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Geld spielt keine Rolle…


© IG BAU (Dirk Eilert)
Hannover, 12.03.2013
Sea Life Hannover gestern Vormittag. Die Center-Leitung hat zur Eröffnung der diesjährigen Sonderausstellung eingeladen: Dutzende Kinder einer Grundschule mit ihren Betreuern sind gekommen, es wurde gesungen, Süßigkeiten verteilt. Dazu natürlich die Presse. Schöne heile Sea Life-Welt. Doch wie es drinnen aussieht – das lassen die Kolleginnen erahnen, die mit einem großen Transparent und ihrer IG BAU vor dem Sea Life Center stehen.

Die Türen sind verschlossen, von 10 bis 14 Uhr werden Besucher weggeschickt. Vor dem Center patroulliert ein externer Sicherheitsdienst. Die geladenen Gäste und die heile Kinderwelt sollen offenbar nicht mit den nackten Lohnfakten und der Forderung nach einem Haustarifvertrag erschreckt werden.

Die Kolleginnen, die mit ihrer IG BAU und einem großen Transparent am provisorischen „Presse-Point“ stehen, haben ihr Ziel trotz der zusätzlichen Sercurity-Männer erreicht: die zur Sonderausstellung eilenden Journalisten wurden mit ihren Pressemappen versorgt. Darin sind harte Fakten enthalten – und Kekse, die sehr plastisch zeigen, um was es geht: die Abschaffung der „tariffreien Zone“ und die Forderung nach einem Haustarifvertrag.

© privat
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Die Fakten haben es in sich: der Eintrittspreis für Erwachsene stieg von 2007 bis 2013 um 37,5 Prozent, der Eintrittspreis für Kinder gar um 83,33 Prozent! Der Einstiegslohn dagegen wuchs um magere 14,28 Prozent an, der Lohn für langjährige Mitarbeiter stieg um 18,57 Prozent von 7 Euro auf 8,30 Euro.

Die offenbar vom Center-Management gerufene Polizei schien irritiert. Hatte man ihr doch erzählt, „es gäbe eine Streikkundgebung mit ganz vielen wilden Leuten, lauten Tröten und ganz schlimmen Transparenten“. Die Wahrheit zeigte sich vor Ort – und auf dem Foto. Die Ordnungshüter waren zufrieden, konnten feststellen, die IG BAU betreut die Beschäftigten des Sea Life Centers und begleitet sie bei ihrer spontanen Aktion.

Hintergrund für die Aktion ist die Hinhaltetaktik der Geschäftsleitung, die den von den Beschäftigten erarbeiteten Entwurf eines Haustarifvertrags ignoriert und statt dessen nach betrieblichen Lösungen sucht, die es juristisch nicht gibt – und die von den Beschäftigten nicht gewollt sind.

Während draußen in der Kälte demonstriert wurde, waren drinnen andere Center-MitarbeiterInnen für vier Stunden eingeschlossen. Und auch auf sie passten Männer der externen Security auf. Selbst Büromitarbeiter waren offenbar den ganzen Tag dazu abgestellt, aufzupassen, dass die MitarbeiterInnen „drinnen“ ihren Job auch ordentlich machten. „Eine völlig überzogene, hysterische Reaktion unserer Geschäftsleitung“, fasst es eine Kollegin zusammen. Dass das Center-Management die arbeitenden Kolleginnen überwachen lässt, können sie auch einen Tag später kaum glauben.

Bemerkenswert, wie viel Zeit, Geld und Energie die Geschäftsleitung dafür aufwendet – statt sich mit ihren Beschäftigten an einen Tisch zu setzen und über den Haustarifvertrag zu verständigen.

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