Bauhauptgewerbe


Ohne Meisterbrief leiden Qualität und Ausbildung im Handwerk


11.12.2015
Immer mehr Fliesenleger, immer weniger Meister Deutschland: Seit 2004 ist die Zahl der Fliesenleger-Betriebe bundesweit drastisch gestiegen. Gab es laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) vor elf Jahren noch 17.370 Fliesenleger-Firmen, waren es im vergangenen Jahr bereits 71.142 – mehr als vier Mal so viele. Die IG BAU führt das auf den Wegfall der Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk vor fast zwölf Jahren zurück und sieht damit die Qualität und die Ausbildung in dem Handwerk in Gefahr.

Seit der Reform der Handwerksordnung 2004 müssen Fliesen-, Platten- und Mosaikleger nicht einmal eine Gesellenprüfung machen, um ein Gewerbe anzumelden. Für die IG BAU ist der Meisterbrief ein „Garant für saubere Arbeit und faire Löhne. Im Interesse der heimischen Beschäftigten und auch Kunden sollte die Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk wieder eingeführt werden.

Nach Beobachtungen der IG BAU sind die Klagen über Pfusch bei Handwerksarbeiten in den letzten Jahren „immer lauter“ geworden. „Wer ohne geprüften Berufsabschluss arbeitet, der beherrscht sein Handwerk oft nicht richtig. Außerdem fehlen vielen ungelernten Fliesenlegern die nötigen Kenntnisse, um einen Betrieb zu führen.

Und auch für die Berufsausbildung ist der Wegfall der Meisterpflicht ein Problem: Nur Meisterbetriebe dürfen ausbilden. Mit ihren hohen Standards sorgen sie für gut ausgebildete Nachwuchskräfte. Deshalb sei die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein wichtiges Mittel gegen den Fachkräftemangel.

Zudem könne man so wirksam gegen Scheinselbstständigkeit vorgehen: Viele Selbstständige sind in Wirklichkeit bei Bauunternehmen beschäftigt, die ihnen nur Billiglöhne zahlen. Denn selbstständige Fliesenleger sind weder an den gesetzlichen noch an den Branchenmindestlohn gebunden. Viele Fliesenleger versuchten daher, immer schneller zu arbeiten - auf Kosten der Qualität. Außerdem entstehe eine Dumping-Konkurrenz zu den etablierten Betrieben.

„Mit der Abschaffung der Meisterpflicht für insgesamt 52 Berufe wollte die damalige Bundesregierung die Qualität verbessern und Preise senken. Das hat aber nicht funktioniert“, kritisiert die IGB BAU. Die Lage bei den Fliesenlegern zeige: „Ohne Meisterbrief ist der goldene Boden des Handwerks in Gefahr.“