E-Klasse / Wir sind die IG BAU


„In der Fastnacht ist es wie in der IG BAU – nur gemeinsam sind wir stark“


© Paul Müller
26.02.2014
Narrhallamarsch, Tusch, ein dreifach-donnerndes Helau oder Alaaf – seit 11.11. sind in den karnevalistischen Hochburgen wieder die Narren los. Und mitten drin im närrischen Treiben unser IG BAU-Kollege Franz-Joseph Baliko. „Für die Aktiven ist Fassenacht eine bierernste Angelegenheit“, sagt der 67-jährige Wiesbadener und lehnt sich entspannt in seinem Sessel zurück. Man könnte es ihm glauben, wäre da nicht der Schalk in den Augen, wenn der „Narr“ von seiner jahrzehntelangen Karnevalskarriere erzählt:

„Ich war 20, als mich ein Nachbar zur Sitzung des Karneval-Clubs ,Die Wubbe 1951’ mitnahm. Um mich herum junge, nette und lustige Menschen. Sie waren mir auf Anhieb sympathisch. Wir haben gesungen, geschunkelt und viel gelacht. Ganz meine Welt. Ich war karnevalistisch infiziert.“

Franz-Joseph wurde mit offenen Armen in der Jugendgruppe des Vereins aufgenommen. „Wir hatten Ziele und viele Ideen. Es war Ehrensache, die Bühnen- und Saaldekoration selbst zu entwerfen und herzustellen. So konnten wir Männer unser handwerkliches Geschick unter Beweis stellen – und die Frauen ihre Kreativität. Sie haben gebastelt und fleißig Kostüme genäht.

Den Karnevalswagen durften wir auf dem Firmengelände von Dyckerhoff +Widmann, wo ich gearbeitet habe, zusammenbauen.“ Wenn sich am Faschings-Sonntag der mit viel Liebe gestaltete Motivwagen in den Karnevalsumzug einreihte und durch die Wiesbadener Innenstadt schlängelte, waren die „Narren“ stolz. Nach Konfettiregen und stundenlangen Helau-Rufen ging’s anschließend zu Balikos nach Hause – zum obligatorischen Kreppelessen. „Durch den Karneval sind viele Freundschaften entstanden“, freut sich Sieglinde, die mit Franz-Joseph seit 45 Jahren verheiratet ist.

„In der Fastnacht ist es wie in der Gewerkschaft – nur gemeinsam sind wir stark. Denn alleine kann man nichts bewegen“, meint Franz-Joseph.

Der "Letzte Heuler" bei RTL

Alleine war der Karnevalist nur in der Bütt. Als „Zirkusdirektor“, „Knallkopp“ oder „Blauer Bläser“ begeisterte er die hessische Narrenschar. Drei bis vier Auftritte an einem Abend waren keine Seltenheit.

Auch über die Landesgrenze hinaus war der Büttenredner gefragt, wie im benachbarten Rheinland-Pfalz. Und gern gesehener Zuschauer-Gast war Franz-Joseph in Köln, beim damaligen Karnevalsverein „Spies erop“ der Baugewerkschaft. Der überzeugte Gewerkschafter war dann nicht nur als „Fassenachter“ unter seinesgleichen. Der Höhepunkt seiner über 40-jährigen „Büttzeit“ war wohl der Fernsehauftritt als „Letzter Heuler“ bei RTL.

Auf der Showbühne steht der Karnevalist heute nicht mehr. Aber so ganz ohne geht es nicht. Franz-Joseph ist Mitglied bei der Dachorganisation Wiesbadener Karneval 1950 e.V. (Dacho), die die jährliche Sitzung im Wiesbadener Kurhaus organisiert. Er ist Teil des Regieteams und verantwortlich für die Künstlerbetreuung. „Peter Beuth, der neue hessische Innenminister, gehört auch zu unserem Orga-Team und ist Dacho-Sitzungspräsident. In der ,Fünften Jahreszeit‘ darf ich ihm sogar Vorschriftenmachen“, meint Franz-Joseph und lacht verschmitzt.

In der Familie ist das Organisationstalent von Sieglinde und Franz-Joseph als „Oma und Opa in Reichweite“ sehr gefragt. „Wir wollten unserer Schwiegertochter nach der Elternzeit den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen und betreuen deshalb zweimal in der Woche unsere Enkel Carina (drei Jahre) und Tobias (sechs Jahre). Schöner Nebeneffekt für uns: Wir bleiben fit“, freut sich das rüstige Rentner-Ehepaar.

Fit halten sich die beiden auch beim Hegen und Pflegen ihres geliebten Gartens. In der grünen Oase ist schon der eine oder andere Kalauer des „Knallkopps“, „Letzten Heulers“, „Zirkusdirektors“ oder „Blauen Bläsers“ entstanden. Helau!

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe 02/2014.

© privat

Sieglinde und Franz-Joseph: „Oma und Opa in Reichweite“. Die Enkel halten sie fit.