Gartenbau und Floristik


„Ich weiß morgens schon, was mir abends blüht“

Begeisterte Hobby-Imker: Claudia und Wolfgang produzieren ihren Honig selbst
Begeisterte Hobby-Imker: Claudia und Wolfgang produzieren ihren Honig selbst © IG BAU (Kalle Meyer)
10.09.2014
„Bei meinem Beruf weiß ich jeden Tag, was mir blüht“, sagt Claudia Georgens mit einem Augenzwinkern. Die Gärtnerin liebt ihre Arbeit und gibt ihr „grünes“ Wissen gerne an junge Menschen weiter. Claudia ist Ausbilderin im Berufsbildungswerk
Südhessen in Karben. Acht Azubis hat sie zurzeit in ihrer Obhut. Jugendliche mit einem besonderen Förderbedarf.

Die 54-jährige Bad Homburgerin gibt ihnen die Chance eines Berufsabschlusses und ermöglicht damit den Start in ein selbstständiges Erwachsenenleben. Drei Jahre – bis zur Abschlussprüfung – steht Claudia ihren Mädels und Jungs zur Seite und bringt ihnen alles über den Zierpflanzenbau, wie Anzucht und Pflege von Schnittblumen, Topf- und Beetpflanzen, bei. „Frau Georgens, die Pflanzenlieferung ist da. Wo soll sie hin?“, fragt einer ihrer Schützlinge. „Ins Gewächshaus.Dort topfen wir sie ein“, antwortet Claudia und packt couragiert mit an.

Sie selbst hat in einem kleinen Familienbetrieb gelernt. Die Ausbildung war kein „Ponyhof“: Knochenarbeit, unregelmäßige Arbeitszeiten, niedrige Bezahlung. „Ein Bürojob kamfürmich trotzdemnicht infrage. Ich wollte einen kreativen Berufmit viel Bewegung
in der Natur“, erzählt die Gärtnerin.

Alleine unter Forstwirten

Gewerkschaftsmitglied ist Claudia seit 1. April (kein Scherz) 1984. Dazu gekommen ist sie über die Berufsschule, als Harald Schaum, damaliger Sekretär der Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft (GGLF) und heutiger Stellvertretender IG
BAU-Bundesvorsitzender – die Schüler über ihre Rechte in der Arbeitswelt aufklärte. „Harald hat uns die Gewerkschaftmit all ihren Vorteilen so überzeugend nahegebracht, dass ich nicht lange überlegen musste und in die GGLF eintrat“, erzählt Claudia und erinnert sich an ihre erste Fachgruppenversammlung: „Als einzige Frau alleine unter Forstwirten. Die Kollegen haben mich aber freundlich aufgenommen.“

Mittlerweile ist die Gewerkschafterin nicht nur in ihrem Bezirksverband Gelnhausen-Friedberg aktiv. Sie ist Vorstandsmitglied in der Bundesfachgruppe Gartenbau und gehört der Tarifkommission Gartenbau sowie dem Berufsbildungsausschuss an. Claudias beruflicher Ehrgeiz führte sie zur Meisterschule nach Kassel. Eine gute Entscheidung. Denn dort lernte sie ihren Mann Wolfgang kennen. „Ich heirate dich nur, wenn du in die Gewerkschaft eintrittst“, so die nicht ganz ernst gemeinte Ehe-Voraussetzung der resoluten Frau. Wolfgang „gehorchte“ – in erster Linie aber aus Überzeugung zur GGLF.

Das Ehepaar teilt eine große Leidenschaft. Die Imkerei. „Wir essen beide gerne Honig. Eines Tages hatte Wolfgang die Idee, selbst welchen herzustellen.“ Die Begeisterung für Bienen wurde bei den beiden erst richtig in einem Volkshochschulkurs geweckt. Doch mit den ersten zwei Bienenvölkern kam auch der Frust: Die Tiere sind eingegangen. Mittlerweile sind Claudia und Wolfgang Profis und produzieren ihren Honig selbst. Für ihre anderen Hobbys, wie Lesen, Theater, Oper, Kino, bleibt Claudia nicht mehr viel Zeit. Aber Line Dance, das muss regelmäßig sein: „Ich tanze gerne und Wolfgang nicht. BeimLine Dance braucht man keinen Partner“, sagt Claudia verschmitzt und meint: „Frau muss auch mal was alleine
unternehmen.“

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann, 10/2014.

© IG BAU (Kalle Meyer)