Die Blumengebinde fallen nicht vom Himmel. Floristinnen und Floristen sind diejenigen, die mit harter Arbeit die blumigen Überraschungen des Valentinstages überhaupt erst ermöglichen.
Die meisten Beschäftigten im Blumenhandel sind Frauen. In der Regel empfinden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Floristikbranche ihren Beruf als einen der schönsten und kreativsten. Doch hinter vorgehaltener Hand wird oftmals die berufliche Schattenseite zugegeben. Sehr hohe körperliche Belastung, wie den ganzen Tag stehen, schwere Keramiken oder auch Säcke mit Sand tragen zu müssen, sind keine Ausnahme in der Floristik.
Hinzu kommt die Belastung durch die Arbeitszeit. Tarifvertraglich geregelt, beträgt die wöchentliche Arbeitszeit für Floristinnen und Floristen 39 Stunden in den westlichen und 41 Stunden in den östlichen Bundesländern. Der betriebliche Alltag sieht anders aus. Häufig kommen viele Überstunden hinzu, oftmals muss an Feiertagen oder auch am Sonntag zusätzlich gearbeitet werden. Nicht nur Mütter bekommen bei solchen Arbeitszeiten große Probleme, ihr Privatleben noch angemessen organsiert zu bekommen.
Die Blumengebinde fallen nicht vom Himmel. Floristinnen und Floristen sind diejenigen, die mit harter Arbeit die blumigen Überraschungen des Valentinstages überhaupt erst ermöglichen.
Und zu guter Letzt: all das bei nach wie vor schlechter Bezahlung. Im Westen der Republik konnte die Floristen-Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt für die gewerkschaftlich organisierten Betroffenen der Branche vor zweieinhalb Jahren tarifpolitisch große Erfolge erzielen, im Osten sind Arbeitgeber nach wie vor nicht bereit, den Niedriglöhnen im freien Fall tarifvertraglich Einhalt zu gebieten.
IG BAU und der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) konnten im Sommer 2009 zukunftsweisend für die Floristikbranche West tarifliche Akzente setzen. Nach fast vierjährigem tariflosen Zustand einigten sich beide Tarifparteien auf eine neue Regelung. In der Einigung des Rahmentarifvertrages ist das Arbeitszeitkonto hervorzuheben. Hierbei können bis zu 100 Plus-Stunden angesammelt werden. Auch die Ergebnisse für den Lohntarif West konnten sich in Anbetracht der Ausgangslage sehen lassen. Dumpinglöhne unter 7,50 Euro sollten nun der Geschichte angehören.
Dennoch, auch im Westen der Bundesrepublik gab es in den letzten Jahren eine deutliche Preissteigerung, die alle Menschen zu spüren bekamen. Bei nach wie vor niedrigen Bruttolöhnen für ausgebildete Floristinnen und Floristen von 1.600 Euro im Monat trifft sie das besonders hart. Beschäftigte ohne floristische Ausbildung sollen sogar nur mit 1.360 Euro brutto monatlich über die Runden kommen.
Die Tarifrunde 2012 Floristik West steht nun für die IG BAU in diesem Sommer an. Die Beschäftigten der Branche haben das Recht, eine angemessene Wertschätzung ihres Berufes und ihrer täglichen Arbeit zu erhalten. Diese Wertschätzung bemisst sich auch an der Höhe des Lohnes, den sie am Ende des Monats nach Hause bringen. Dieser Lohn muss für ein Leben ohne finanzielle Nöte ausreichen.
Der Valentinstag ist der Tag der Liebenden. Liebende können sich nur schwer entfalten, wenn sie Existenznöte plagen. Eine Blumenverkäuferin aus Düsseldorf, München oder Frankfurt, die neben hohen Lebenshaltungskosten auch noch mit einer hohen Miete gestraft ist, ist auf eine starke Gewerkschaft angewiesen. Je mehr Floristinnen und Floristen sich in der IG BAU zusammenschließen, um so schlagkräftiger kann die IG BAU dieser finanziellen Miesere ein Ende bereiten. Auch die in der Branche Beschäftigten haben einen Anspruch auf „ihren“ Valentinstag.
Dafür wird sich die IG BAU in der Tarifrunde 2012 Floristik West stark machen. Dabei geht es nicht um Geschenke – sondern um Selbstverständliches, denn auch in der Floristik gilt: Mehr ist fair!
Ein Beitrag nach Material unseres Kollegen Jörg Heinel.