Gebäudereinigung


Saubere Arbeit - kein Lohn

Reinigungskräfte klagen gegen Paderborner Firma


Symbolbild © IG BAU (R+W)
28.02.2017
„Unsere Mitarbeiter … sind unser höchstes Gut“, schreibt das Paderborner Reinigungsunternehmen G&J Services auf seiner Firmenwebsite. Mit seinem „höchsten Gut“ geht man sorgsam um – sollte man meinen. Nicht in jedem Fall, wie die derzeitigen Klagen von Reinigungskräften wegen ausstehender Löhne und verschleppter Zahlungen vor dem Paderborner Arbeitsgericht zeigen.

Es geht um Löhne und Zahlungen, teils noch aus dem November 2016, es geht um Beträge zwischen 300 und 1.700 Euro. Für die klagenden Reinigungskräfte geht es nicht nur um ihr sauer verdientes Geld, das sie dringend brauchen, um über die Runden zu kommen. Es geht auch nicht nur um fehlende Putzmittel. Es geht teilweise um ihre nackte Existenz.

Viele der Frauen bekommen Mindestlohn, müssen ihre Löhne von der Arbeitsagentur aufstocken lassen. Die zahlt aber nur, wenn die Reinigungskräfte ihre Lohnabrechnungen vorlegen können. Also sind die Frauen doppelt gestraft: kein Lohn, keine Abrechnung – keine Aufstockung durch die Arbeitsagentur.

„Die Frauen wissen nicht, wie sie ihre Mieten zahlen und ihre Familie über die Runden bringen sollen“, zeigt IG BAU-Gewerkschaftssekretär Gianpaolo Mosca drastisch das Dilemma der Reinigungskräfte auf. Und das zieht sich wie ein roter Faden schon seit ca. 2 Jahren durch. Alleine 2016 wurden über den DGB-Rechtsschutz 31 Verfahren vor dem Arbeitsgericht geführt.

Alles andere als ein Einzelfall also. Durch die Berichterstattung im "Radio Hochstift" und in den Zeitungen haben sich inzwischen auch ehemalige Beschäftigte der Firma aus Bad Salzuflen und Mecklenburg-Vorpommern gemeldet, die über ausstehende oder schleppende Zahlungen berichten.

"Unsere Philosophie ist geprägt von Wertschätzung und Respekt", heißt es auf der Website des Unternehmens. Schöne Worte, doch sie klingen hohl, denn zu Respekt und Wertschätzung seinen Mitarbeitern gegenüber gehört es, für anständige Arbeit anständig - also auch pünktlich - zu zahlen.

Der Unternehmenschef Dominic Gundlach, auch als Fraktionsvorsitzender der örtlichen FDP politisch aktiv, hatte dem Lokalradio gegenüber erklärt, dass es Probleme gäbe. Er
spricht von "Altlasten, die noch abgearbeitet werden müssen".

Einen ersten Erfolg hat die regionale Hörfunk- und Fernsehberichterstattung*) bereits: fünf Kolleginnen haben inzwischen ihren ausstehenden Lohn erhalten. Weitere 12 Verfahren laufen noch. Die IG BAU bleibt dran.

*)Lokalzeit OWL, 21. Februar 2017 - in der WDR-Mediathek verfügbar bis 28.2.2017

Hörfunkbeiträge von Radio Hochstift

G&J - Mitarbeiterin - 20. Februar 2017
--:--
--:--
G&J - Gianpaolo Mosca - 20. Februar 2017
--:--
--:--
G&J - Reaktionen - 24. Februar 2017
--:--
--:--

Wir danken Radio Hochstift für die Genehmigung zur Nutzung dieser Beiträge.

In den Schlagzeilen: