Mindestlohn


Für einen Mindestlohn ohne Ausnahmen - ohne Schlupflöcher

Jörg Eyermann, Betriebsratsvorsitzender Fa. Stadtgut Nord (Berlin) und Vorstandsmitglied der Bundesfachgruppe Landwirtschaft der IG BAU
Jörg Eyermann, Betriebsratsvorsitzender Fa. Stadtgut Nord (Berlin) und Vorstandsmitglied der Bundesfachgruppe Landwirtschaft der IG BAU © Silke Grell (NGG)
Berlin, 30.06.2014
Auf Kundgebung am 30. Juni in Berlin haben sich der DGB, die Einzelgewerkschaften und weitere Bündnispartner noch einmal klar und deutlich zu einem Mindestlohn ohne Ausnahmen positioniert. Die IG BAU hat Ihre Bereitschaft zu einer tarifvertraglichen Übergangslösung für die befristet beschäftigten Arbeitnehmer (auch als Saisonarbeitnehmer bezeichnet) noch einmal bekräftigt.

Die IG BAU erwartet in der nächsten Verhandlungsrunde, das sich die Arbeitgeber ihrer sozialen Verantwortung stellen, sagte der für den Agrarbereich zuständige Stellvertretende Bundesvorsitzende Harald Schaum.

In einer kurzen Rede während der Kundgebung hat unser Kollege Jörg Eyermann, Mitglied im Vorstand der Bundesfachgruppe Landwirtschaft, hat seinen Standpunkt zum Mindestlohn dargelegt.

© IG BAU (Christoph Mayer)
© IG BAU (Christoph Mayer)

Das Statement von Jörg Eyermann im Wortlaut

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich kann die vielen fadenscheinigen Ausreden nicht mehr hören. Es muss endlich Schluss sein, über Ausnahmen beim Mindestlohn zu diskutieren!

Die Höhe von 8,50 €/h ist doch wirklich nicht so üppig, als das man damit ein Luxusleben führen könnte. Nein, der Mindestlohn stoppt lediglich endlich das seit Jahren verbreitete Niedriglohndumping in Deutschland.

In dem Landwirtschaftsbetrieb, in dem ich tätig bin, beträgt die unterste Lohngruppe schon seit November 2011 8,50 € in der Stunde und diese Lohnhöhe hat keine Arbeitsplätze gekostet. Im Gegenteil: bei uns werden ständig Kräfte gesucht.

Und selbst mein Arbeitgeber befürwortet den Mindestlohn, denn er vertritt die Meinung, dass der Wettbewerb über die Qualität der Produkte stattfinden muss und nicht über Hungerlöhne.

Die Landwirtschaft und der Gartenbau sind hochproduktive Zweige, in denen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, egal welche Tätigkeit sie ausüben, welcher Nationalität sie angehören oder zeitlich befristet beschäftigt werden, ihren Beitrag zu einer hochwertigen qualitativen Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln leisten, und das an 365 Tagen im Jahr.

Und wenn auf dem „Tag des Hofes“, der alljährlich in Deutschland veranstaltet wird, mehr gesellschaftliche Anerkennung für die Landwirte eingefordert wird, dann muss das auch gleichermaßen für alle in der Landwirtschaft und dem Gartenbau tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gelten.

Also Finger weg von Ausnahmen beim Mindestlohn im Bereich der Landwirtschaft und des Gartenbaus.