Bauhauptgewerbe


Geschafft: Rumänische Bauarbeiter bekommen 100.000 Euro

Verhandlungserfolg auf Frankfurter Skandalbaustelle


© IG BAU (Ralf Helwerth)
04.03.2014
Protest und Verhandlungen brachten Erfolg: Die 50 rumänischen Bauarbeiter, die zum Teil seit November letzten Jahres auf ihren Lohn warten mussten, haben nun nahezu 100.000 Euro bekommen. Dies hat die IG BAU zusammen mit dem EVW (Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen e.V.) in Verhandlungen mit dem Generalunternehmer der Hotelbaustelle im Frankfurter Europaviertel erreicht.

Heute wurde der vereinbarte Betrag von der Firma Max Bögl ausgezahlt.

„In Anbetracht des ursprünglichen Angebots der Firma Max Bögl, jedem Betroffenen nur 100 Euro zu geben, ist dies ein großer Erfolg“, so der Verhandlungsführer der IG BAU, Ralf Helwerth. „Ohne die Unterstützung der Öffentlichkeit und prominenter Politiker, allen voran der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, wäre dies nicht möglich gewesen. Letztendlich war jedoch der Zusammenhalt der rumänischen Bauleute der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Mihai Balan vom EVW.

Die Bauarbeiter hatten seit dem 24. Februar vor der Baustelle Europaviertel protestiert. Unterstützt wurden sie mit einer Solidaritätsmahnwache der IG BAU und weiterer Gewerkschaften. Aufgedeckt wurde der Fall durch das DGB-Projekt „Faire Mobilität“ in Frankfurt, das aus Mitteln des Bundes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird. Solche Stellen werden in weiteren fünf Bundesländern betrieben. „Außer in Hessen werden alle anderen Beratungsstellen auch von den jeweiligen Landesregierungen finanziell und ideell unterstützt“, so Mihai Balan.

Die Situation auf den öffentlichen Baustellen des Landes oder der Kommunen in Hessen unterscheide sich nicht grundsätzlich von der Situation auf der Max-Bögl-Baustelle, so die Erfahrungen der IG Bauen-Agrar-Umwelt. „Immer wieder werden Wanderarbeiter um ihren Lohn betrogen. Wir brauchen für Hessen endlich ein wirksames mit Kontrollmechanismen ausgestattetes Vergabegesetz“, sagt IG BAU-Gewerkschaftssekretär Ralf Helwerth. Und der Zoll benötige dringend mehr Personal für den Kampf gegen illegale Beschäftigung, Schwarzarbeit und gesetzwidriges Unterlaufen des Mindestlohns.

Im vorliegenden Fall haben die rumänischen Bauarbeiter zwischenzeitlich vor dem Zoll (Finanzkontrolle Schwarzarbeit) in Frankfurt/Main ihre Aussagen gemacht. Dieser hat nun zu entscheiden, ob er Ermittlungen gegen den Bögl-Subunternehmer S.C K&T Construct Germarom S.R.L. aus Tecuci in Rumänien einleitet.

Mihai Balan berichtet über die Verhandlungen mit dem Generalunternehmer © IG BAU (Ralf Helwerth)