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"Bildung ist Macht"

Büchergilde Gutenberg wird 90


© Büchergilde Gutenberg
21.08.2014
Lange vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Büchergilde Gutenberg und Gewerkschafter Hand in Hand für Arbeiterbildung einsetzten. Doch ihren 90. Geburtstag in diesem Jahr nutzt die Buchgemeinschaft, um einen Schritt zurück zu ihren Wurzeln zu gehen.

Die Bücher liegen gut in der Hand und schmeicheln dem Auge: Bedruckter Leineneinband, aufwändige Illustrationen und Fotografien – typisch für viele Veröffentlichungen der Büchergilde Gutenberg. Doch anfangs stand die Büchergilde für mehr als „schöne Bücher“.

Als Genossenschaft wurde sie 1924 vom Bildungsverband der deutschen Buchdrucker gegründet – „Bildung ist Macht!“ war zu der Zeit eine Parole der Arbeiterbewegung. „Aus Sicht der Arbeiter waren Bücher damals teuer, fast schon Luxus. Die Büchergilde schaffte es, ihnen den Zugang zu Literatur und Kultur zu ermöglichen“, weiß Carsten Burckhardt, der im Bundesvorstand der IG Bauen-Agrar-Umwelt für gewerkschaftliche Bildung zuständig ist, „und sie gab auch jungen Autorinnen und Autoren abseits des Mainstreams eine Plattform.“

Für ihre Mitglieder gab die Büchergilde eigene Ausgaben bereits erschienener Bücher heraus, hatte aber auch einige Autoren exklusiv unter Vertrag. Wer die Veröffentlichungen lesen wollte, trat der Büchergilde bei und konnte diese dann für kleines Geld bestellen. Eine wachsende Zahl von Vertrauensleuten warb Neumitglieder in den Betrieben, nahm Bestellungen auf und lieferte diese oft eigenhändig aus – ein Erfolgsrezept, mit dem die Buchgemeinschaft 1933 rund 85 000 Mitglieder erreichte.

Brüche und Neuanfänge

Dann kamen Umbrüche: von den Nazis gleichgeschaltet, 1947 in Gewerkschaftsbesitz neu gegründet und in den 1990er-Jahren von den Gewerkschaften gelöst – vier Mitarbeiter übernahmen als Gesellschafter. Heute ist die Büchergilde ein fast normaler Wirtschaftsbetrieb mit rund 75.000 Mitgliedern. Aber „die Nähe zur Gewerkschaft ist vor allem lokal weiterhin vorhanden“, sagt Geschäftsführer Mario Früh.

Die Büchergilde nutzt das Jubiläum für einen weiteren Neubeginn: Aus der GmbH wird wieder eine Genossenschaft – wie bei ihrer Gründung im Jahr 1924. Hinter der Entscheidung stehen vor allem praktische Gründe: „Mit der neuen Gesellschaftsform wollen wir den Fortbestand der Büchergilde als unabhängiges Unternehmen sichern“, erklärt Mario Früh.

Eine gewisse Nostalgie schwingt mit, als er ergänzt: „Den Weg, die Büchergilde in die Hände der Mitglieder zu legen, halten wir für den angemessenen. Auch und gerade vor dem Hintergrund ihrer besonderen und einzigartigen Geschichte.“

Mehr über die Büchergilde und deren Geschichte gibt es auf hier.

Ein Beitrag unseres Volontärs Julian Fath in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift Der Grundstein/Der Säemann, Ausgabe 7-8/2014.

Büchergilde

Auf Achse: Ein Bücherbus bringt Arbeitern in den 1950er Jahren erschwingliche Bücher.