Bauhauptgewerbe


Mit Weißbuch Bau gegen schwarze Schafe

Berlin übernimmt Vorreiterrolle bei Schwarzarbeitsbekämpfung


Berlin, 14.09.2015
Mit einem bundesweit einzigartigen Modellprojekt haben die Berliner Bau-Tarifvertragsparteien ihren Kampf gegen die Schwarzarbeit am Bau intensiviert: Das „Weißbuch Bau“ dient Auftraggebern als Instrument, um sich vor einer Auftragsvergabe über die Leistungsfähigkeit und Qualität von Baubetrieben informieren zu können.

Schwarzen Schafen wird so der Zugang zu Aufträgen erheblich erschwert, der Kampf gegen Schwarzarbeit am Bau in der Hauptstadt kann effektiver geführt werden. Dies teilten die Bündnispartner heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit.

Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, die in dem Weißbuch ein Modellprojekt mit Potenzial für eine bundesweite Anwendung sieht. Initiator des Weißbuchs Bau ist die Sozialkasse des Berliner Baugewerbes (SOKA Bau Berlin), getragen von der IG BAU Berlin-Brandenburg sowie dem Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg und der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg.

Rainer Knerler, Regionalleiter der IG BAU Berlin-Brandenburg und Vorstandsvorsitzender der SOKA Bau Berlin: „Im Weißbuch Bau sind Betriebe aufgeführt, die von der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes aufgrund ihres Melde- und Zahlungsverhaltens als einwandfrei eingestuft werden. Die Betriebe müssen zudem über eine Facharbeiterquote von mehr als 50 Prozent verfügen und mehr als drei Viertel ihrer gewerblichen Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigen. Daraus kann auf ihre fachliche Qualifikation sowie ihre Leistungsfähigkeit geschlossen werden. Die Daten werden regelmäßig von der SOKA Bau Berlin auf ihre Aktualität überprüft. Interessierte können sie aktuell und kostenfrei auf der Internetseite der Sozialkasse abrufen. Von dieser Möglichkeit machen bereits viele öffentliche Auftraggeber regen Gebrauch: Das zeigt uns, dass wir mit dem Weißbuch Bau auf dem richtigen Weg sind!“

Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen: „Mir ist wichtig, dass Berlin die Hauptstadt für gute Arbeit ist. Deshalb unterstütze ich das Projekt der Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft und habe die Schirmherrschaft des Weißbuchs Bau übernommen. Das Weißbuch hat Modellcharakter. Ich erhoffe mir von diesem Projekt eine Signalwirkung auch für andere Branchen, die von Schwarzarbeit und schlechten Arbeitsbedingungen betroffen sind.“

Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg: „Schwarzarbeit ist ein schwerer Verstoß gegen die Grundlagen des Sozialstaats und schädigt zudem die ehrlichen Wettbewerber. Wir sind stolz, dass die Sozialpartner des Bauhauptgewerbes in Berlin sich gemeinsam gegen diese Art von Wettbewerbsverzerrung stellen. Nun hat jeder Bauunternehmer es durch eine Eintragung im Weißbuch selbst in der Hand, sich öffentlich gegenüber potentiellen Auftraggebern als leistungsfähiger Betrieb zu präsentieren.“

Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg: „Das Schwarzarbeitsvolumen in Deutschland beläuft sich auf rund 12,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das entspricht gut 339 Milliarden Euro. 38 Prozent davon entfallen allein auf das Baugewerbe! Grund genug, sich auch weiterhin aktiv gegen schwarze Schafe und für saubere Geschäftspraktiken einzusetzen. Als Verband sehen wir uns hier in einer Vorreiterrolle: Von den bisher im Weißbuch Bau aufgeführten Betrieben sind überdurchschnittlich viele Verbandsmitglied. Und bereits heute sind knapp ein Fünftel aller gewerblichen Beschäftigten in Berlin bei einem Unternehmen beschäftigt, dass im Weißbuch Bau aufgelistet ist. Das ist ein gutes Signal auch an andere Branchen und zeigt, dass unser gemeinsamer Einsatz für saubere Arbeit und Qualität am Bau Früchte trägt.“