Junge BAU


Praktikum – prekär, weiblich und häufig ohne Mindestlohn


01.09.2016
Viel Arbeit für wenig oder gar kein Geld – davon hören die Gewerkschaften immer noch regelmäßig. Dagegen fordert DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller höhere Qualitätsstandards für Praktika, die Abschaffung von Mindestlohnausnahmen bei freiwilligen Praktika und die generelle Einführung eines Mindestentgelts für Pflichtpraktika analog dem BAföG-Höchstsatz. Anlaß dazu ist die Veröffentlichung einer neuen Studie.

„Es gibt viele Beispiele für den Missbrauch, den es nach wie vor bei Praktika gibt. Da werden freiwillige Praktika in Pflichtpraktika umgewandelt oder normale Beschäftigungsverhältnisse in Praktika. Es wird die Arbeitszeit scheinbar reduziert oder Sachleistungen auf den Lohn angerechnet –die Arbeitgeber sind sehr kreativ, wenn es darum geht, bei einem Praktikum den Mindestlohn zu umgehen. Deshalb fordert die Gewerkschaftsjugend, die Ausnahmen beim Mindestlohn gerade für freiwillige Praktika während des Studiums zu schließen und eine generelle Einführung eines Mindestentgelts für Pflichtpraktika analog dem jeweiligen BAföG-Höchstsatz. Ein Praktikum ist ein Lernverhältnis. Deshalb muss in Zukunft mehr auf die Qualität im Praktikum geschaut werden, wie zum Beispiel eine qualitativ hochwertige Betreuung und die Einhaltung des verabredeten Praktikumsvertrags.“

73 Prozent aller Praktika finden während des Studiums statt. 63 Prozent der Praktikanten sind weiblich, im Durchschnitt ist ein Praktikant 25 Jahre alt. Praktika sind Teil eines insgesamt unsicheren und belastenden Berufseinstiegs für junge Menschen, denn über 78 Prozent aller Praktikantinnen machen sich Sorgen um Ihre wirtschaftliche Situation und fast ein Drittel können in ihrer Freizeit nicht richtig abschalten.