – Herausforderungen und Chancen" mehr als 100 Gäste aus der Bauwirtschaft, der Tarifvertragsparteien und der Politik am 13. März in Wiesbaden.

Manfred Purps, Vorstandsmitglied von SOKA-BAU, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass der Fachkräftebedarf mittelfristig allein durch Zuwanderung nicht gedeckt werden kann und auch andere Optionen genutzt werden müssten. So drehten sich die folgenden Vorträge auch nicht nur um eine Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, sondern auch um die Aktivierung von einheimischen Arbeitskräften.

Dr. Jens Stephani vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stellte in seinem Vortrag dar, dass die Bauberufe zwar noch nicht offiziell zu den sogenannten Mangelberufen zählen, die Besetzung von offenen Stellen aber in den meisten Berufen länger dauert als in anderen Branchen.

Achim Sieker vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales stellte mit der Offensive Gutes Bauen eine Initiative vor, die unter anderem eine Verbesserung des Images der Bauwirtschaft und eine Attraktivitätssteigerung der Bauberufe zum Ziel hat.

Im darauf folgenden Themenblock stellte Dietmar Slupinski von der Bundesagentur für Arbeit das Förderprogramm MobiProEU vor, mit dem die Anstellung ausländischer Auszubildender und Fachkräfte unterstützt wird. Er wies allerdings darauf hin, dass der Förderrahmen für das laufende Jahr aufgrund der großen Nachfrage vermutlich bald erschöpft sei.

Thomas Murauer, Geschäftsführer der Bildungszentren des Baugewerbes Krefeld, konnte im Anschluss daran von den insgesamt sehr positiven praktischen Erfahrungen mit Auszubildenden aus Spanien berichten.
Auf der Praktiker-Tagung wurden auch unkonventionelle Wege zur Gewinnung von Auszubildenden erörtert. So berichtete Bettina Haase vom Bildungswerk BAU Hessen- Thüringen von dem Erfolg einer prämienbasierten Auszubildendenanwerbung, bei der Auszubildende eine Prämie erhalten, wenn sie ihrem Ausbildungsbetrieb einen Nachfolger vermitteln.

Torsten Rendtel und Bernd Rackow vom Ausbildungszentrum-Bau in Hamburg bzw. vom abc Ausbildungscentrum der Bauwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern in Rostock sprachen sich deutlich für eine Fortführung des Pilotprojektes „Berufsstart Bau“ aus, für das neben Mitteln der Bundesagentur für Arbeit auch Beitragsmittel der SOKA-BAU eingesetzt werden, um unversorgte Jugendliche gezielt auf eine Ausbildung im Baugewerbe vorzubereiten.

Professor Racky von der Universität Kassel betonte in seinem Vortrag über das Bauingenieursstudium, dass durch geeignete voruniversitäre Bildungsangebote die Abbrecherquote im Bauingenieursstudium gesenkt werden müsse. Darüber hinaus sollte angestrebt werden, den Frauenanteil zu erhöhen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion machte Andreas Harnack (IG Bauen-Agrar-Umwelt) die besseren Verdienstmöglichkeiten in anderen Branchen für die Abwanderung von Fachkräften verantwortlich, aber auch nichtmonetäre Faktoren wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden bei der Wahl des Wirtschaftszweiges eine immer größere Rolle spielen. Entsprechend müsste in den Baubetrieben eine Umorganisation stattfinden.

Klaus-Dieter Fromm (Zentralverband des Deutschen Baugewerbes) sprach sich dafür aus, dass der Meisterbrief als Großer Befähigungsnachweis erhalten bleibt, da er eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren der Dualen Ausbildung darstelle.

Martin Karnein (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie) betonte, dass sich die Bauunternehmen künftig darauf einstellen müssen, selbst um Auszubildende und Fachkräfte zu werben.

Wolfgang Koberski, Mitglied des Vorstandes von SOKA-BAU, stellte abschließend fest, dass sich das Imageproblem der Baubranche als roter Faden durch die Tagung gezogen hat. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass die Baubranche in zahlreichen sozialen Fragen, wie zum Beispiel bei der Einführung des Mindestlohns, Vorreiter für andere Branchen war, es offensichtlich aber bisher auch an der Kommunikation dieser positiven Entwicklung mangelt.

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