Forstwirtschaft und Naturschutz


"Nachhaltende Nutzung" - Ein Geschenk an die Welt


© Martin Schwenninger
28.01.2013
1713, also vor genau 300 Jahren, wurde Nachhaltigkeit („nachhaltende Nutzung“) als Begriff von dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in seinem für die Forstwirtschaft und Kameralistik grundlegenden Werk erstmals eingeführt sowie für die Praxis gefordert. Als Leitmotiv der soziokulturellen, ökologischen und ökonomischen Entwicklung im 21. Jahrhundert hat das Nachhaltigkeitsprinzip Konjunktur wie nie zuvor – auch in der von Carlowitz ursprünglich beabsichtigten gesamtgesellschaftlichen Bedeutung.

Denn von Carlowitz fasste die Ziele nachhaltiger Forstpolitik in seinem epochalen Werk folgendermaßen zusammen:

"Zum Besten des gemeinen Wesens geht es um das Aufnehmen des Landes und der Untertanen, die Hebung von Handel und Wandel, die florierende Commercia (…) Die Ökonomie hat der Wohlfahrt des Gemeinwesens zu dienen. Sie ist zu einem schonenden Umgang mit der gütigen Natur verpflichtet und an die Verantwortung für künftige Generationen gebunden."

Die mitteleuropäischen Wälder gerieten spätestens im 12. Jahrhundert in vielen Regionen unter großen Druck durch Holzeinschlag, Viehweidung, Streunutzung und andere menschliche Aktivitäten. Bis zum 14. Jahrhundert wurde die Waldfläche des Deutschen Reiches schätzungsweise auf rund ein Viertel seiner ursprünglichen Ausdehnung dezimiert.

Nach überstandenen Pestwellen und Kriegen erhöhte starker Bevölkerungsanstieg ab Ende des 17. Jahrhunderts den Druck auf die Ressource Holz aber erneut. Vor diesem Hintergrund entstand „Sylvicultura oeconomica“.

In den Jahren bis 1710 erlebte von Carlowitz schwerwiegende Naturkatastrophen, wie extrem niederschlagsarme Sommer, Stürme und Borkenkäferbefall. Noch bedeutender war der Raubbau am Wald für den sächsischen Bergbau. In einer der bedeutendsten europäischen Montanreviere hingen Wohl und Wehe am Holz.

Carlowitz arbeitete interdisziplinär, integrierte auch die Erkenntnisse französischer Kameralisten und beschrieb und erklärte zum ersten Mal wissenschaftlich die langfristige Nutzung der Natur bei sparsamem und „klugen“ Umgang mit allen natürlichen Ressourcen.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich das Prinzip der Nachhaltigkeit im Forstwesen in den Fachkreisen allgemein verbreitet. Weitere forstliche Klassiker entwickelten die Begriffe von „nachhaltender Nutzung“ zu „nachhaltige Wirtschaft in unseren Wäldern“ und Nachhaltigkeit.

Ein Beitrag aus der IG BAU-Zeitschrift "Forstliche Mitteilungen", Ausgabe 02/2013.

Interessante Links

Hans Carl von Carlowitz im Lexikon der Nachhaltigkeit

ZEIT-ONLINE: Der Erfinder der Nachhaltigkeit