Dachdecker-, Gerüstbauer- und Steinmetzhandwerk


Mehr Schein als Sein!?

© Rainer Sturm / www.pixelio.de
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04.12.2012
Die Botschaft liest sich gut: "Wir verfolgen und fördern alle Bemühungen auf nationaler und internationaler Ebene, welche die Ächtung der Kinderarbeit zum Ziel haben." Der Bundesverband Deutscher Steinmetze geht (medial) in die Offensive. In einer Pressemitteilung versichern Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb und Geschäftsführer Josef Reichart, dass sie das Thema "Kinderarbeit sehr ernst nehmen und "aktiv an deren Bekämpfung mitwirken wollen".

Allerdings "ist es aus unserer Sicht schwierig, weltpolitische Probleme auf kommunaler Ebene lösen zu wollen", kritisieren die Unterzeichner, dass bundesweit immer mehr Kommunen in ihren Friedhofssatzungen den Nachweis fordern, dass Grabsteine ohne Kinderarbeit gefertig wurden - so wie die prachtvollen, alten Denkmäler.

"Wenn nun einzelne Kollegen gegen eine solche Satzung geklagt haben oder dies aktuell tun, dann geht es immer ausschließlich um die Frage der kommunalen Zuständigkeit" und nicht um die Bekämpfung von Kinderarbeit.

Nun sollte man wissen, dass der Bundesverband Deutscher Steinmetze immer mal wieder ähnlich lautende Pressemitteilungen verfasst. Gespräche mit Zertifizierungsorganisationen sollen geführt, Arbeitsgruppen eingerichtet und Lösungen gefunden werden. Es ist den Absendern gewiss ernst damit, sich vehement gegen Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen einsetzen zu wollen. Aber eine konstruktive Vorgehensweise ist nicht zu bemerken.

Und es hinterlässt auch einen schalen Beigeschmack, wenn in einer offiziell unabhängigen Fachzeitschrift, die dem Verband aber sehr nahesteht, zu diesem Thema als einzige Zertifizierungsorganisation die IGEP-Foundation zu Wort kommt, die nach eigenen Angaben im Augenblick mit 22 deutschen Grabsteinimporteuren zusammenarbeitet.

Hinter der IGEP-Foundation verbirgt sich ein Wirtschaftsverband, der sich die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen indischen und deutschen Unternehmen auf die Fahne geschrieben hat. Dieser droht gerade, die gemeinnützige Organisation EarthLink zu verklagen. Im Auftrag der Stadt Hannover hatte diese einen Vergleich der in Deutschland angebotenen Sozialsiegel für Natursteine und Natursteinprodukte aufgestellt. Dabei schnitt IGEP im Vergleich zu Xertifix und Win-Win/Fair Stones schlecht ab. Grund: mangelnde Transparenz und fehlende Kooperation.

Auf den Vorschlag, fehlende Informationen einfach nachzuliefern, ging IGEP nicht ein, sondern will lieber den Gang vor den Kadi antreten. Eine transparente, nachvollziehbare Zertifizierung, die Kinderarbeit lückenlos ausschließt, sieht anders aus.

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der Novemberausgabe 2012 der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann".