Frauen


Internationaler Frauentag 2016


05.02.2016
Überall auf der Welt wird die Arbeit von Frauen geringer geschätzt als die der Männer. Die Bau-Holz-Internationale (BHI) hat deshalb eine weltweite Frauenkampagne gestartet unter dem Titel: „Honoriert, was Frauen leisten!“. Der Internationale Frauentag am 8. März ist als Aktionstag für alle Mitgliedsgewerkschaften geplant.

Die IG BAU-Frauen verfassen einen Aufruf, der zusammen mit Rosen in den Betrieben verteilt werden soll. Hierzu bitten sie auch ihre männlichen Kollegen um Unterstützung. Die Flugblätter sind über das Frauenreferat erhältlich, E-Mail: frauen@igbau.de.

"Teilen Jungs"...

…lautete das Motto der DGB-Frauen zum 8.März 1995. An der Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern und an der Entgeltlücke von rund 22 Prozent hat sich seitdem wenig verändert. Deshalb ist die Kampagne „Honoriert, was Frauen leisten!“ Themenschwerpunkt für das ganze Jahr und auch Motto der Bundesfrauenkonferenz der IG BAU vom 29. September bis 2. Oktober in Steinbach. Dabei geht es sowohl um die bezahlte wie auch um die unbezahlte Arbeit, die nach wie vor überwiegend von Frauen geleistet wird.

Die Kolleginnen der Schwestergewerkschaften Unia (Schweiz) und Bau-Holz (Österreich) setzen hierauf ebenfalls ihren Fokus. Gemeinsam fordern die Gewerkschafterinnen, dass man ihre unbezahlte Sorge-Arbeit mehr wertschätzt und gleichermaßen unter Männern und Frauen aufteilt.

Noch immer stellen Frauen ihre berufliche Karriere zugunsten der Familie zurück und arbeiten häufig in Teilzeit. Das hat gravierende Folgen für ihre soziale Sicherung. Nicht einmal jede zweite Frau kann langfristig ihre Existenz aus der eigenen Erwerbsarbeit absichern.

Entsprechend haben Alleinerziehende ein hohes Armutsrisiko, und auch die Altersarmut in Deutschland ist in erster Linie weiblich. Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte nach Meinung der IG BAU-Frauen hier Abhilfe schaffen.

Der Wert der Arbeit der Frauen

Bei der Entlohnung von Erwerbsarbeit zeigt sich: Je näher die Arbeit an der Hausarbeit ist, desto schlechter wird sie bezahlt. Das gilt für die Erziehung von Kindern, die Pflege, Haare schneiden, putzen, kochen, bedienen etc. All diese Berufe dienen mehr oder weniger direkt den Menschen.

„Man muss die Tätigkeiten von Frauen nicht extra aufwerten“, erklärt Angelika Müller, Bundesfrauenvorsitzende der IG BAU. „Ihr Wert steht außer Frage. Sie müssen nur endlich angemessen bezahlt werden. Wichtig ist, dass sich Frauen in Gewerkschaften organisieren und in Gremien wie Tarifkommissionen engagieren.“

Im Betrieb neigen viele Frauen dazu, darauf zu warten, dass ihre gute Leistung bemerkt und honoriert wird. Männer werden häufiger selbst aktiv. Die Kommunikationsseminare der IG BAU-Frauen fördern deshalb das selbstsichere Auftreten von Frauen mit dem Ziel, sich den Wert der eigenen Arbeit bewusst zu machen und sich mehr zuzutrauen.

Gleichermaßen bedarf es einer „Willkommens-Kultur“ in den männlich dominierten Bereichen der Unternehmen, um den Anteil von Frauen in Leitungs- und Führungspositionen zu erhöhen. Wenn Männer den gleichen Anteil an unbezahlter Arbeit übernehmen, löst sich auch das Problem überlanger Zeiten für Erwerbsarbeit, weil sie dann Zeit für andere Aufgaben brauchen.

Die IG BAU-Frauen fordern deshalb eine 30-Stunden-Woche als generelle Vollzeiterwerbsarbeit.

Ein Beitrag unserer Kollegin Sylvia Honsberg in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", 02/2016.

Der Aufruf

Honoriert, was Frauen leisten!

Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,

bei dem Wort „Arbeitszeit“ denken wir an die Zeit für die Erwerbsarbeit. Hinzu kommt aber die Zeit für die unbezahlte Arbeit im Haushalt, für Kinder und Pflege genauso wie für ehrenamtliches Engagement. Die unbezahlte Arbeit schafft die Voraussetzungen für die Erwerbsarbeit und trägt maßgeblich zum Funktionieren unserer Gesellschaft bei.

Sie wird zum größten Teil von Frauen übernommen, oft verbunden mit beruflichen Nachteilen und mangelnder eigener sozialer Sicherung. Die staatliche Förderung von Minijobs verstärkt das Armutsrisiko.

Die staatliche Förderung von Minijobs verstärkt das Armutsrisiko. Für die Erwerbsarbeit gilt: Je näher sie an der Familienarbeit ist, umso schlechter wird sie bezahlt. Fair ist das nicht!

Die IG BAU Frauen setzen sich ein für:

  • Gleiche Verteilung der Arbeit zwischen Frauen und Männern - auf allen Stufen der Karriereleiter wie auch bei der unbezahlten Arbeit,
  • die 30-Stunden-Woche als generelle Vollzeit-Erwerbsarbeit, um auch noch Zeit für die anderen wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben zu haben,
  • ein bedingungsloses Grundeinkommen, das soziale Sicherung vom Erwerbseinkommen unabhängig macht,
  • eine vergleichbare Entlohnung sogenannter Frauen- und Männerberufe,
  • eine Gesellschaft, in der anstatt dem Profitinteresse von Wenigen das Gemeinwohl Ziel des Handelns ist.

Um ihre Interessen zu verwirklichen, müssen sich Frauen organisieren und selbst für den Wert ihrer Arbeit einstehen. Wir brauchen genauso Männer, die bereit sind für eine partnerschaftliche Teilung aller Arbeit und die zu einem Bewusstseinswandel beitragen.

Miteinander für faire Arbeit und ein gutes Leben!