Frauen


Zusätzliche Altersvorsorge für geringfügig Beschäftigte

Wer gewinnt bei der Minijob-Rente?

14.12.2008
Vorbei an der Sozialversicherung und der Steuer sollen 400 Euro-Kräfte jetzt bis zu 50 Prozent länger arbeiten können. Lohn erhalten sie für die Mehrarbeit nicht. Sie arbeiten für ihre Altersvorsorge. Rund drei Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland dauerhaft in 400 Euro-Jobs. Die meisten von ihnen sind Frauen. Viele haben kaum nennenswerte Rentenansprüche.

Unter dem Motto „Rente für Zeit“ wittern jetzt Versicherungen und Banken anscheinend ein lukratives Geschäft mit den Minijobbern.

Steuergeschenk
So rief mich vor einigen Tagen irrtümlicherweise die Volksbank Freiburg an, um mir als vermeintlicher Arbeitgeberin das Konzept der Minijob-Rente schmackhaft zu machen. „Sie können ihre geringfügig Beschäftigten länger einsetzen und sparen für die Mehrarbeit die 30-prozentige Versicherungs- und Steuerpauschale“, warb die Dame von der Volksbank. Ich müsse nur Versicherungsbeiträge zahlen, und die seien als Betriebskosten auch noch voll steuerlich abzugsfähig.

Das Prinzip klingt einfach: Arbeitgeber und Beschäftigte verabreden eine Erhöhung der Arbeitszeit um eine feste Stundenzahl. Anstatt Entgelt zahlt der Arbeitgeber in eine betriebliche Altersvorsorge in Form einer Direktversicherung. Bei einem Minijob als zweitem Beschäftigungsverhältnis geht der Beitrag in eine Unterstützungskasse. Zahlt die oder der Beschäftigte selbst einen geringen monatlichen Beitrag in die gesetzliche Rentenkasse, kann die Riesterförderung in Anspruch genommen werden. Auch für Midijobs zwischen 401 und 800 Euro funktioniert die Minijob-Rente.

Die Höchstgrenze des Vorsorgebeitrags liegt bei 212 Euro pro Monat. Die Versicherer rechnen aber derzeit eher mit Monatsbeiträgen von 80 bis 120 Euro. Entwickelt wurde das Modell von dem Würzburger Verein Minijobrente e.V., dessen Vorstandsvorsitzender früher Bereichsleiter für betriebliche Altersvorsorge bei der Volksfürsorge war. Die Volksfürsorge hat auch als erster Versicherer die Minijob-Rente angeboten, mittlerweile sind aber auch Gothaer, die R+V und die Victoria Versicherung eingestiegen.

Haken der Minijob-Rente
Gesellschaftspolitisch ist es widersinnig, die Situation der gesetzlichen Sozialversicherungen zu beklagen und gleichzeitig die zeitliche und finanzielle Ausweitung von Minijobs zu legalisieren. Es gibt aber auch noch andere Haken im Konzept: Für die Gebäudereinigung ginge das mit der Minijob-Rente leider nicht, erklärte mir die freundliche Dame der Freiburger Volksbank auf meine Nachfrage. Warum die ausgenommen seien, wisse sie auch nicht.

Ich hätte es ihr sagen können: Bei der Arbeitszeitverlängerung darf der gesetzliche Mindestlohn nicht unterschritten werden. Das Gleiche gilt für tarifgebundene Löhne. Legal funktioniert das Geschäft also nur, wenn so viel über Tarif gezahlt wird, dass die unentgeltlichen Mehrarbeitsstunden damit verrechnet werden können. Der größte Teil der geringfügig Beschäftigten arbeitet im Niedriglohnbereich. Die Wahrscheinlichkeit einer entsprechenden übertariflichen Zahlung ist wohl eher gering. Die Minijob-Rente ist für die soziale Sicherung von Frauen keine Lösung. Die IG BAU fordert seit langem sozialversicherungspflichtige, existenzsichernde Arbeitsverhältnisse anstelle der Förderung von Minijobs.

Ein Beitrag von Sylvia Honsberg, IG BAU-Bundesfrauensekretärin, in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift „Der Grundstein/Der Säemann, Dezember 2008/Januar 2009.

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Kontakt

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mailto: frauen@igbau.de
Sekretariat

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IG BAU-Bundesvorstand VB IV, Gebäudereiniger-
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