Forstwirtschaft und Naturschutz


Baden-Württemberg: Mitgliederumfrage im Forst

© FM / Martin Schwenninger
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04.09.2012
Von der Geburt der Idee bis zu den Ergebnissen der Mitgliederumfrage unter den Forstbeschäftigten in Baden-Württemberg war es wahrlich nur ein kurzer Weg. Kurz vor Weihnachten 2011 haben sich Kollegen der Landesvertretung in Forst und Naturschutz in Baden-Württemberg über die wahrnehmbare Unzufriedenheit ihrer Mitglieder Gedanken gemacht. Kurzerhand wurde der Beschluss gefasst, eine Mitgliederumfrage durchzuführen.

Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet, die sich mit den Themenstellungen der Umfrage auseinandersetzt. Der Zeitplan wurde festgelegt mit dem Ziel, die Ergebnisse dieser Mitgliederumfrage auf der KWF-Tagung in Bopfingen zu präsentieren. Letztlich sollte das Ergebnis der Umfrage auch Richtschnur weiteren Handelns der Landesvertretung, des Landesfachgruppenvorstands Forst und der Fachgruppenvorstände Forst der vier baden-württembergischen Bezirksverbände sein.

Es ist geschafft und alles ist so gelaufen wie geplant. Von 1050 angeschriebenen, noch im Berufsleben stehenden IG BAU-Mitgliedern haben sich 337 Mitglieder an der Umfrage beteiligt. Die Rücklaufquote von 32,1 Prozent ist repräsentativ und ein tolles Ergebnis. Vielen Dank an dieser Stelle bei allen, die sich daran beteiligt haben.

Ergebnisse der Mitgliederumfrage

Spannend war die Fragestellung, und natürlich die Antworten dazu, nach der Gestellung der Motorsäge. So wollen 54 Prozent beibehalten, dass die Motorsägenentschädigung gezahlt wird, 36 Prozent geben an, dass die Motorsäge und der Sprit gestellt werden sollten, und zehn Prozent meinen, es solle nur der Kraftstoff gestellt werden.
Interessant dabei ist, dass bei sieben Prozent der Forstbeschäftigten bereits die Komplettgestellung von Sprit, Öl und Säge erfolgte und hier keiner wieder zur Entschädigungszahlung und Eigengestellung zurück möchte – also mit der Komplettgestellung äußerst zufrieden sind. Die Stadt Waldkirch ist jetzt gleichfalls zur Komplettgestellung übergegangen. Hierbei hat sich gezeigt: Wenn der Personalrat und die Beschäftigten bei der Vorbereitung der Gestellung eingebunden sind, alle offenen Fragen im Vorfeld geklärt werden, bleiben alle die Gewinner – der Arbeitgeber und die Beschäftigten.

Der arbeitstägliche Motorsägeneinsatz wurde von 75 Prozent der Beschäftigten mit mehr als 60 Prozent angegeben. 31 Prozent meinten immer noch, dass der arbeitstägliche Motorsägeneinsatz eher bei 70 Prozent liegen würde, und 21 Prozent gaben an, er liege eher darüber. Dieses Ergebnis zeigt, auch wenn dies keine mathematisch errechneten und erfassten, sondern eher gefühlte Werte sind, dass der arbeitstägliche Motorsägeneinsatz und damit der Anteil an schwerer körperlicher Arbeit als äußerst hoch eingeschätzt wird.

Bei der Frage nach der Gestellung von Dienstfahrzeugen für die Revierleiter gab es eine Pattsituation. 53 Prozent der Revierleiter wollen die Gestellung, der Rest bevorzugt die Entschädigungszahlung. Interessanterweise unterstützen die übrigen Beschäftigten die Gestellung der Dienstfahrzeuge für die Revierleiter. 75 Prozent sprachen sich dafür aus.

Arbeitsschutzmanagement

© FM / LV Baden-Württemberg

Erhebliche Mängel, das offenbarte die Mitgliederumfrage, gibt es im Arbeitsschutzmanagement. Bei 56 Prozent der Beschäftigten wurde die Risiko- und Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. 21 Prozent gaben an, dass diese nicht durchgeführt wurde und 23 Prozent meinten, dies sei nur teilweise geschehen.

Ob die dort getroffenen Maßnahmen umgesetzt wurden, war ebenso gefragt. Hier meinten nur 46 Prozent, dass dies zutrifft, 13 Prozent verneinten diese Frage und 41 Prozent der Beschäftigten gaben an, dies sei nur teilweise geschehen. Insgesamt ein schlechtes Bild im Arbeitsschutzmanagement, das es künftig zu verbessern gilt.

Der Anteil des arbeitstäglichen Motorsägeneinsatzes und die damit verbundene schwere körperliche Arbeit sowie das Durchschnittsalter der Beschäftigten nehmen zu. Grund genug, hier mehr als nur umzudenken! Mit der Gesundheit und dem Leben der Beschäftigten spielt man nicht!

Bei der Frage nach den betrieblichen Kommunikationsmitteln (Intranet und E-Mail) gaben 57 Prozent an, dass diese nicht vorhanden sind, um sich ausreichend informieren zu können. Hier war sehr augenscheinlich, dass die Revierleiter über ausgezeichnete Möglichkeiten verfügen, die Forstwirtschaftsmeister schon über eingeschränkte Möglichkeiten und die Forstwirte so gut wie gar keine Möglichkeiten haben, sich über diese betrieblichen Kommunikationsmittel ausreichend informieren zu können. Andererseits wünschen sich zwei Drittel der Mitglieder diesen Zugang an Informations- und Kommunikationsmitteln.

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Ein weiterer Fragenkomplex beschäftigte sich mit der Nachhaltigkeit der Forstpolitik in Baden-Württemberg. Diese Bewertung erfolgte im Wesentlichen nach Schulnoten. Dabei liegt der Schwerpunkt der Forstpolitik im Ländle eindeutig im ökonomischen Bereich (D-Note von 1,98 und damit mit Abstand die beste Benotung!). Ökologie (D-Note 3,22) und noch weitaus stärker der Bereich Soziales (D-Note 4,03) fallen weit ab.

Eine große Mehrheit der Mitglieder ist für Flächenstilllegungen im Umfang von fünf Prozent und unterstützt damit nicht die im Koalitionsvertrag der Landesregierung vereinbarte Flächenstilllegung von zehn Prozent. Mit der betrieblichen Ausstattung von UVV-Schleppern (D-Note 3,09) scheint die Mehrheit zufrieden. Die Eigenmechanisierung mit Tragschleppern, Vollerntern, Rückeschleppern und Seilkranen fällt dagegen ab (D-Note 3,49). Für nicht mehr in der Holzernte Einsatzfähige gibt es keine alternativen Beschäftigungsangebote. Dies stellen 64 Prozent der Mitglieder fest.
In zentralen betrieblichen Themen der Planung, wie Forsteinrichtung (D-Note 3,80) und MAP (D-Note 3,74) sind die Beschäftigten schlecht bis gar nicht informiert.

Im nächsten Komplex wurde gefragt: wie hat sich die Zufriedenheit der Mitglieder seit der Verwaltungsreform in Baden-Württemberg entwickelt. Auch hier waren Schulnoten zu vergeben.

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Seit der letzten Verwaltungsreform haben sich die Arbeitszufriedenheit (D-Note 34,07), der Informationsfluss im Betrieb (D-Note 3,90), die beruflichen Perspektiven (D-Note 3,97), die Vertretung durch den Personalrat (D-Note 3,99) und die Wertschätzung des eigenen Berufsstands (D-Note 4,07) eher verschlechtert. Geringfügig verbessert haben sich lediglich die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten (D-Note 3,33).

Trotz relativ hoher Unzufriedenheit sagen dennoch 42 Prozent der Mitglieder auf die Frage, welche organisatorische Form der Forstverwaltung in Baden-Württemberg aus der jetzigen persönlichen Arbeitssituation heraus die Sinnvollste ist, alles so zu belassen wie es ist (Anmerkung: Aus Angst, eine neue Reform bringt noch mehr Verschlechterungen für den Einzelnen?).

37 Prozent könnten sich aber auch vorstellen, Personal, Finanzen und Waldbesitz in der Art zusammenzuführen, dass der Staatswald an die Stadt- und Landkreise übertragen wird. Interessanterweise gaben fünf Prozent der Mitglieder zusätzlich an, wieder zur Landesforstverwaltung zurückzuwollen, obwohl danach nicht gefragt wurde.

Positive Einschätzung

Insgesamt positiv eingeschätzt wurden die Informationen der IG Bauen-Agrar-Umwelt. Hier gab es eine Durchschnittsnote von 2,59. Bei der Frage nach der Informationsform gab die Mehrheit an, auf Teilpersonalversammlungen, wo nur forstliche Themen eine Rolle spielen, informiert werden zu wollen. Hingegen ist kaum Interesse an abendlichen Veranstaltungen der Betriebs- oder Fachgruppe vorhanden. Weitaus mehr forstliche Themen aus der Region sind in der Gewerkschaftszeitung „Der Grundstein/Der Säemann“ erwünscht. Auch wird der seit 3/2012 erscheinende Newsletter bei den Mitgliedern gut angenommen.

135 Kollegen haben zusätzlich zu den vorgegebenen Fragestellungen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, weitere für sie wichtige Themen zu benennen. Dabei wurden die Themenkomplexe, die mehr als fünfmal benannt wurden, erfasst. Spitzenreiter war hier die verbesserungsbedürftige Einkommenssituation (57-mal). Die völlig unzureichende und nicht kostendeckende MSE sowie Gesamtgestellung von MS, Sprit und Öl (30-mal), der zunehmende Leistungsdruck und die unzureichenden Neueinstellungen (21-mal) sowie weitere unter 20-mal benannte Themen waren den Kollegen besonders wichtig.

Insgesamt gesehen war die Mitgliederumfrage ein voller Erfolg. Hieraus lassen sich einige Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit in den Gremien ableiten. Die Herausforderungen nehmen die Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg an, und jede/r ist im Herbst 2012 zu den Gewerkschaftswahlen herzlich eingeladen, sich hierbei aktiv einzubringen und zu beteiligen.

Ein Beitrag unserer Kollegen Frank Koch und Martin Schwenninger in den Forstlichen Mitteilungen 09/2012).