Landwirtschaft


Handlungsbedarf: Demographischer Wandel in der Landwirtschaft

IG BAU legt Memorandum vor


© IG BAU (Paul Schimweg)
03.07.2014
Mit Blick auf den umfassenden demographischen Wandel, dem sich die deutsche Gesellschaft ausgesetzt sieht, stellen sich in der Arbeitswelt neue Herausforderungen. Schon heute haben Unternehmen Probleme, ihren Arbeitskräftebedarf in Konkurrenz mit anderen Wirtschaftsbereichen zu decken. Die Landwirtschaft steht im Wettbewerb mit anderen Branchen um Nachwuchskräfte besonders schlecht da.

Die Ursachen sind vielfältig: Arbeitnehmer verdienen im ländlichen Raum 30 bis 40 Prozent weniger als Industriearbeiter. Häufiger als andere Berufsgruppen sind Landwirte von beruflich bedingten Erkrankungen betroffen. Nach wie vor ist die Landwirtschaft ein nahezu demokratiefreier Raum. Berufliche Weiterbildung findet kaum statt und damit verbundene Chancen zur personellen Weiterentwicklung sind für die Beschäftigten nur schwer wahrzunehmen.

Zudem herrscht in der Öffentlichkeit oft ein unrealistisches Bild über den Beruf des Landwirts vor, das zwischen Idealisierung einerseits und Abwertung andererseits schwankt. Dabei muss sich der Berufsstand der Landwirtschaft nicht verstecken. Der moderne Landwirt, ob selbstständig oder abhängig beschäftigt, verfügt über eine gute berufliche Grundbildung, hat hohe ökologische und technische Anforderungen zu erfüllen und spielt als Produzent von Nahrungsmitteln eine zentrale gesellschaftliche Rolle. Um diesen Widersprüchen zu begegnen und den Arbeitsplatz Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen, bedarf es einer klaren Strategie.

Diese Strategie muss unserer Meinung nach auf vier Säulen beruhen: einer soliden wirtschaftlichen und sozialen Absicherung, einem umfassenden Arbeits- und Gesundheitsschutz, durchlässigen und partizipativen Personalentwicklungsstrukturen sowie lebenslangem Lernen. Die IG BAU sieht folgende Handlungsfelder: In der Landwirtschaft muss guter Lohn für gute Arbeit gezahlt werden. Die Mindestrenten sind zu sichern. Betriebliche Gesundheitsvorsorge und Prävention sollten verbessert werden. Bislang vernachlässigte Potentiale an Arbeitnehmern sind zu erschließen. Die Arbeitszufriedenheit der Arbeitnehmer ist durch eine aktive Personalentwicklung und durch die Teilhabe an Entscheidungen zu stärken. Qualifizierung und Weiterbildung müssen ausgebaut werden.

Auch wenn sich viele Betriebe heute schon individuell engagieren, braucht es nach Meinung der IG BAU den Einsatz der ganzen Branche. Die IG BAU befürchtet, dass sonst grundlegende Chancen vergeben werden. Mit dem vorliegenden Memorandum soll zu einer breiten Diskussion innerhalb des Berufsstandes angeregt werden.

Memorandum "Handlungsbedarf - Demographischer Wandel in der Landwirtschaft"