Junge BAU


Schluss mit billiger Propaganda - KLARMACHEN für Perspektiven


© IG BAU (Rebecca Sampson/kp works)
11.02.2014
In den vergangenen Tagen hat die Kritik an den Rentenplänen der Regierung zugenommen. Sie kommt von allen Seiten. Von Sozialverbänden genauso wie von neoliberalen Journalisten, Politikern und Vertretern von Unternehmensverbänden. Soweit so gut, könnte man denken. Doch es lohnt sich genauer hinzuschauen und sich die Frage zu stellen, wer will was und warum. Denn das Lager der Gegner spaltet sich schon in der Frage, warum sie die Rentenpläne ablehnen.

Zugegeben, man kann die Pläne der großen Koalition kritisieren. Auch die Junge BAU hat sich mehr erwartet. Vor allem eine Regelung, die auch Menschen hilft, die länger arbeitslos waren. Ja, die vorgestellten Pläne verbessern die jetzige Situation, aber sie werden Altersarmut nicht wirksam bekämpfen können. Dafür müsst die Rente mit 67 wirklich zurückgenommen werden und das Rentensystem einer grundlegenden Revision unterzogen werden.

Was aber gerade passiert geht über eine inhaltliche Kritik hinaus. Die öffentliche Debatte, unreflektiert von den Leitmedien übernommen und befeuert, dreht sich um etwas anderes. Es geht darum, dass eine Elite mit klaren finanziellen Interessen nicht möchte, dass von der Rente mit 67 Abstand genommen wird. Keinen Schritt, keinen Millimeter. Die Pläne der Koalition gehen ihnen zu weit.

Gerne wird jetzt die junge Generation als Anwalt gegen diese Pläne bemüht. Das klingt auf den ersten Blick für viele Menschen richtig. Denn wer will schon seinen Kinder Lasten aufbürden. Aber mal ehrlich, darum geht es doch gar nicht. Denn schon heute tragen junge Menschen die Lasten einer generationenfeindlichen Politik.

Die junge Generation ist der Verlierer der prekären Politik der vergangenen Jahre. Sie ist das Opfer einer versauten Bildungspolitik mit G8 und Studiengebühren. Sie ist es, die heute häufiger als alle anderen Generationen von prekärer Beschäftigung bedroht ist; durch Leiharbeit, Befristung und Werkverträge. Und sie ist es, die sehenden Auges in die Falle Altersarmut geschickt wird. Dazu kommen geringere Einkommen, ständiger Leistungsdruck und noch viele andere Ungerechtigkeiten.

Das ist die mehrheitliche Situation der jungen Menschen in diesem Land. Wer anderes behauptet, hat entweder keine Ahnung von unserem Leben oder erzählt bewusst die Unwahrheit. Wenn jetzt die Interessensgruppen, die diese Situation verursacht und von ihr profitiert haben, sich zum Anwalt der jungen Generation aufspielen, dann ist das nicht nur grotesk. Es ist verlogen, schäbig und vor allem ist es unglaublich ekelig.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Es wird öffentlich die Frage gestellt, ob es gerecht sei, wenn die Jungen für eine würdige Rente der Älteren bezahlen müssen. Alleine die Frage ist blödsinnig und gerade die Frage nach Gerechtigkeit zu stellen ist irreführend. Von welcher Gerechtigkeit wird hier geredet?

  • Ist es gerecht, dass schon heute Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, im Alter arm sind?
  • Ist es gerecht, dass sich die selbsternannte Elite dieses Landes davor drücken kann, ihren Anteil an der Finanzierung des Systems zu leisten?
  • Ist es gerecht, dass aus finanziellen Interessen von Reichen Menschen in Armut geschickt werden?
  • Ist es gerecht, dass heute Firmen Armutslöhne zahlen können, mit denen niemand fürs Alter vorsorgen kann?
  • Ist es gerecht, dass junge Menschen schon heute wissen, dass Politik und Wirtschaft sie später in Altersarmut schicken?

Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Quo bono – wem nutzt es?

Natürlich sind Wirtschaftsverbände gegen eine Änderung der aktuellen Rentenregelungen. Denn sie profitieren davon. Natürlich wollen Versicherungskonzerne, dass man privat vorsorgen muss, denn sie verdienen daran Milliarden. Natürlich wollen neoliberale Politiker nicht, dass man von der Rente mit 67 abweicht, denn sie müssten dann ihren Irrtum zugeben.

Das sind knallharte Interessen und keine Anliegen der jungen Generation. Diese Menschen sorgen sich darum, was junge Menschen bezahlen sollen? Wirklich? Dann können sie schon heute etwas gegen Altersarmut tun.
Nämlich höhere Löhne und Gehälter zahlen, unbefristet einstellen, auf Leiharbeit und Werksverträge verzichten. Sie können sich vor allem endlich selbst an der Finanzierung des Rentensystems beteiligen, statt zu flüchten.

Wenn sie das nicht wollen, dann sollten sie lieber öffentlich bekunden, was sie in Kauf nehmen: Altersarmut und Perspektivlosigkeit für Jung und Alt – für alle Generationen.

Es geht nicht um Gerechtigkeit zwischen Generationen. Es geht in Wahrheit um Gerechtigkeit innerhalb einer Generationen. Es geht um Gerechtigkeit zwischen arm und reich, zwischen Kapitalinteressen und prekär Beschäftigten.

Das Problem an der jetzigen Debatte ist: Kritik an der angedachten Rentenreform, die selbige besser machen könnte, geht komplett im reinen „dagegen“ unter. Das ist insoweit dramatisch, weil die Art und Weise, mit der die Bertelsmann-Stiftung, die Springer-Presse und andere Anwälte der Kapitalbesitzer arbeiten, die Gesellschaft spaltet. Das ist nicht nur wirklich eklig und verantwortungslos, sondern auch unglaublich gefährlich. Schlussendlich wird hier der soziale Frieden für ein paar Euro geopfert.

KLARMACHEN für Perspektiven

Die Junge BAU hat Kritik an den Rentenplänen – denn sie gehen nicht weit genug. Damit das besser wird, braucht es eine sachliche, konstruktive Debatte um diese Reform. Am Ende muss es um wirkliche Gerechtigkeit gehen – für alle Generationen.

Daher bleibt zu hoffen, dass die Scharfmacher des neoliberalen Lagers mit ihren gefährlichen Attacken auf die Gesellschaft nicht durchdringen. Es bleibt zu hoffen, dass sie rechtzeitig erkennen, welch gefährliches Spiel sie spielen. Und es bleibt zu hoffen, dass die Leitmedien in diesem Land ihren Auftrag als kritische Journalisten wieder ernst nehmen. Und dazu gehört sicherlich nicht, unreflektiert und dumm, Alt und Jung gegeneinander auszuspielen.

Lieber sollten alle gemeinsam KLARMACHEN für Perspektiven. Für eine Rente, die zum Leben reicht – für alle Generationen!

Ein Beitrag unseres Kollegen Christian Beck.

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