Gebäudereinigung


Gebäudereiniger kämpfen gegen den Leistungsdruck „Mensch gegen Minute“

Der Kampf gegen die Uhr: Exakt 8,4 Sekunden für das Abstauben der Schreibtischlampe. Für das Komplett-Putzen eines 18-Quadratmeter-Büros hat eine Gebäudereinigerin gerade einmal 2 Minuten und 19 Sekunden Zeit.
Der Kampf gegen die Uhr: Exakt 8,4 Sekunden für das Abstauben der Schreibtischlampe. Für das Komplett-Putzen eines 18-Quadratmeter-Büros hat eine Gebäudereinigerin gerade einmal 2 Minuten und 19 Sekunden Zeit. © IG BAU (R+W)
23.10.2015
Wenn beim Putzen immer die Stoppuhr mitläuft: Reinigungskräfte kämpfen nicht nur gegen Staub, Dreck und volle Papierkörbe. Sie kämpfen immer häufiger vor allem gegen die Uhr. Das hat die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU kritisiert. Von den Reinigungskräften werde verlangt, immer mehr Fläche zu machen – ohne dafür allerdings mehr Zeit zu bekommen.

Eine aktuelle Herbst-Umfrage der IG BAU unter Beschäftigten der Branche, habe gezeigt: 57 Prozent der Reinigungskräfte haben in den letzten zwei Jahren ein größeres Reinigungsrevier zugewiesen bekommen – und das bei gleichbleibender Stundenzahl. Neun von zehn der Befragten hätten angegeben, bei der Arbeit unter großem Zeitdruck zu stehen.

„Das Putz-Tempo nimmt zu. Der Druck auf die Reinigungskräfte ist dabei enorm. Es ist der Kampf ‚Mensch gegen Minute‘. Im Flur vom Altenheim, im Klassenzimmer, im Büro – das ,Turbo-Putzen‘ ist überall dort, wo gewischt und gesaugt wird. Wenn eine Gebäudereinigerin exakt 2 Minuten und 19 Sekunden Zeit hat, um ein 18-Quadratmeter-Büro sauber zu machen, dann ist das Putz-Stress pur“, sagt IG BAU-Bundesvorstands-mitglied Ulrike Laux. Ein Großteil schaffe es gar nicht mehr, die zugeteilten Reinigungsflächen in der vorgegebenen Zeit zu erledigen.

Bundesweit arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft derzeit über 600.000 Beschäftigte in der Gebäudereinigung. Davon seien jedoch 39 Prozent lediglich Mini-Jobber, neben einem steigenden Anteil Teilzeitbeschäftigte ist nur jeder dritte Arbeitsplatz in der Gebäudereinigung ein Vollzeit-Job ist. „Die Branche hat ein Vollzeit-Job-Problem, Beschäftigte wollen in Vollzeit arbeiten, bekommen aber nur eine Teilzeitstelle angeboten. Oft werden Vollzeitstellen in Teilzeit umgewandelt. Das Prinzip, das dahinter steckt, ist klar: Je mehr Menschen man beschäftigt, desto mehr Überstunden kann sind möglich“, so Ulrike Laux.

Die Branchen-Umfrage habe ergeben, dass 28 Prozent der Beschäftigten täglich Überstunden machen müssten. Darüber hinaus rechne gut die Hälfte der befragten Reinigungskräfte damit, immer wieder Mehrarbeit vom Arbeitgeber angewiesen zu bekommen. Ein großes Problem ist, dass in 30 Prozent der Fälle die Überstunden nicht einmal bezahlt würden. Das habe die Umfrage klar gezeigt.

Die IG BAU will die Arbeitgeber bei der nächsten Runde der Tarifverhandlungen am kommenden Donnerstag mit den Missständen im Gebäudereiniger-Handwerk konfrontieren. Darüber hinaus fordert sie ein Lohn-Plus. So soll etwa die niedrigste Lohngruppe für die Reinigungsbranche um 80 Cent auf dann 10,35 Euro (West) beziehungsweise 9,30 Euro (Ost) pro Stunde angehoben werden.

Die Arbeitgeber nennen die Beispiele „praxisfern“ und bestreiten die Probleme. „Es geht um die Menschen in der Branche, die Beschäftigten, ohne sie, wäre ein Umsatz von 15 Milliarden nicht zu erreichen,“ so Laux.

Die IG BAU hat ein klare Erwartung an die Arbeitgeber: „Sie müssen bei der nächsten Tarifverhandlung ein Angebot vorlegen, dass der Arbeit der Gebäudereiniger gerecht wird. Mehr Wertschätzung bedeutet auch entsprechende Bezahlung und Probleme der Arbeitnehmer ernst nehmen,“ bekräftigt Ulrike Laux die Forderungen der IG BAU.

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