Immer noch sind Frauen unterrepräsentiert. Insbesondere bei den DAX-Konzernen hat sich wenig getan, während mittelständische Betriebe inzwischen zu rund 30 Prozent von Frauen geführt werden. Aktuell ist der Streit sogar innerhalb der Regierungspartei CDU entbrannt, ob nun eine gesetzliche Frauenquote, wie in den skandinavischen Ländern, oder eine gesetzlich vorgeschriebene Selbstverpflichtung Erfolg versprechender ist.
„Auch bei uns lehnen viele Frauen die Quote ab“, weiß das für Frauenpolitik zuständige Bundesvorstandsmitglied der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Bärbel Feltrini. „Sie empfinden es als Beleidigung, wenn der Eindruck entsteht, dass sie nicht wegen ihrer Qualifikation oder Leistung beruflich vorwärtskommen, sondern nur wegen ihres Geschlechts, als Quotenfrau.“ Dennoch komme man alles in allem nicht um eine gesetzliche Vorgabe herum: „Erst wenn mehr Frauen sichtbar in Entscheidungspositionen sind, richtet sich der Blick mehr auf die immer noch zu verwirklichende Chancengleichheit am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft.“
Bei einer Sitzung des DGB-Bundesvorstands mit dem CDU-Präsidium hat Bärbel Feltrini die Forderung der IG BAU-Frauen nach der Quote sehr öffentlichkeitswirksam präsentiert, in dem sie jeder Frau in diesem Gremium (fünf von 14) den roten Schuh mit der Aufschrift „Fuß in der Tür!“ vor die Nase gesetzt hat. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat sie den Schuh direkt übergeben: „Das war für die Ministerin eine Bestätigung dafür, dass sie sich in der Quotenfrage für uns Frauen stark gemacht hat.“
Fuß in die Tür
Der rote Schuh ist Kult geworden – viele Hundert Bestellungen sind bei der IG BAU eingegangen, mittlerweile sind die Schuhe vergriffen. Dabei geht es Frauen nicht nur darum, einen Fuß in die Tür zu bekommen: „Klar, wir wollen die Hälfte der Macht“, sagt Bärbel Feltrini, „aber ein Grund, warum auch viele Frauen den Schritt in solche Positionen ablehnen, ist der Preis dafür.“ Frauen wollen nicht so werden wie die Männer: „Wir wollen ein anderes Wirtschaften mit anderen Zielen als der Vermehrung von Macht und Profit ohne Rücksicht auf Verluste von Mensch und Natur.“
Mehr Frauen im Aufsichtsrat
Die IG BAU hat auf ihrem jüngsten Gewerkschaftstag einen Antrag der Frauen beschlossen, bei der Wahl (externer) Aufsichtsratsmitglieder in mitbestimmten Unternehmen darauf hinzuwirken, dass der Frauenanteil erhöht wird. Schon bisher haben die Arbeitnehmervertreter da schon mehr geleistet als die Kapital-Seite (siehe Infografik oben). „Das geht nur Stück für Stück“, meint die IG BAU-Frau, „und nur im Dialog mit den Belegschaftsvertretern im Betrieb.“ Diesen Dialog organisieren sie und ihre Kolleginnen und Kollegen im Mitbestimmungs-Netzwerk – branchen- und geschlechterübergreifend.
Bärbel Feltrini, selbst die einzige Frau im Bundesvorstand der IG BAU, weiß, wovon sie spricht: „Die kulturelle Veränderung in einem Unternehmen beginnt nicht damit, dass eine von zehn Topmanagern weiblich ist, sondern wenn es mehr als 40 Prozent sind. Dann hat das Normalität.“
Ein Beitrag unseres Kollegen Michael Knoche-Gattringer in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann 11/2011.
| Sylvia Honsberg Bundesfrauensekretärin IG BAU-Bundesvorstand VB IV, Gartenbau und Bildung Frauenreferat Olof-Palme-Str. 19 60439 Frankfurt/ Main mailto: frauen igbau.de | Sekretariat Mandy Schneider IG BAU-Bundesvorstand VB IV, Gartenbau und Bildung Olof-Palme-Str. 19 60439 Frankfurt/ Main mailto: frauen igbau.de |