Gebäudereinigung


Reinigungskräfte protestieren in Berlin gegen „Lohnmauer“ zwischen Ost und West

IG BAU-Bundesvorstandmitglied Ulrike Laux an der Bernauer Straße
IG BAU-Bundesvorstandmitglied Ulrike Laux an der Bernauer Straße © IG BAU (Sören Hartmann)
Berlin, 15.06.2016
Putz-Protest an der ehemaligen Mauer: An der Bernauer Straße demonstrieren Reinigungskräfte für gleiche Bezahlung in Ost und West. Denn nach dem Willen der Arbeitgeber sollen ostdeutsche Beschäftigte in der Branche - entgegen einer ursprünglichen Vereinbarung - auch über das Jahr 2019 hinaus weniger verdienen, kritisiert die Gewerkschaft IG BAU

Gleiche Löhne in Ost und West – bis zum Jahr 2019 sollen sie eigentlich auch in der Reinigungsbranche gelten. Doch wenn es nach dem Willen der Arbeitgeber geht, soll daraus vorerst nichts werden. Eine entsprechende Vereinbarung mit der IG BAU hat der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks vor kurzem aufgekündigt.

Die IG BAU spricht von einem „Schlag ins Gesicht der ostdeutschen Reinigungskräfte“. Gegen die Lohnlücke hat die Gewerkschaft heute in Berlin protestiert - an der ehemaligen Mauer in der Bernauer Straße. Und zwar am Internationalen Tag der Gebäudereinigung.

„Gebäudereinigerinnen machen überall die gleiche Arbeit. Es kann nicht sein, dass selbst 30 Jahre nach dem Mauerfall Beschäftigte in Brandenburg oder Thüringen weniger verdienen sollen als ihre Kollegen in Bayern oder Niedersachsen“, kritisiert der Berliner IG BAU-Bezirkschef Erhard Strobel. Außerdem schreibe die Branche im Osten gute Zahlen. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Arbeitgeber getroffene Abmachungen aufgäben, nur um ihre Gewinne zu steigern.

Auf die Lohngleichheit zwischen alten und neuen Bundesländern hatten sich Gewerkschaft und Innungsverband bereits 2011 geeinigt. Derzeit liegt der tarifliche Mindestlohn in der Gebäudereinigung im Osten (ohne Berlin) bei 8,70 Euro pro Stunde. Zum 1. Januar 2017 steigt er auf 9,05 Euro – liegt damit aber weiterhin fast ein Euro unter dem Westniveau.

Mit einer Verlosung unter Passanten hat die IG BAU auf diese Ungleichheit aufmerksam gemacht – direkt an den Resten der einstigen Mauer. „Wer das Wessi-Los zieht, der bekommt einen symbolischen Euro aus Schokolade. Wer an ein Ossi-Los gerät, der bekommt gar nichts“, so Erhard Strobel. Hauptrednerin der Veranstaltung war IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Ulrike Laux. Die Gewerkschafterin führt die Tarifverhandlungen in der Gebäudereinigung und informierte in Berlin über die aktuelle Lage der Branche.

© IG BAU (Sören Hartmann)
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