Das ehemalige Arbeitslager „Natzweiler-Struthof“ befindet sich ca. 2.5 Stunden von Saarbrücken entfernt in Frankreich. Traumhaft gelegen, könnte es auf den ersten Blick der perfekte Ort für ein Sanatorium sein. Auf einem Berg mit wundervollem Ausblick und weit weg vom Lärm der Stadt. Genau das war einer der Gründe, warum die SS dort ein Lager errichten ließ.
Die Häftlinge konnten Kilometerweit ins Land blicken und waren an sich umgeben von völliger Freiheit und Frieden. Einziges Hindernis, ein meterhoher Stacheldrahtzaun, der gleichzeitig unter tödlichem Strom stand. Davon abgesehen, waren noch ein weiterer Zaun und die Wachen zu überwinden. Wenn man es allerdings genau nimmt, so war bereits der Grünstreifen wenige Meter vor dem Zaun absolut tödlich. Wer sich dort aufhielt wurde ohne Warnung direkt erschossen. Die Freiheit im Blick, das Wissen, dass man beim Fluchtversuch erschossen wird und dazu die Enge des überfüllten Lagers - eine ganz besonders perfide Qual für die Häftlinge.
Ein weiterer Grund für das Lager an diesem Ort waren Gesteinsvorkommen in der Nähe, die die Nazis ausbeuten wollten. Es geschah unter großem Leid der Häftlinge in den Jahren 1941 bis 1944. Diese Arbeit brachte vielen Tausenden den „Tod durch Arbeit“.
So war es auch nicht verwunderlich, dass wir alle mit einem mulmigen Gefühl durch das Eingangstor gingen und noch schockierter waren, als wir erfuhren wie Menschen dort buchstäblich in den Tod gezwungen wurden. Die Häftlinge mussten oft stundenlang am Tor stehen ohne sich zu bewegen. Schlimmer noch, wenn ein SS-Mann wollte, konnte er jederzeit einem Häftlinge die Mütze vom Kopf reißen und diese Richtung Zaun werfen. Nun hatte der Häftling die Wahl: erschossen werden wegen unvorschriftsmäßiger Kleidung, erschossen werden weil er sich bewegt oder erschossen werden, weil er sich auf den Grünstreifen wagte, der nicht betreten werden durfte. Wir konnten es kaum fassen, zu was Menschen fähig sind…
Wir erfuhren von Menschen, die extra für medizinische Versuche von Ausschwitz nach Struthof deportiert wurden. Sie wurden mit Seuchen infiziert, starben in Gasversuchen oder bei anderen unmenschlichen Experimenten. Aus Zeitzeugenberichten hörten wir Geschichten über die Zustände, die weit über unser heutiges Vorstellungsvermögen hinausgingen.
Im Jahre 1944 wurde das Lager als eines der ersten von den Alliierten befreit. Die Soldaten fanden noch ca. 7000 Häftlinge. Ausgelegt war das Lager nur für 1.500 Menschen. Zwischen 1941 und 1944 wurden ca. 52.000 Menschen nach Struthof deportiert – die größte Gruppe bestand aus politischen Häftlingen. „NN“ stnd für „Nacht und Nebel“. Dieses Schicksal traf sehr viele Gewerkschafter. Sie wurden in Struthof ebenfalls zu tausenden durch Zwangsarbeit vernichtet, gehenkt oder erschossen. Nicht ohne Grund, wurde das Lager am 1.Mai eröffnet.
Wie viele schmerzhafte Geschichten wir im Laufe dieses Tages noch hören mussten, weiß ich nicht mehr zu zählen, aber das Wasser stand einigen nicht bloß sinnbildlich in den Augen. Unser aller Losung muss heißen: NIE WIEDER KRIEG, NIE WIEDER FASCHISMUS!!! Krieg bringt niemals Frieden, sondern nur den TOD.
Wer sich ein Bild vom Arbeitslager Struthof machen möchte, der kann dies hier tun.
Ein Beitrag unsres Kollegen Jan Meyer.