E-Klasse / Wir sind die IG BAU


„Gute Tarifverträge gibt’s nur mit starken Gewerkschaften“

Eine von uns: Shenja Bäumer


© Franz Brück
03.03.2013
Acht Uhr: Shenja ist müde. Die Nacht war unruhig und kurz. Erik, ihr sieben Monate alter Sohn, bekommt einen Zahn und hat viel geweint. Jetzt ist er erschöpft eingeschlafen. Die junge Mutter nutzt bei einer Tasse Kaffee die „Babypause“, um ihren PC hochzufahren und die E-Mails zu checken. Ihr besonderes Augenmerk gilt dem Protokoll der Bundesfachgruppenkonferenz Floristik.

An die Veranstaltung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Anfang November 2012 in Göttingen denkt die 31-Jährige gerne zurück. Die Gütersloherin wurde dort zur Bundesfachgruppenvorsitzenden gewählt. „Über das Vertrauen meiner Kolleginnen und Kollegen habe ich mich sehr gefreut. Denn die Nachfolge von Elisabeth Klumpe anzutreten, ist für mich eine Ehre“, stellt Shenja fest. Die Floristikmeisterin zögerte anfangs noch bei der Nominierung. Nicht, weil der ehrgeizigen jungen Frau die Fähigkeiten zu solch einem Ehrenamt fehlen, sondern wegen Erik, der seine Mutter ganz schön auf Trab hält. „Meine IG BAU-Kolleginnen und -Kollegen machten mir Mut und sagten, dass ich Erik jederzeit zu den Veranstaltungen mitbringen kann“, erzählt Shenja. Und so hatte der kleine Mann sein Gewerkschafts-Debüt schon in Göttingen.

„Ohne die Unterstützung meiner Schwester, die in Göttingen studiert, wäre das allerdings nicht möglich gewesen.“ Lara kümmerte sich während der beiden Kongresstage rührend um ihren Neffen. Shenja wusste ihren Sohn in den besten Händen und konnte sich ganz auf den Konferenzverlauf und ihr neues Amt konzentrieren. Die Pausen gehörten allerdings ihrem „Sunnyboy“, der die Herzen der Gäste und Delegierten im Sturm eroberte.

Genau wie Erik atmete Shenja schon früh gewerkschaftlichen Stallgeruch. Ihre Eltern nahmen sie im Kinderwagen mit zu Demos, 1. Mai-Veranstaltungen und Seminaren. Gleich zu Beginn ihrer Florisitik-Ausbildung trat Shenja in die IG BAU ein. „Die Arbeitgeber organisieren sich auch. Deshalb sollten es die Arbeitnehmer ebenfalls tun. Geregelte Arbeitsbedingungen gibt’s nur mit Tarifverträgen. Und Tarifverträge nur mit starken Gewerkschaften.“

„Ich liebe meinen schönen Beruf“
Shenja liebt ihren Beruf sehr. So sehr, dass sie nach erfolgreicher Gesellenprüfung die Meisterprüfung draufsetzte. „In dem Jahr des Meisterkurses konnte ich meinen schönen Beruf ausleben und habe viel dazugelernt“, erinnert sich Shenja, die so bald wie möglich wieder in Teilzeit einsteigen möchte. Noch hapert es allerdings an einem Krippenplatz für Erik.

Besonders am Herzen liegen der Gewerkschafterin die Floristik-Beschäftigten: „Ihr Beruf ist hoch qualifiziert und verlangt ihnen Kreativität, handwerkliches Geschick, Verkaufstalent und guten Umgang mit Menschen ab. Im Gegenzug dazu steht ihnen ein gerechtes Einkommen zu, von dem sie in Würde leben können. Als Tarifkommissions-Mitglied mache ich mich gemeinsam mit der IG BAU dafür stark.“ Bei all ihrem sozialen Engagement hat die junge Mutter immer wieder eine bessere Zukunft für ihren Sohn und die nachfolgende Generation im Blick.

Das Telefon klingelt. Erik wacht auf. Am anderen Ende der Leitung Jörg Heinel vom IG BAU-Bundesvorstand. Der Branchensekretär möchte sich mit Shenja noch einmal über die Aktion am 23. Januar in Essen unterhalten. Vor den Toren der Internationalen Pflanzenmesse verteilten IG BAUler an die Besucher Flugblätter, um auf die schlechte Bezahlung in den grünen Branchen aufmerksam zu machen. „Ja, unsere Aktion war super“, stellt Shenja stolz fest und hat Mühe, Erik auf ihrem Arm im Zaum zu halten. Der Kleine ist putzmunter und hat Hunger. „Jörg, ich rufe zurück“, sagt Shenja und beendet schnell das Telefonat. Der Vater dreier Kinder hat dafür vollstes Verständnis.

Zur Person:
Name: Shenja Bäumer
Jahrgang: 1981
Beruf: Floristikmeisterin
Gewerkschaftsmitglied seit: 1998

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann" 3/2013.