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Interessante Anhaltspunkte über die Lebenssituation älterer Menschen im Ruhrgebiet liefert eine Befragung, die das Institut Arbeit und Technik (IAT) durchgeführt hat. Danach zeigten sich die Befragten insgesamt zufrieden mit ihren Lebensbedingungen. Sie sehen ihre Städte durchweg als „lebenswert“ an. Die Befragten fühlen sich gut eingebunden und respektiert.
Nachbarschaften und informelle „Netzwerke“ werden sehr geschätzt. Beklagt wurden aber vor allem Mängel im öffentlichen Raum. Die Teilnehmer der Befragung erleben öffentliche Gebäude und Geschäfte als wenig behinderten- und altenfreundlich. Um für den täglichen Bedarf einzukaufen, seien immer weitere Wege nötig.
Im öffentlichen Personen-Nahverkehr(ÖPNV) erhielt die Streckenführung ein „mangelhaft“. Kritisiert wurde zudem das häufig problematische Einsteigen in Busse und Bahnen.
Bedarf an altersgerechten Wohnungen steigt
Weitere Erkenntnisse: Der Bedarf nach alters- oder behindertengerechten Wohnungen kann nicht immer befriedigt werden. Das Angebot wird überwiegend als nicht ausreichend empfunden, die Mieten häufig als zu hoch. Haushaltsnahe Dienste, die das Leben in der eigenen Wohnung erleichtern, sind zu selten und teuer.
Hier zeigt sich, dass trotz frühzeitigen Aufzeigens der zu erwartenden Probleme durch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und ihrer Verbände noch viel zu tun ist, um die Lebensqualität der älteren Bevölkerung sicherstellen. Und das nicht nur im Ruhrgebiet.
Es geht darum, die Lebenswelt so zu gestalten, dass sich ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem Wohnquartier bewegen können. Die Senioren der IG BAU werden sich deshalb weiterhin dafür einsetzen, dass altengerechte Wohnungen entstehen, die für die Mehrheit der „Älteren“ bezahlbar sind. Dazu gehört auch eine Infrastruktur im Wohnumfeld, die es älteren und Behinderten erleichtert ihre Besorgungen selber durchzuführen.
Ohne Hindernisse wohnen
Will man in einem Altbau ohne Hindernisse wohnen, sind Umbauten notwendig. Eine zusätzliche Rampe neben der Haustürtreppe sichert den barrierefreien Zugang. Beidseitige Handläufe machen Treppen für alle sicherer. Schwellen sind Stolperfallen für jeden Nutzer, ob gehbehindert oder nicht. Das gilt auch für die Übergänge zwischen den Räumen und in den Außenanlagen.
Wichtig sind auch die Durchgangsbreiten von Türen und ausreichende Bewegungsflächen, damit Gehhilfen und/oder Rollstühle ohne Probleme in der Wohnung bewegt werden können. Ab 90 Zentimeter Breite sind Türen passierbar. Rollstuhlfahrer brauchen eine freie Fläche von 1,50 Meter mal 1,50 Meter vor und hinter jeder Tür, um rangieren zu können. Vor Schränken benötigen sie mindestens 1,20 Meter Platz.
Zur Barrierefreiheit in der Wohnung gehört es auch in den Zimmern keine Absätze zu bauen, die mit Treppenstufen überwunden werden müssen. Was in der Zeit des jungen Lebens interessant und schön wirkt, wird im Alter zur Barriere. Da sind selbst Türfutterschwellen am Fußboden, wie sie in vielen Regionen der Bundesrepublik gebaut werden, hinderlich und Stolperfallen.
Schalter und Gegensprechanlagen lassen sich in der passenden Höhe leichter betätigen. 85 Zentimeter hoch angebrachte Schalter können auch kleine Kinder erreichen. Im Bad gilt: Eine Dusche ist besser als eine Wanne. Ebenerdig installiert, mit einem Maß von 1,50 Meter mal 1,50 Meter, fällt sie behindertengerecht aus und bietet allen Nutzern den bestmöglichen Zugang.
Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind oder sich setzen müssen, können Waschbecken problemlos nutzen, wenn diese mindestens 55 Zentimeter tief sind. Auch für Küchen gibt es mittlerweile zahlreiche flexible Systeme, deren Arbeitsplatte zum Beispiel in der Höhe verstellbar ist. Nicht alles wird sich in einem Altbau ohne weiteres umsetzen lassen.
Grundsätzlich barrierefrei bauen
Der Bundesseniorenvorstand der IG BAU fordert den Neubau von altengerechten Wohnungen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Er ist erforderlich und sollte grundsätzlich barrierefrei erfolgen. Der Wohnberechtigungsschein sollte nicht mehr Bedingung für den Bezug einer solchen Wohnung sein, weil diejenigen ausgegrenzt werden, deren Einkommen über der Grenze liegt, aber nicht ausreicht für das Leben in einer privaten Senioren-Residenz.
Jede/Jeder soll in seinem/ihrem Wohnquartier alt werden können (Stichwort: ambulant vor stationär). Unterstützungsangebote müssen in allen Quartieren verfügbar sein. Der Bundesseniorenvorstand der IG BAU rät auch dazu, dass junge Bauherrn bei der Planung ihres Hauses daran denken, dass sie in diesem Haus alt werden könnten und dann gewisse Voraussetzungen brauchen, um in ihrem Haus wohnen zu bleiben.
Wohnumfeld muss stimmen
Die Infrastruktur in den Quartieren soll seniorengerecht sein. Ärzte, ÖPNV und Geschäfte gut erreichbar sein. Hier sind vielfach die Kommunen gefordert, inwieweit sie mit ihren Planungen den Prognosen der demografischen Entwicklung Rechnung tragen.
Da können z.B. fehlende Bordsteinabsenkungen, schmale Geh-/Radwege und hohe Einstiege in öffentliche Verkehrsmittel nicht nur für Rollstuhlfahrer zu unüberwindbaren Barrieren werden. Auch öffentliche Gebäude, Kirchen, ja ganze Stadtteile, die nur über hohe Treppen erreichbar sind, müssen Aufzüge einbauen, um auch älteren, kranken und behinderten Menschen den Zugang zu ermöglichen.
Deshalb fordert der Bundesseniorenvorstand der IG BAU seit Jahren von den Bauherren, über den Tag hinaus zu denken. Wer hier an der falschen Stelle spart, der baut doppelt und teurer.
Ein Beitrag unseres Kollegen Klaus Gabor.