E-Klasse / Wir sind die IG BAU


"Denkt dran: WIR bauen fürs Leben“

Einer von uns: Stephan Nagel


© Foto Atelier Rembrandt
08.04.2013
„Ich bin einer von vielen. WIR zusammen sind die IG BAU.“ Mit diesem Slogan outet sich Stephan Nagel auf Plakaten zur Bau-Tarifrunde 2013 als überzeugter Gewerkschafter. Es wird Zeit. Die Ostlöhne müssen endlich an die Westlöhne angeglichen werden“, fordert der 45-Jährige ungeduldig. Dennoch ist sich der Mann aus Suhl bewusst, „dass wir in den Betrieben selbst etwas dafür tun müssen. „Stillhalten und den Kopf in den Sand stecken, das geht nicht mehr.“ Der gestandene Bauarbeiter weiß: Viele seiner Kollegen im Osten haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Statt sich zu wehren, bleiben sie bescheiden. „Das kann nicht sein.

Schließlich steigen die Kosten für Lebensmittel, Strom oder Benzin ja auch stetig an. Bauarbeiter sind von den hohen Spritkosten besonders betroffen. Denn ihr Arbeitsplatz liegt in den meisten Fällen nicht gerade um die Ecke des Wohnorts.“

Grund genug für Stephan, mit dabei zu sein, wenn es um ein LohnPlus von 6,6 Prozent in der diesjährigen Tarifrunde geht: „Als Mitglied in der Bundestarifkommission ist das für mich Ehrensache.“ Solidarisch ist Stephan auch mit den Gebäudereinigern: Er war einer der rund 150 Aktiven, die sich am 6. März zum IG BAU-Gebäudereinigungsgipfel unter dem Motto „Sauberkeit hat ihren Preis“ in Leipzig trafen.

Der gelernte Betriebselektriker fing 1991 als Bauhelfer bei der Tief- und Wasserbau GmbH in Walldorf (Meiningen) an. Stephan arbeitete sich bis zum Werkpolier hoch und vertrat viele Jahre als Betriebsratsvorsitzender die Interessen seiner Kollegen. 2010 dann der Wechsel zur BauWi Wichtshausen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich habe mich bei der Tief- und Wasserbau GmbH wohlgefühlt. Das Betriebsklima war gut, und die Chemie zwischen mir und dem Chef stimmte. Ausschlaggebend für meinen Wechsel war letztendlich der 2,50 Euro höhere Stundenlohn.“

Ein gegenseitiges Geben und Nehmen
In die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) trat Stephan 1993 ein und ist seither in vielen Gewerkschaftsgremien ehrenamtlich aktiv. Für seine Frau Annette bleibt da nicht mehr viel Zeit. „Das trage ich mit Fassung“, meint sie lächelnd. Selbst Gewerkschaftsmitglied und Vertrauensfrau, steht Annette voll hinter Stephans Engagement. Langeweile ist sowieso für sie kein Thema. Dafür sorgt schon ihr verantwortungsvoller Beruf. Annette ist OP-Schwester in der Herz- und Gefäßklinik in Bad Neustadt (Saale). Und 70 Kilometer einfache Fahrt von Suhl zur Arbeitsstelle sind auch kein Zuckerlecken.

„Unser Familienalltag ist durchorganisiert. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen“, stellt die temperamentvolle Frau fest. Wenn Stephan am Wochenende für IG BAU- oder DGB-Aktivitäten das Auto braucht, tauscht Annette schon mal ihren Bereitschaftsdienst. „Außerdem bin ich selbst gerne bei Gewerkschaftsveranstaltungen mit dabei.“ Wie seinerzeit beim Gebäudereiniger-Streik in Erfurt: „Ich habe fleißig Solidaritäts-Unterschriften bei den Passanten gesammelt. Das war klasse und machte Spaß.“

Mobil muss Stephan auch für seine sportlichen Aktivitäten sein. Er ist begeisterter Tischtennisspieler beim 50 Kilometer entfernten SV 87 Henneberg, wo einmal die Woche Training angesagt ist. Der zweimalige Vereinsmeister kämpft von September bis April fast jeden Sonntag gemeinsam mit seinen drei Mannschafts-Kollegen in der lokalen Kreisklasse um Punkte. Immer mit dem ehrgeizigen Ziel – dem Aufstieg in die Groß-Kreisklasse – vor Augen. Sollte das gelingen, müssen Stephan und seine Sportfreunde noch mobiler mit dem eigenen Pkw sein: Entfernungen bis 80 Kilometer zu den gegnerischen Mannschaften sind dann keine Seltenheit.

Ein Grund mehr, warum sich der überzeugte Gewerkschafter für ein sattes „LohnPlus 2013“ stark macht. Und von seinen Kollegen am Bau wünscht sich Stephan für die diesjährige Tarifrunde viel Solidarität. Denkt dran: „WIR bauen fürs Leben!“
Gerlinde Dickert


Zur Person:
Name: Stephan Nagel
Jahrgang: 1967
Beruf: Polier im Tiefbau
Gewerkschaftsmitglied: seit 1993
Hobby: Tischtennis

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann" 4/2013.

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