Service


Schöne neue Welt: Im Netz verstrickt


© IG BAU (zplusz)
28.02.2011
Hilfreich oder verdummend, gut oder böse – die Meinungen über das Internet gehen auseinander. Die Schnelllebigkeit des Mediums tut ihr Übriges, es fällt zunehmend schwer, den Überblick zu behalten – und nicht alles in der schönen, neuen Welt ist so harmlos, wie es sich auf den ersten Klick darstellt.

Am 2. August 1984 empfängt ein Rechner an der Uni Karlsruhe die erste E-Mail auf deutschem Boden, 1990 wird das Internet international auch für kommerzielle Zwecke freigegeben. Der Siegeszug einer neuen Technik beginnt.

Ende des vergangenen Jahres waren weltweit über eine Milliarde Menschen online, in Deutschland nutzen nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen 74 Prozent der Erwachsenen das Internet zu Hause, am Arbeitsplatz oder anderswo. Sind es in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen noch 99 Prozent, so gehen bei den über 60-Jährigen nur 40 Prozent online.

Zu dessen meist besuchten Seiten zählt die Suchmaschine Google. 1996 von Informatikstudenten der Universität Stanford (Kalifornien) gegründet, seit dem Jahre 2000 auch auf Deutsch im Netz, entwickelte sich das Angebot schnell für viele Internetnutzer zum unverzichtbaren Bestandteil des World Wide Web – Suchbegriff eingeben, klicken und in Sekundenschnelle tauchen die benötigten Informationen auf.

777 Millionen Besucher soll Google allein im Dezember 2010 auf seine Seite gelockt haben. Zwar lautet Googles Wahlspruch „Don’t be evil“ (Sei nicht schlecht), doch spätestens seit den Schlagzeilen um Street View weht dem Konzern aus Deutschland ein etwas kräftigerer Wind entgegen.

Dieser entpuppt sich allerdings als laues Lüftchen, wenn man bedenkt, dass jede Suchanfrage monatelang gespeichert und in der Regel zweifelsfrei mit Hilfe der IP-Adresse (Internet Protocol Adresse, sie wird Geräten zugewiesen, welche an das Netz angebunden sind und macht die Geräte so adressierbar und erreichbar) einem Computer zugeordnet wird. „Google nimmt für die wenigsten seiner Angebote Geld – und lässt sich stattdessen mit den Daten seiner Nutzer bezahlen.

Die Ergebnisse der Suchmaschine sind so gut, weil das Rechenverfahren nicht vergisst und stets dazulernt: Es merkt sich, was der einzelne Nutzer für bedeutsam hält, lernt ihn immer besser kennen und passt die Seitenvorschläge an die Vorlieben des Fragenden an. Keine zwei Nutzer erhalten für denselben Suchbegriff die gleichen Antworten“, beschreibt Susanne Gaschke in einem Zeit-Artikel das System.

Wer nicht auf die schnelle Suche im Internet verzichten, aber doch lieber unerkannt bleiben möchte, dem bieten sich mittlerweile andere Möglichkeiten, beispielsweise die Suchmaschinen www.scroogle.de, www.metager2.de oder www.Ixquick.de – sie verzichten auf Datenspeicherung.

Ehrenamtliche Autoren
Ein Quell an Informationen bietet das Internet-Lexikon Wikipedia, das vor zehn Jahren online ging. Das Besondere daran: Jeder darf mitarbeiten und Artikel verfassen, allerdings ohne Entlohnung. Dass Tausende von Nutzern gemeinsam ein Lexikon schreiben können, glaubten zunächst nur wenige und belächelten das Projekt.

Heute stellt „die freie Enzyklopädie“ etwa 17 Millionen Artikel in mehr als 260 Sprachen online zur Verfügung. Und noch etwas ist anders als auf anderen Seiten: Sie ist werbefrei und finanziert sich über Spenden. Zwar machte Wikipedia das eine oder andere Mal Schlagzeilen mit fehlerhaften Artikeln – beispielsweise ein falscher Vorname bei Verteidigungsminister zu Guttenberg – aber in der Regel pflegt die Verfassergemeinschaft aktuelle Ereignisse binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler schnell wieder aus.

Kein anderes Internetunternehmen macht in jüngster Zeit so viele Schlagzeilen wie Facebook. Kritiker werfen den Betreibern des sozialen Netzwerks einen zu laxen Umgang mit den Daten seiner Mitglieder vor. Und davon hat Facebook jede Menge. Nach eigenen Angaben waren es im Januar weltweit über 600 Millionen, in Deutschland gut 14 Millionen – Tendenz steigend.

Diese Nutzerdaten sind das Kapital des Unternehmens. „Facebook betont stets, dass der Dienst kostenfrei bleiben soll – für alle. Dafür muss sich jeder bewusst sein, dass das Unternehmen detaillierte Daten über registrierte Nutzer speichert und in geringerem Maß auch über die, die sich von dem Netzwerk fernhalten“, heißt es in einem Focus-Online-Artikel vom 7. Januar. Möglich macht Letzteres der sogenannte Freundefinder.

Er verleitet Mitglieder, ihren gesamten Datenbestand – auch von Nichtmitgliedern – zu importieren. „Die E-Mail-Adressen werden dazu genutzt, die Freunde auf Facebook einzuladen und sich dort zu registrieren. Dies erfolgt ohne die erforderliche Einwilligung der Eingeladenen“, kritisiert Carola Elbrecht (Verbraucherzentrale Bundesverband). Erst nachdem dieser Klage vor dem Berliner Landgericht eingereicht hatte, sagte Facebook Verbesserungen im Datenschutz zu.

Sichere Daten und geschützte Privatsphäre – das ist der Grundgedanke von Diaspora, das seit Ende November online ist. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der New York Times und dem New York Magazin.

Lockeres Gezwitscher
Kurze Textnachrichten in Sekundenschnelle in alle Welt an sogenannte Follower (Leser, die Beiträge eines Autoren abonniert haben) verschicken – diese Möglichkeit bietet Twitter an. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen gibt an, dass Twitter im Juni 2009 in Deutschland etwa 1,8 Millionen Nutzer hatte. Allerdings ist die Bindung nicht so eng wie beispielsweise bei Facebook.

Laut Nielsen waren 71,1 Prozent der Nutzer im Juni 2009 nur einmal auf der Internetseite, 14,8 Prozent mehr als dreimal. Auch Twitter musste und muss sich wegen mangelnder Datensicherheit Kritik gefallen lassen. So verdonnerte die US-Handelsbehörde den Internetdienst im Jahre 2009 dazu, seine Datenschutzvorkehrungen zu verbessern. Auslöser waren Hackerzugriffe auf Twitter-Konten, unter anderem auf das von US-Präsident Barack Obama. „Wenn eine Firma ihren Nutzern verspricht, dass ihre persönlichen Daten sicher sind, muss sie dieses Versprechen auch einhalten“, begründete David Vladeck von der Handelsbehörde das Vorgehen.

Wie im richtigen Leben 
Sollte dies nicht der Fall sein, hilft nur eins: aussteigen. Das wird den Nutzern nicht leicht gemacht. Hilfestellung bietet dabei die Internetseite www.ausgestiegen.com.
Hilfreich oder verdummend, gut oder böse – das lässt sich nicht so einfach sagen.

Sicherlich hat das Internet das Leben und auch die Arbeit vieler Menschen erleichtert. Doch auch in der virtuellen Welt ist es wie im wahren Leben: Immer gut überlegen, wem man was wo und wie erzählt – und auf der Suche nach Infos öfter mal eine zweite Meinung einholen.

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der IG Bau-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Februar 2011.

Mitglied werden