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Ausbeutung vermiest Appetit auf Erdbeeren


© IG BAU (Paul Schimweg)
Frankfurt am Main, 13.06.2014
Die Erdbeer-Ernte läuft auf Hochtouren und mit ihr mehren sich die Schlagzeilen über Ausbeutung von Erntehelfern. Ein Schlaglicht auf die üblen Bedingungen der meist osteuropäischen Beschäftigten wirft aktuell ein Notruf, mit dem sich Saisonarbeiter auf einem Erdbeerhof in Thüringen an die Agrargewerkschaft IG BAU gewandt haben.

Rund 700 Erntehelfer arbeiten dort – so der Notruf – unter menschenunwürdigen Bedingungen. So müssen jeweils rund 20 Menschen in Zimmern von etwa zehn Quadratmetern schlafen. Für alle zusammen gibt es nur drei Sanitärbereiche. Das heißt gut 230 Personen teilen sich je eine Dusche und WC. Diese Behausungen müssen sie auch noch von ihrem kargen Akkordlohn bezahlen. Auf die Stunde gerechnet beträgt der nicht einmal drei Euro.

„Solche Skandale können einem den Appetit auf Erdbeeren gründlich vermiesen. Und leider sind sie in der Landwirtschaft kein Einzelfall“, sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum. „Wir erleben immer wieder, dass Erntehelfer auf das Übelste ausgebeutet werden. Es spricht leider viel dafür, dass die Angaben der Betroffenen stimmen. Hier ist nicht nur die Finanzkontrolle Schwarzarbeit gefragt, das ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft.“

Die IG BAU macht sich seit langem für bessere Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft stark. Ein allgemeinverbindlicher, tariflicher Mindestlohn, der die Arbeitskräfte schützt, scheiterte bislang jedoch am Widerstand der Arbeitgeber. Viele Betriebe zahlen gerade bei Saisonarbeitern weniger als den Tariflohn und drücken die Entgelte zum Teil sogar unter die Grenze der Sittenwidrigkeit.

„Wir reden hier nicht über Feierabend-Bauernhöfe, sondern über Großbetriebe mit zig Beschäftigten. Sie nutzen die Not der osteuropäischen Arbeiter in ihrer Heimat schamlos aus, um die Entgelte auf ein strafbar niedriges Niveau zu senken“, sagte Schaum. „Wir brauchen für die Menschen in der Landwirtschaft endlich saubere Verhältnisse. Entweder durch einen gesetzlichen oder aber durch einen tariflichen Mindestlohn.“

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