Bauhauptgewerbe


Mahnwache gegen Ausbeutung

© mobifair (Tobias Lipser)
© mobifair (Tobias Lipser)
Frankfurt am Main, 26.10.2012
Mit einer Mahnwache haben 13 Wanderarbeiter aus Rumänien heute auf ihre Notlage aufmerksam gemacht. Unterstützt von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), dem DGB-Projekt Faire Mobilität sowie dem Projekt Mobifair demonstrierten sie vor ihrer Baustelle im Europaviertel in Frankfurt am Main für die Auszahlung ihrer Löhne. Bisher haben die Bauarbeiter lediglich einen Stundenlohn von 1,09 Euro erhalten.

Ihre Lage ist inzwischen so angespannt, dass sie sich nicht einmal mehr etwas zu Essen kaufen können. Mit einer Nothilfeaktion hat die IG BAU für die Betroffenen Lebensmittel eingekauft, um sie wenigstens für die kommenden Tage zu versorgen.

Wie es dazu kommen konnte erklärt Mihai Balan, Berater des DGB-Projekts Faire Mobilität, so: „Die Rumänen waren im September von einer Firma in ihrer Heimat angeworben worden. Sie versprach einen Monatslohn von 1200 Euro und zusätzlich 300 Euro für Nahrung. Zudem sollten Kosten für Unterkunft und Transport vom Arbeitgeber übernommen werden. Doch der Arbeitgeber spielte falsch. In Deutschland angekommen nutzte er die mangelnde Sprachkenntnis der Rumänen aus und ließ sie eine Gewerbeanmeldung unterschreiben. Damit sind sie ohne Wissen und Wollen zu Scheinselbstständigen geworden. Die Mindestlöhne sollten auf einmal nicht mehr gelten. Gleichzeitig wurden ihnen die Kosten für Transport und Unterkunft in Rechnung gestellt und vom Lohn abgezogen. Übrig blieb so gut wie nichts.“

Das Geld brauchen die Bauarbeiter dringend. Ihre Familien können schon jetzt ihre Mieten nicht mehr bezahlen. Damit droht ihnen kurz vor dem Winter Obdachlosigkeit. Balan setzt sich derzeit bei dem Generalunternehmer der Baustelle, Dressler Bau, für eine schnelle Hilfe für die Betroffenen ein. IG BAU und das Projekt Faire Mobilität sehen den Generalunternehmer in der Pflicht für saubere Zustände auf seiner Baustelle zu sorgen. Er ist am ehesten im Stande, die für ihn tätigen Subunternehmen zur Einhaltung der hiesigen gesetzlichen Bestimmungen zu bewegen.

Das DGB-Projekt Faire Moblität kümmert sich in Zusammenarbeit mit der IG BAU um in Not geratene irreguläre Beschäftigte am Bau. Es wird gefördert durch den Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Am Freitag, 26. Oktober, berichtet die Hessenschau um 19.30 Uhr über den Fall. Ab Samstag gibt's ihn dann auch im 7-Tage-Archiv der Hessenschau.

Angekündigt ist auch ein Beitrag in defacto (Sonntag, 18 Uhr im HR-Fernsehen).

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