Junge BAU


Ausbildungsstart 2014


© zplusz / Thomas Seeber
09.09.2014
Wer in diesem Sommer einen Ausbildungsplatz gefunden hat, hofft, dass er den Beruf ordentlich lernt und nicht als billige Hilfskraft missbraucht wird. Damit der Traum von der guten Ausbildung Wirklichkeit wird, setzt sich die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) für hohe Qualitätsstandards ein.

Erster Ausbildungstag für Manuel Lentes (Foto oben). Der 16-Jährige hat gerade seine Lehre zum Straßenbauer bei der Peter Groß Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG in St. Ingbert begonnen. „Jetzt geht es direkt auf meine erste Baustelle“, freut sich der Saarländer. Bei der Lehrstellensuche hat er von Anfang an auf Qualität geachtet. Wichtig ist ihm unter anderem „ein gutes Arbeitsklima, die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Kollegen, aber auch ein fairer Lohn“.

Auch wenn es für ein Urteil noch zu früh ist – mit den Bedingungen seiner Ausbildung ist Manuel bisher sehr zufrieden. Denn unter anderem stehen ihm ein Ausbilder und ein erfahrener Azubi als Ansprechpartner zur Seite, er erhält eine tarifliche Vergütung, und „das Fahrgeld zur Berufsschule wird mir bezahlt. Das finde ich saugut“, sagt er.

Qualitätsmängel offengelegt

So viel Glück hat längst nicht jeder. Im Jahr 2009 befragte das Bundesinstitut für Berufsbildung Auszubildende aus verschiedenen Branchen und kam zu einem durchwachsenen Ergebnis: Im Durchschnitt bewerteten sie ihre Ausbildung mit Note Drei.

Bessere Ergebnisse brachte der DGB-Ausbildungsreport 2013: Rund 72 Prozent der Befragten fanden die fachliche Qualität „gut“ oder „sehr gut“. Doch jeder Dritte leistete regelmäßig Überstunden - zumTeil ohne Ausgleich. Bei ebenso vielen fehlte ein Ausbildungsplan. Und zwei von dreien
wurden zeitweise für ausbildungsfremde Tätigkeiten eingespannt. Kurz gesagt: In Sachen Ausbildungsqualität liegt immer noch einiges im Argen.

„Das ist blödsinnig“, sagt das zuständige IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt. „Die Wirtschaft spricht von Fachkräftemangel, bildet aber oft nicht qualitativ hochwertig oder gar nicht aus. Gut ausgebildete Arbeitnehmer fallen schließlich nicht von Bäumen. Jammern, aber nichts machen – nicht mit uns!“

Unter dem Motto „REINHAUEN für Qualität“ fordert die Junge BAU hohe Standards von den ausbildenden Betrieben und Berufsschulen (siehe unten).

Manuel hat sich die Unterstützung der IG BAU gesichert - gleich zu Ausbildungsbeginn ist er Mitglied geworden, „falls etwas sein sollte, zum Beispiel der Lohn nicht gezahlt wird“.

Azubis wollen mitbestimmen

Zur Ausbildungsqualität gehören auch Mitbestimmungsrechte. Dort, wo es einen Betriebsrat gibt - und mindestens fünf Arbeitnehmer unter 18 Jahren beziehungsweise Azubis unter 25 Jahren – kann eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gewählt werden. Sie vertritt die Interessen der jungen Beschäftigten und Auszubildenden im Betrieb.

JAVen gibt es auch im Staatsforst Mecklenburg-Vorpommern. Dort engagiert sich Johann Jacobs als Gesamtjugend- und Auszubildendenverteter (GJAV). „Ich gebe mein Bestes dafür, dass die Azubis bei der Ausbildung mitreden dürfen“, sagt der 19-jährige Forstwirt-Azubi, der gerade sein
zweites Lehrjahr absolviert. Die IG BAU steht dabei immer fest an Johanns Seite. „Das ist schon beruhigend. Mit dem zuständigen Gewerkschaftssekretär besprechen wir als GJAV zum Beispiel, wie wir mit rechtlichen Problemen umgehen können.“

zplusz / Aline Lenz

Was kommt nach der Lehre?

Wie lange Johann sich noch an der betrieblichen Mitbestimmung beteiligt, hängt auch von seinen Zukunftsplänen ab. In einem Jahr beendet er seine Ausbildung und spielt mit dem Gedanken, danach zu studieren.

Gebäudereiniger Robert Kornek hat sich vorerst für den Betrieb entschieden. Ende August hat der 23-Jährige seine Ausbildung bei der Gegenbauer Service GmbH in Halle an der Saale abgeschlossen und einen Arbeitsvertrag bis Jahresende unterzeichnet. Roberts Bundesland Sachsen-Anhalt hat eine hohe Jugendarbeitslosigkeit: Fast jeder Zehnte von 15 bis 24 Jahren war Mitte dieses Jahres ohne Job - doppelt so viele wie im westdeutschen Durchschnitt. Dementsprechend schwierig ist es, nach der Ausbildung eine Vollzeit-Stelle zu bekommen, „gerade in der Reinigung“, weiß Robert.

Laut DGB-Ausbildungsreport 2013 wussten rund 62 Prozent der Auszubildenden noch nicht, ob sie später in eine Beschäftigung übernommen werden. Von Unternehmensseite heißt es dazu oft, sie könnten ihren Mitarbeiterbedarf im Voraus nicht abschätzen. „Doch dann sollte man gar nicht erst ausbilden, sonst verkommt die Lehre zur reinen Ausbeutung junger Beschäftigter“, findet Robert.

Die IG BAU unterstützt JAVen und Betriebsräte beim Erreichen betrieblicher Übernahmeregelungen. Im Bauhauptgewerbe wurde kürzlich eine verbindliche Regelung im Tarifvertrag vereinbart: Betriebe müssen ihren Azubis vier Monate vor Ablauf der Ausbildung schriftlich mitteilen, dass sie
nicht übernommen werden. Sonst entsteht nach Ausbildungsende automatisch ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis (gilt für IG BAU-Mitglieder in Betrieben, die im Arbeitgeberverband organisiert sind).

„Auch für den Betrieb lohnt sich die Übernahme der Azubis“, ist sich Robert Kornek sicher, „denn die wissen ja schon, wie alles funktioniert in den Objekten, in denen sie eingesetzt werden“.

zplusz / Thomas Ammerpohl

Ein Beitrag unseres Volontärs Julian Fath in der September-Ausgabe der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann".