Gebäudereinigung


Gemeinsam gehen wir's an

Bundesfachgruppenkonferenz Gebäudereiniger


© IG BAU (Kalle Meyer)
04.07.2014
Informativ und abwechslungsreich gestaltete sich die Bundesfachgruppenkonferenz der Gebäudereiniger am 23. und 24. Mai in der IG BAU-Bildungsstätte Steinbach. Und das lag nicht zuletzt an den externen Gästen. Mit JürgenHofmann und Lars Walter waren gleich zwei Vertreter der RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung (GGGR) e.V. vor Ort.

Diese hat sich zum Ziel gesetzt, durch die RAL Gütesicherung qualitativ hochwertige Dienstleistungen in der Gebäudereinigung sicherzustellen. Kein leichtes Unterfangen, denn „das Image unserer Branche ist schlecht“, gibt Hofmann, der Vorsitzender des Güteausschusses ist, unumwunden zu. Um schwarzen Schafen in ihren Reihen entgegenzuwirken, hat sich der Verein unumstößliche Aufnahmekriterien für Unternehmen gegeben. „Der Meisterbrief ist für die Mitgliedschaft eine zwingende Voraussetzung.“

Gebäudereinigung ist ein anspruchsvolles Handwerk, „deshalb brauchen wir Menschen, die auch ihr Handwerk verstehen“. Zusätzliche Bedingungen: jährliche Überprüfung, ob Güte- und Prüfbestimmungen eingehalten werden, sowie tarifgerechte Entlohnung der Beschäftigten. Hier liegt es aber auch an den Kunden, einen Auftrag entsprechend auszuschreiben und zu bezahlen. „In einer Musterkalkulation liegt der Stundenverrechnungssatz im Westen bei 18,81 Euro, im Osten bei 16,08 Euro. Und das ist noch ohne Wagnis und Gewinn“, rechnete Lars Walter,Assistent des GGGR-Geschäftsführers und Rechtsanwalt, vor.

Zur Erinnerung: Der Mindestlohn in der Innenreinigung liegt im Westen bei 9,31 Euro, im Osten bei 7,96 Euro. „Realistische Kalkulationszuschläge liegen in der Regel je nach Objektgröße und Unternehmen zwischen 90 und 110 Prozent.“ Doch nicht nur beim Preis hat die GGGR für Auftraggeber eine Richtschnur parat, sondern auch für die zu reinigende Fläche pro Stunde.

Unter dem Slogan „Sauberkeit braucht ihre Zeit“ haben IG BAU und GGGR bereits im Jahre 2010 eine entsprechende Infobroschüre herausgegeben. Dennoch: Eine verbindliche Regelung der Flächenleistung gibt es im Gebäudereiniger- Handwerk nach wie vor nicht.

Was es heißt, Akkord in der Zimmerreinigung von Hotels zu arbeiten, weiß auch Pia Osterhaus. Die RTL-Reporterin schlüpfte als Mitglied im „Team Wallraff“ undercover in die Rolle eines Zimmermädchens und filmte ihre Erlebnisse mit versteckter Kamera. Die Ausstrahlung sorgte seinerzeit für Aufsehen. Betroffene Hotels gelobten Besserung bei der Auswahl der Reinigungsunternehmen.

Doch die Erfahrungen der Bundesfachgruppenmitglieder zeugen vom Gegenteil. Und auch das „Team Wallraff“ ist nicht überzeugt, dass die Situation der Zimmermädchen heute eine andere ist. Konsequenz: Eine neue Reportage ist nicht ausgeschlossen.

Osterhaus appellierte an Betroffene, sich bei ihr zu melden. Mehr Selbstbewusstsein forderte auch das zuständige IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Ulrike Laux ein: „Wir trauen uns, jetzt auch Namen der schwarzen Schafe zu nennen.“

Dass es in der Gebäudereinigung noch ein großer Schritt in Richtung „faire Arbeit“ ist, war nach diesen Diskussionen schnell klar. Ebenso klar war aber auch: „Wir gehen das an! Die Betriebsräte werden von uns aufgefordert, genauer hinzusehen und die Diskussion in den Betrieben zu führen,“ so Laux.

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgaber Juli/August 2014.