Junge BAU


Solidarität mit unseren rumänischen Kollegen

Junge BAU Hessen besuchte 50 rumänische Kollegen, die für ihre ausstehenden Löhne kämpfen


© IG BAU (Jan Meyer)
01.03.2014
Am vergangenen Samstag den 01.03.2014 besuchten Aktive der Jungen BAU Hessen im Rahmen des Tarif-Seminars in Steinbach ihre rumänischen Kollegen die im Frankfurter Europaviertel auf einer Max Bögl Baustelle ihren Lohn nicht erhielten und bekundeten ihre Solidarität.
Dafür fuhren sie nach Hanau, wo die rund 50 Kollegen in einer Containersiedlung von Max Bögl untergebracht sind.

Nach der Verlesung der Solidaritätserklärung führten die jungen Gewerkschafter den Bauarbeitern Medienberichte aus der lokalen Presse vor, von denen die Männer bisher fast nichts mitbekommen hatten. Dies ist nicht nur auf den aktiven Kampf zurückzuführen den sie austragen, sondern auch auf die Sprachbarriere, die viele andere in einer ähnlichen Situation dazu gebracht hätte, hätte aufzugeben.

Die Kollegen, die in ihrer Heimat von einem Subunternehmen namens „K&T“ angeworben wurden, erhielten für die vergangenen zwei Monate, die sie durchweg Überstunden machten, keine Bezahlung. Ihr Kontakt zu der Firma meldete sich nicht mehr und dann die Gewissheit: Das Unternehmen „K&T“ wurde vom Finanzamt Chemnitz gepfändet und zahlt daher keine Löhne mehr aus.

Der Generalunternehmer Max Bögl hatte daraufhin das Vertragsverhältnis zu dem Subunternehmen aufgekündigt und die 50 Arbeiter vor die Tür gesetzt mit einem Angebot: 100 Euro Taschengeld und eine Fahrt zurück in die Heimat. Doch die Männer wehrten sich und nahmen Kontakt zur IG BAU auf.

Die Solidarität mit unseren Kollegen war hier selbstverständlich. Nicht absehbar war allerdings, wie praktisch die Solidarität werden würde, denn die 50 Rumänen hatten ohne Gehalt weiter gearbeitet und waren nun am Ende ihrer Ersparnisse angelangt. Bevor also die erste Mahnwache stattfinden konnte, musste im Frankfurter Gewerkschaftshaus ein Frühstück organisiert werden .

Auch um lebenswichtige Medikamente konnten die Männer sich nicht mehr selber kümmern . Diesem Problem nahm sich einer unserer Gewerkschaftssekretäre an und brachte die Mediakmente am Wochenende mit nach Hanau.

Nach zahlreichen Solidaritätsbekundungen, Essensspenden und Ansprachen seitens unseres Dachverbandes DGB und Frankfurter sowie hessischer Politik, konnte der Generalunternehmer Max Bögl zu Verhandlungen bewegt werden. Doch die jungen Gewerkschafter interessierte vor allem die Sicht der fünfzig Wanderarbeiter auf die Geschehnisse . Wie wurden sie in der Heimat angeworben, wie alltäglich ist es, dass so etwas passiert und was müsste sich für sie ändern, damit es sich nicht wiederholt?

Sehr schnell wurde klar, wie wütend die Männer sind. „Die Subunternehmen sind nichts weiter als organisiertes Verbrechen!" sagt einer im Gespräch, welches Mihai Balan als Dolmetscher übersetzte. "Sie nutzen aus, dass wir auf die Arbeit im Ausland und auf ihre Kontakte angewiesen sind. In anderen Ländern gibt es Gesetze gegen diese mafiösen Strukturen. Warum nicht in Deutschland?" Die Ausbeutung hat also System und ist keineswegs auf Einzelfälle beschränkt, sie ist einkalkuliert. Subunternehmen unterwandern gezielt unsere Tarifverträge mit Europäern, die sich ihrer Rechte in Deutschland nicht bewusst sind.

Seitdem der Lohnskandal bekannt ist, steht die IG BAU mit dem Generalunternehmer über die Auszahlung der Gehälter in Höhe von rund 180.000 Euro in Verhandlungen. Das Spiel auf Zeit ist dabei die größte Waffe des Unternehmens, denn ohne eine Festanstellung ist jeder Tag , den die Arbeiter für ihr Rechte kämpfen, ein weiterer Tag ohne Lohn.

Die Junge BAU Hessen wird davor nicht die Augen verschließen und den Kampf der Kollegen bis zu deren Erfolg weiter unterstützen und zur Solidarität mit den Kollegen aufrufen!

Junge BAU - Gewerkschaft in Aktion

Ein Beitrag unseres Kollegen Devin Can

Mihai Balan vom Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen e. V. übersetzt die Fragen der KollegInnen