E-Klasse / Wir sind die IG BAU


Mut-Macher: Volker Diefenbach

"Nit schwätze! - Mache!"


29.12.2015
Die Entscheidung, seinen Job als Revierförster mit dem Chefsessel im Rathaus zu tauschen, ist Volker Diefenbach nicht leichtgefallen. Der 49-Jährige blieb aber seiner Devise „Nit schwätze! – Mache!“ treu und lenkt nun die Geschicke von Heidenrod. Romantisch, im westlichen Hintertaunus liegt die hessische 8000-Seelengemeinde mit ihren 19 Ortsteilen. Sie ist 9600 Hektar groß. 60 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Mit ein Grund, weshalb es den „Förster“, wie Volker von einigen Heidenroder Bürgern genannt wird, nicht unbedingt in die große weite Welt zog: „Ich bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und in Vereinen aktiv. Tief verwurzelt eben. Aber, dass ich mal Bürgermeister werde, hätte ich nie gedacht.“

Obwohl: Kommunalpolitik war für Diefenbach kein Neuland. Er gehörte seit 2001 der Gemeindevertretung an und war seit 2005 SPD-Fraktionsvorsitzender. Auf die Frage, ob er seinen Arbeitsplatz im Grünen vermisse, antwortet er: „So romantisch darf man sich die Arbeit als Revierförster nicht vorstellen. Auch hier sitzt man oft hinterm Schreibtisch und muss Verwaltungsaufgaben erledigen.“ Doch ganz loslassen kann Volker nicht: „Ich gehe jeden Morgen vor Dienstbeginn mit meinen beiden Hunden im Wald spazieren. Dabei tanke ich neue Energie.“

Apropos Energie. Eine Vision von Volker Diefenbach ist, Heidenrod zur Energiegemeinde auszubauen. Mit dem neu errichteten Windenergiepark ist er diesem Ziel schon ein Stück nähergekommen. „Der Weg war steinig, aber richtig. Wir liefern nun alternativen Strom für rund 120 000 Menschen“, stellt Volker Diefenbach fest. Dafür gab‘s auch Anerkennung aus der Landeshauptstadt Wiesbaden. Bei der Windenergiepark-Eröffnung lobte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir Heidenrod als eine „Leitbildgemeinde
für die Energiewende“ in Hessen.

Nun will Volker Diefenbach die Bürger am Windpark in Form einer Genossenschaft finanziell beteiligen. Der Genossenschaftsgedanke liegt ihm sehr am Herzen. So hat er als Privatmann den „Heidenroder Wild- und Bauernmarkt“, dessen Vorstandsvorsitzender er auch ist, mit gegründet. In einer ehemaligen Metzgerei im Ortsteil Laufenselden vermarktet die Genossenschaft leckere Lebensmittel aus der Region und Wildbret aus heimischen Wäldern. Für den passionierten
Jäger Ehrensache.

© Kalle Meyer

„Heidenroder Wild- und Bauernmarkt“: Hier gibt’s Leckeres aus der Region.

"Danke IG BAU"

„Ich bin Gewerkschafter und das ist auch gut so“, steht auf einem Button, der Volkers Revers schmückt. Er weiß, wo seine Wurzeln liegen und ist nicht nur in der „grünen“ Gewerkschaftsszene bekannt. „Mein Vater war Maurer und in der Baugewerkschaft organisiert. Ich trat 1992 in die Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft ein. Anlass war die Großdemo in Wiesbaden unter dem Motto ‚Förster ohne Zukunft‘ gegen die Sparpläne der Hessischen Landesregierung“, sagt der ehemalige Personalrat von Hessen Forst. „Durch die Gewerkschaftsarbeit habe ich sehr viel gelernt, was mir auch
als Bürgermeister zugutekommt. Dafür sage ich all meinen langjährigen Weggefährten und der IG BAU Danke.“

Dass Volker einen prall gefüllten Terminkalender hat, daran haben sich seine Lebensgefährtin und die beiden Söhne (13 und zweieinhalb Jahre) schon gewöhnt. Denn auch bei der IG BAU war der überzeugte
Gewerkschafter in vielen Ehrenämtern präsent. Da blieb nie viel Zeit für Familie und Hobbys. Aber auf die Jagd und den Fußball will Volker nach wie vor nicht verzichten. So ist er dem 1. FC Hettenhain als Vorsitzender
treu geblieben.

© Kalle Meyer

Am Windradflügel: Besucher-Autogramme - darunter auch das von Tarek Al-Wazir

Ein Beitrag unserer Kollegin Gerlinde Dickert in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe 12/2015-01/2016.