Senioren


12. Seniorenwochenende in St. Andreasberg


© Manfred Biederbick
10.11.2014
Es ist inzwischen zur Tradition geworden, dass sich die Senioren Niedersachsens am letzten Wochenende im Oktober im GEW-Ferienhotel St. Andreasberg treffen. In diesem Jahr waren es 112 Senioren, die der Einladung von Leopold Pilz gefolgt sind. Die Koffer waren noch nicht richtig abgestellt, da begann schon der Gedankenaustausch zwischen alten Bekannten und Mitstreitern, der bis zur Abreise anhielt.

Bei geführten Wanderungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade erfuhr man so manch interessantes Detail des Oberharzer Wasserregals, das als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt wurde. Vorwiegend im 16. bis zum 19. Jahrhundert entstanden 143 Stauteiche, 500 km Gräben und 30 km Wasserläufe. Erst das Zusammenwirken von Erzbergbau mit der Wasserkrafterzeugung ließ den Oberharzer Silberbergbau so erfolgreich werden und ermöglichte somit die Entstehung des größten Industriegebietes Deutschlands in der frühen Neuzeit.

Spiel mit der Jobangst beenden
Beim Politischen Frühschoppen informierte der IG BAU-Regionalleiter Niedersachsen, Eckhard Stoermer, über die Vorhaben der Gewerkschaft für das Jahr 2015. Der Kampf um „Faire Arbeit-Jetzt!“ wird fortgesetzt. „Hier geht es vor allem um unbefristete und sichere Arbeitsplätze mit verlässlichem Einkommen, das für ein gutes Leben reicht und auch gute Leistungen gerecht anerkennt. Wichtig für die IG BAU ist in diesem Zusammenhang auch eine verlässliche soziale Sicherung, ein vernünftiger respektvoller Umgang am Arbeitsplatz und eine Arbeit, die nicht durch körperliche Belastungen, Stress, Ärger und Druck krank macht“, betonte Stoermer. Besonders im Gebäudereinigerhandwerk ist die grundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen verbreitet. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden, denn letztlich werden dadurch unbefristete Vollzeitstellen abgebaut und ein Spiel mit der Jobangst betrieben. Obendrein wird die Leistungsschraube immer weiter angezogen. Immer größere Flächen sollen in immer kürzerer Zeit gereinigt werden. „Die Arbeitgeber sind da sehr erfinderisch. Aus einer 100 qm Fläche wird plötzlich eine von 86 qm. Wahrscheinlich hat der saure Regen die Gebäude schrumpfen lassen. All diesem Treiben wird die IG BAU den Kampf ansagen“, so Stoermer. Auf dem Bau geht es vor allem um die richtige Eingruppierung. Allein in Hannover arbeiten 1.400 Bauarbeiter mit Mindestlohn oder zum Tarif der neuen Bundesländer. In der Baustoffindustrie soll das saisonale Kurzarbeitergeld durchgesetzt werden.

Die IG BAU wird den Berufsschulen zukünftig mehr Aufmerksamkeit schenken. In Niedersachsen ist geplant 25 Prozent der Ausbildungsstätten zu schließen. Durch längere Fahrwege ergeben sich zusätzliche Belastungen für die Azubis. Es wird überlegt, wie man die Azubis unterstützen kann. Sinnvoll wäre die Bereitstellung eines Fahrgeldes.

Bei der ehrenamtlichen Arbeit kommt es auf die Werbung neuer Mitglieder und eine bessere Haltearbeit an. Beides ist notwendig, wenn das Ziel erreicht werden soll, dass sich Eintritte und Austritte die Waage halten. 2017 findet der nächste ordentliche Gewerkschaftstag statt. Viele Funktionäre werden dann in den Ruhestand gehen. Wir sind gut beraten bereits jetzt für Nachwuchs zu sorgen.

„Bei der Durchsetzung der Vorhaben der IG BAU im Jahr 2015 hoffen wir auch weiter auf die bewährte Unterstützung der Senioren. Für die zahlreichen Aktivitäten im zu Ende gehenden Jahr möchte ich mich bereits jetzt herzlich bedanken“, führte Stoermer aus.

Langfristiger denken
Neben den Vorhaben der IG BAU für das Jahr 2015 wurde auch über den beabsichtigten Verkauf des GEW-Hotels St. Andreasberg diskutiert. Die Mitglieder zeigten sich erschüttert. Sie sind der Meinung, dass dieses Haus auch ihnen gehört, weil sie den Bau durch ihren Gehaltsverzicht ermöglicht haben. Außerdem möchten sie dieses Hotel mit ihren Familien auch über das Jahr 2015 hinaus für Urlaub, Schulungen und andere Veranstaltungen nutzen. Die Bezirksseniorenvorsitzenden hatten zuvor in einer Resolution an den Bundesvorsitzenden der IG BAU energisch gegen dieses Vorhaben protestiert. Aus ihrer Sicht ist das ein unüberlegter Schritt, der dringend zu überdenken ist, zumal das Hotel seit Monaten sehr gut gebucht ist. Karl-Heinz Ehrenberg, Vorsitzender des IG BAU-Bezirksverbands Braunschweig-Goslar, bezeichnete es als nicht hinnehmbar, wie mit dem Personal umgesprungen wird. Außerdem sollte man langfristiger denken, denn der Harz wird bei den Touristen immer beliebter.

Gewerkschaftlicher Erfolg
Ehrenberg wertete die Rente mit 63 als gewerkschaftlichen Erfolg. „Bei den Aktionen „Faire Arbeit-Jetzt!“, geht es auch darum, dass man von seiner Arbeit leben kann. Mit 8,50 Euro/Stunde geht das nicht“, so Ehrenberg. Er lobte die Arbeit von Leopold Pilz. „Ohne ihn wäre die Arbeit des Bezirksverbandes nur die Hälfte wert“, sagte Ehrenberg, was sicher etwas übertrieben ist. Es zeigt aber wie aktiv der Senior ist. Im Büro des IG BAU-Bezirksverbandes Braunschweig-Goslar ist er Ansprechpartner für die Rat suchenden IG BAU-Mitglieder. Egal ob ZVK-Antrag, Arbeitslosengeld oder Fragen um die Mitgliedschaft: der ehemalige Betriebsratsvorsitzende kennt sich aus und hilft weiter. Als Bezirksseniorenvorsitzender ist Leopold Pilz auch im Bundesseniorenvorstand der IG BAU tätig, vertritt dort die Region Niedersachsen und die Interessen aller Senioren.

Neues Rentenpaket
Helmut Piper, Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund, informierte über das ab dem 01. Juli 2014 geltende Rentenpaket. Es enthält im Wesentlichen vier Teile: die Rente ab 63, die Mütterrente, die Erwerbsminderungsrente und das Reha-Budget. Die neuen Regelungen zu kennen, lohnt sich auf alle Fälle.

Das 13. Seniorenwochenende im Jahr 2015 ist bereits im GEW-Hotel St. Andreasberg gebucht und wird mit Sicherheit genauso viel Zuspruch finden wie die vorausgegangenen Treffen.

Ein Beitrag unseres Kollegen Klaus Gabor.

Karl-Heinz Ehrenberg
Vorsitzender des
IG BAU-BZV Braunschweig-Goslar

Eckhard Stoermer
Regionalleiter der
IG BAU Niedersachsen