Bauhauptgewerbe


13. SOKA-BAU Praktiker-Tagung: Die neue tarifliche Altersversorgung der Bauwirtschaft

SOKA-BAU-Vorstandsmitglied Gregor Asshoff eröffnete die 13. SOKA-BAU Praktiker-Tagung
SOKA-BAU-Vorstandsmitglied Gregor Asshoff eröffnete die 13. SOKA-BAU Praktiker-Tagung © Detlef Gottwald
Wiesbaden, 21.10.2015
SOKA-BAU begrüßte zur 13. Praktiker-Tagung unter dem Titel „Brückenbauer in die Zukunft – die tarifliche Altersversorgung der Bauwirtschaft“ mehr als 100 Gäste aus der Bauwirtschaft, der Tarifvertragsparteien und der Politik.Gregor Asshoff, Vorstandsmitglied von SOKA-BAU, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass der neuen, ab Januar 2016 gültigen Tarifrente Bau ein langer Verhandlungsmarathon der Tarifvertragsparteien vorausgegangen war und die Gespräche zur Einführung einer kapitalgedeckten Altersvorsorge bereits vor zehn Jahren gestartet sind. Ein Anliegen der Reform der zusätzlichen Altersversorgung sei dabei die Stabilität gegen demographische Entwicklungen gewesen.

Jürgen Jabben von der Deutschen Rentenversicherung zeichnete ein pessimistisches Bild von den künftigen Ansprüchen an das öffentliche Rentensystem. Die Bundesregierung geht in ihrem aktuellen Rentenversicherungsbericht davon aus, dass das Sicherungsniveau (vor Steuern) weiter sinken wird und nur unter der Annahme steigender Einzahlungen in die Riester-Rente über der Marke von 50 % des Durchschnittsverdienstes gehalten werden kann. Professor Diether Döring von der Europäischen Akademie der Arbeit stellte in seinem Vortrag zur Diskussion, ob eine freiwillige Form der Altersvorsorge überhaupt einem Pflichtsystem hinzugerechnet werden könne. Darüber hinaus stellte er heraus, dass das deutsche Rentensystem auch im europäischen Vergleich äußerst schlecht abschneide.

Sabine Holzem von der Johann Augel Bauunternehmung GmbH sowie Thomas Schmidt von der W. Markgraf GmbH & Co KG berichteten anschließend von ihren praktischen Erfahrungen mit der betrieblichen Altersvorsorge. Danach sei es oft auch eine Frage des Lohnniveaus, ob Arbeitnehmer sich für eine zusätzliche Altersvorsorge entscheiden würden. Dr. Ralf Himmelreicher von der Freien Universität Berlin berichtete von der Zunahme von Erwerbsminderungsrenten. Dabei zeigten Forschungsergebnisse, dass psychische Erkrankungen als Erwerbsminderungsgrund – im Gegensatz zu somatischen Erkrankungen – nicht mit Wirtschaftsfaktoren zu erklären und im gesamten Bundesgebiet verbreitet seien. Das Risiko der Erwerbsunfähigkeit werde von den Arbeitnehmern zudem systematisch unterschätzt.

Dietmar Schäfers, Stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, und Harald Schröer, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, skizzierten anschließend in Kurzvorträgen den Weg von der Rentenbeihilfe zur Tarifrente Bau. Dabei wurde betont, dass im neuen System mit teils deutlich höheren Rentenansprüchen zu rechnen ist. Schröer wies auf Studienergebnisse hin, die zeigen, dass die Altersvorsorge für Jugendliche zunehmend ein Auswahlkriterium bei der Jobwahl ist.

Yvonne Dobner, Leiterin der Hauptabteilung „Leistungen für Arbeitnehmer und Rentner / Tarifliche Zusatzrente“ bei SOKA-BAU und Thomas Arnold, Leiter der Hauptabteilung „Arbeitgeber-Beratung und Verfahrensentwicklung“ bei SOKA-BAU, stellten anschließend noch einmal die Details der neuen Tarifrente Bau vor und wiesen darauf hin, dass die Tarifrente Bau – im Gegensatz zur Rentenbeihilfe – für alle Arbeitnehmer und Auszubildenden in West- und Ostdeutschland gilt.

Florian Swyter von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände stellte in seinem Vortrag europa- und bundespolitische Initiativen zur betrieblichen Altersversorgung vor, die anschließend von Jean-Baptiste Abel vom Deutschen Gewerkschaftsbund kommentiert wurden. Beide äußerten ähnliche Kritik an der EU-Pensionsfondrichtlinie. Der BMAS-Vorschlag „Sozialpartnermodell Betriebsrente“ wurde allerdings unterschiedlich bewertet, insbesondere was die geplante Abkehr von der Einstandspflicht der Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge angeht.

In der abschließenden Podiumsdiskussion machte Andreas Schmieg, Vizepräsident des HDB, deutlich, dass es nicht eine einzige Lösung gebe, die alle Rentenprobleme löse und man stattdessen an allen Säulen des Rentensystem arbeiten müsse. Dietmar Schäfers hielt es für zwingend, eine gesetzlich verpflichtende betriebliche Altersvorsorge einzuführen, um die bislang geringe Verbreitung zu korrigieren, damit zu der perspektivisch abgesenkten gesetzlichen Rente den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern am Ende eines Arbeitslebens ein auskömmliches Renteneinkommen gewährleistet ist.

Abschließend wurde auch noch über den aktuell zu verzeichnenden Zustrom an Flüchtlingen und die Auswirkungen auf die Bauwirtschaft diskutiert. Frank Dupré, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, begrüßte zwar die Einsicht auf politischer Ebene, dass dies zu einem größeren Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, insbesondere an Sozialwohnungen, führe, der Mangel an Bauland und die hohen regulatorischen Anforderungen im Wohnungsbau aber die zeitnahe Lösung dieses Problems behindere.

Podiumsdiskussion (von links): Frank Dupré (ZDB), Dietmar Schäfers (IG BAU), Dr. Norbert Lehmann (Moderator, ZDF) und Andreas Schmieg (HDB).
© Detlef Gottwald