Junge BAU


Ausbildungsvergütungen zwischen 550 und 1.544 Euro


Regionale Unterschiede bis zu 294 Euro im Monat, 13.05.2016
Spitzenreiter bei den Ausbildungsberufen sind die Kauffrau für Büromanagement bei den jungen Frauen und der Kfz-Mechatroniker bei den jungen Männern. Die Jugendlichen konzentrieren sich nach wie vor auf wenige Berufe. Bei der Berufswahl spielt neben dem inhaltlichen Interesse auch die Höhe der Ausbildungsvergütung eine wichtige Rolle.

Insgesamt fallen die tariflich geregelten Ausbildungsvergütungen je nach Branche und Ausbildungsjahr sehr unterschiedlich aus. Sie variieren von 549 Euro im Kfz-Gewerbe Thüringen im 1. Ausbildungsjahr bis zu 1.544 Euro im Bauhauptgewerbe West im 4. Ausbildungsjahr. Dies geht aus einer Auswertung von Tarifverträgen in ausgewählten Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen hervor, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf vorlegt. Im vergangenen Jahr stiegen die Ausbildungsvergütungen überwiegend zwischen 2,0 und 4,5 Prozent. In Einzelfällen betrug die Steigerung bis zu 10 Prozent (Hotel- und Gaststättengewerbe Sachsen). Nur in wenigen Tarifbereichen wurden keine Steigerungen vereinbart.

Innerhalb der Branchen gibt es zum Teil bundesweit einheitliche Ausbildungsvergütungen, es bestehen aber auch beträchtliche regionale Unterschiede (Stand: 1.5.2016). "Die aktuellen Ausbildungsvergütungen zeigen ähnliche Dif-ferenzierungen wie die Tariflöhne und -gehälter", sagt WSI-Tarifexperte Dr. Reinhard Bispinck. "Neben bundeseinheitlichen Tarifverträgen gibt es solche mit starken regionalen Unterschieden, häufig verbunden mit einem West-Ost-, aber auch mit einem Süd-Nord-Gefälle".

Legt man das 3. Ausbildungsjahr zugrunde, zeigen sich folgende regionale Differenzen bei den Vergütungen (siehe auch Grafik):

In der Metall- und Elektroindustrie fallen die regionalen Unterschiede mit bis zu 89 Euro relativ gering aus: Die tariflichen Ausbildungsvergütungen reichen von 1.008 Euro in Nordrhein-Westfalen bis zu 1.097 Euro in Baden-Württemberg.

In der chemischen Industrie sind die Abstände mit bis zu 84 Euro im 3. Ausbildungsjahr ebenfalls recht klein: Im Osten beträgt die Ausbildungsvergütung 978 Euro, im Westen reicht sie von 976 Euro in Schleswig-Holstein und Bremen bis zu 1.060 Euro im Bezirk Nordrhein.

Im Groß- und Außenhandel werden in Mecklenburg-Vorpommern 795 Euro gezahlt, in Hessen dagegen 993 Euro.

In der Textilindustrie reichen die Vergütungen von 800 Euro im Osten bis zu 1.009 Euro in Hessen.

Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind die regionalen Abstände besonders groß: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 640 Euro, in Bayern dagegen 923 Euro und damit 283 Euro mehr.

West/Ost
In manchen Tarifbereichen gibt es im Wesentlichen eine Differenzierung zwischen West und Ost, so z.B. im Bauhauptgewerbe. Die gewerblichen Auszubildenden erhalten im Westen 1.374 Euro, im Osten 1.091 Euro. Für Hamburg und Berlin gibt es Sonderregelungen.

In der Gebäudereinigung variieren die Ausbildungsvergütungen bei den gewerblichen Auszubildenden zwischen 835 Euro im Osten und 925 Euro im Westen.

Einheitliche Vergütungen
Bundesweit einheitliche tarifliche Ausbildungsvergütungen gibt es u. a. bei Banken (1.050 Euro) und Versicherungen (1.062 Euro), in der Druckindustrie
(994 Euro), in der Papierverarbeitung (995 Euro) sowie bei der Deutschen Bahn (967 Euro), der Deutschen Post (920 Euro), der Deutschen Telekom (975 Euro) und im öffentlichen Dienst (Bund, Gemeinden: 984 Euro, Länder: 971 Euro).

Das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung bietet zu den Ausbildungsvergütungen einen Online-Service an: Für 27 Wirtschaftszweige und Tarifbereiche können die tariflichen Ausbildungsvergütungen gegliedert nach Ausbildungsjahren abgerufen werden. Dabei werden auch die Unterschiede nach Bundesländern und Regionen sowie zwischen gewerblichen und kaufmännischen Auszubildenden aufgezeigt.

Der Service ist kostenlos, die Daten werden ständig aktualisiert.