IG BAU - die tun was! (2008)


Sauber gemacht - Holland und Deutschland gemeinsam gegen Ausbeutung


© M. Hauck www.pixelio.de
26.09.2008
„Ihr Gebäude wird uns lieben.“ So wirbt Gebäudeservice Menke aus dem sauerländischen Bergheim. Aber „liebt“ das Unternehmen auch seine ca. 3.000 Arbeitnehmer? Die Kolleginnen und Kollegen, denen wegen ihrer Kandidatur für den Betriebsrat gekündigt wurde sehen das anders, auch Beschäftigte und sogar die Kollegen der holländischen Gewerkschaft FNV, die Menke „Ausbeutung und mittelalterliches Geschäftsgebaren“ vorwarfen.

Bereits im Februar diesen Jahres hatten sich einige Beschäftigte dazu entschlossen, einen Betriebsrat zu gründen. IG BAU-Gewerkschaftssekretär Tevfik Eryalcin war im Bezirksverband Westfalen Mitte-Süd von Anfang an dabei und leitete alle notwendigen Schritte ein. Bevor es jedoch zur Wahl kam, wurden alle fünf Arbeitnehmer, die bereit waren, für den Betriebsrat zu kandidieren, erst teils denunziert, „madig“ gemacht und dann gekündigt. Betriebsbedingt – wie es hieß.

Das ließen sich jedoch weder die Kollegen noch IG BAU-Kollege Eryalcin gefallen. „Seit Jahren versuchen wir, bei der Firma Menke einen Betriebsrat zu gründen. Das hat die Geschäftsleitung immer wieder verhindert.“ Umgehend wurde mobil gemacht. Vor Ort fanden Protestaktionen statt – und alle Betroffenen reichten Kündigungsschutzklage ein.

Durch diese Aktion aufmerksam geworden, wandten sich deutsche Kolleginnen und Kollegen eines anderen Objektes aus dem grenznahen Holland an IG BAU-Mann Eryalcin, der als Branchensekretär in der gesamten Region Westfalen unterwegs ist. Die Lohnabrechnungen stimmten hinten und vorne nicht. Die weitaus höheren niederländischen Löhne, die den Beschäftigten zustanden, wurden nicht gezahlt. Ebenso keine Zuschläge für Nachtarbeit, Urlaubsgeld und Krankengeldzahlungen blieben aus.

Gemeinsam mit der niederländischen Gewerkschaft FNV, die so weit ging, der Firma Menke Ausbeutung und mittelalterliches Geschäftsgebaren vorzuwerfen, wurden einige Aktionen geplant und durchgezogen. Holland und Deutschland gemeinsam gegen Ausbeutung. Mehrere pressewirksame Demonstrationen fanden u. a. vor dem Ferienpark von Center Parcs in Tossens statt. Nach mehr als vier Stunden löste eine mehr als 20 Mann starke Beamtentruppe der Polizei die Demonstration auf.

Der Erfolg blieb nicht aus. Unter so viel Druck geraten, gab Menke nach. Die Löhne und alle weiteren Zahlungen werden nun ordnungsgemäß abgerechnet. Menke hat sich bereit erklärt, einer Betriebsratswahl nicht mehr im Weg zu stehen. Und im übrigen haben alle Kollegen, die Klage eingereicht hatten, sich entweder mit einer Abfindung zufrieden gegeben oder aber in erster Instanz die Kündigungsschutzklage eindeutig gewonnen.

Die vorläufig letzte Meldung – am 22. September 2008 bei Tevfik Eryalcin eingegangen: „Großartiger Sieg! Jetzt ist Zeit für eine Feier. Die Reinigungskräfte laden die aktiven Kolleginnen und Kollegen zu einer Feier am 3. Oktober 2008 im niederländischen Heijen herzlich ein.“

IG BAU – die tun was!

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