Frauen


Lila Lindwurm in der Brunnenallee

Internationaler Frauentag in Bad Wildungen


© Rita Müller
14.03.2014
Den Internationalen Frauentag am 8. März 2014 zelebrierten die aktiven Frauen mit einem zweitägigen Seminar und einer Kundgebung in Bad Wildungen. Dabei blickten sie zurück auf die Geschichte des Internationalen Frauentages und stellten die Unterschiede in der ehemaligen DDR und der alten BRD fest. In einer munteren Vorstellungsrunde schlüpften sie in die Rolle bekannter Männer. Die Positionen der Frauen innerhalb der IG BAU wurde ebenso diskutiert wie der Sinn und Zweck einer Frauenquote.

Die Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker forcierten bei einem Treffen in Kopenhagen den Beschluss, nach dem Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag veranstalten. Der erste Frauentag wurde dann am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. Während des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 passte der Weltfrauentag, der für Gleichberechtigung und politische Beteiligung von Frauen steht, nicht in die NS-Ideologie, er wurde verboten.

Die hessischen Frauen hatten Besuch von zwei aktiven Kolleginnen aus dem Bezirksverband Mecklenburg, was eine rege Gegenüberstellung hervorrief, wie der Frauentag in der ehemaligen DDR bzw. der alten BRD verbracht wurde und wie er in unserer heutigen Gesellschaft gefeiert wird.

In der ehemaligen DDR wurde Frauen die Chance geboten in Männerberufen wie Chemikant, Metallurge für Walzwerktechnik oder Schiffsbauschlosser zu arbeiten. Als besonders interessant empfanden die Teilnehmerinnen, dass Frauen ein bezahlter Haushaltstag zustand. Frauen bekamen zum Frauentag in der DDR Blumen, wurden von ihren männlichen Kollegen bei einem Festessen hofiert, oft bekamen sie einen halben Tag arbeitsfrei.

In der alten BRD fristete der Weltfrauentag eher ein Schattendasein und wurde lange vom übermächtigen Muttertag erdrückt.

Mit Bedauern stellten die Teilnehmerinnen fest, dass es weder im Osten noch im Westen gute und genügend Aufstiegschancen für arbeitende Frauen gab. Das hat sich zwar enorm gebessert hat, ist aber immer noch keinesfalls perfekt und ausreichend.

In einer munteren Vorstellungsrunde schlüpften die Teilnehmerinnen in die Rolle bekannter Männer. Von Jogi Löw über Klaus Wowereit, Willy Brandt, Thorsten Schäfer-Gümbel bis hin zu Leonado DiCaprio waren viele Prominente vertreten. Mit Witz und Verstand parodierten die Frauen das von Ihnen gewählte Vorbild exzellent.

Geleitet wurde das Seminar von Doris Hammes, Vorsitzende des Bezirksverbandes Mittelhessen, und Rita Müller (Vorsitzende der Fachgruppe Gebäudereinigung, und Mitglied des Frauenarbeitskreises im Bezirksverband Süd-West-Sachsen.

Es wurde geschaut welche Positionen die anwesenden Frauen in der IG BAU bekleiden. Anhand dieser Fakten diskutierte man über Sinn und Zweck der Frauenquote. Die Meinungen waren genauso vielfältig wie die anwesenden Frauen. In einem waren sich alle einig: Frauen brauchen bessere Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuungsangebote, flexible Arbeitszeiten und, wenn erwünscht, auch ein Angebot von Teilzeitarbeitsplätzen. Auch Lebensgemeinschaften sollten als das verstanden werden was sie sind, Partnerschaften.

Besonders Vergnügen machte es den Teilnehmerinnen, mit dem als Leihgabe vom Bezirksverband Gelsenkirchen zur Verfügung gestellten Lindwurm in der Brunnenallee im Kurviertel von Bad Wildungen auf sich aufmerksam zu machen. Die Aktiven im lilafarbenen Lindwurm wurden rundum positiv auf genommen. Ein Herr bot sich als Megaphon an und rief zur Verwunderung von Passanten die auf dem Wurm geforderten Thesen in die Brunnenallee. Leider wissen einige Frauen noch immer nicht um die Bedeutung dieses Tages. Viele, gerade jüngere Frauen vergessen, dass Frauen vorangegangener Generationen sich jedes einzelne ihrer Rechte schwer und unter Entbehrungen erkämpfen mussten:

1918 Frauen dürfen wählen
1958 Frauen dürfen ohne Erlaubnis ihres Mannes Führerschein machen
1966 Frauen dürfen alleine ein Konto eröffnen
1977 Frauen dürfen ohne Erlaubnis ihres Mannes eine Arbeit aufnehmen

Emanzipation, die volle Gleichberechtigung, werden Frauen erst dann erreichen, wenn Frauen sich mit Frauen solidarisch zeigen und wenn die Männer, die oft mit der „starken Frau“ überfordert sind , sie als gleichberechtigte Partnerin akzeptieren.

Ein Beitrag unserer Kollegin Petra Foote.

© Rita Müller

Mit Spaß und Engagement dabei: die Seminarteilnehmerinnen