Senioren


Stolze Bilanz der Seniorenarbeit


© IG BAU (Eva-Maria Pfeil)
26.01.2015
Am 20. Januar 2015 jährte sich zum 15. Mal der Tag, an dem sich der Bundesseniorenvorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)in Berlin konstituierte. In ihm arbeiten Vertreter aus jeder Region mit, tragen so zur Meinungsbildung bei und haben mit ihrer Stimme Einfluss auf die Beschlussfassung und deren Umsetzung.

Möglich wurde das durch Satzungsänderungen, die der 4. Außerordentliche Gewerkschaftstag der IG BAU in Karlsruhe beschloss. In § 35 wurde unter anderem festgelegt, dass „Arbeitskreise für nicht mehr im Arbeitsleben stehende Mitglieder“ gebildet werden können.

Kompetenzen gebündelt

Das ermöglichte es den Senioren stärker als bisher ihre Interessen zu artikulieren und einfordern. Das Ziel bestand auch darin noch vorhandene „weiße Flecken“ bezüglich der Einbeziehung der Senioren in das gewerkschaftliche Leben zu beseitigen. Denn in einer Reihe von IG BAU-Bezirksverbänden bestanden zwar Seniorenarbeitskreise, wie z.B. seit 1977 in Hamburg, in anderen jedoch nicht. Deshalb trafen sich die Sprecher der Arbeitskreise „Senioren“ im Jahr 1999 zwei Mal zu Beratungen, an dem auch der damalige Stellvertretende Bundesvorsitzende, Hans-Joachim Wilms, teilnahm. Im Mittelpunkt stand der Entwurf einer neuen Richtlinie. Mit dabei auch aktive Seniorenvertreter aus Bayern, Rheinland-Pfalz-Saar und Westfalen, wo es noch keine Landesarbeitskreise gab.

Weg frei für bundesweite Seniorenarbeit

Mit dem Beschluss des Bundesvorstandes der IG BAU zur „Richtlinie über die Aufgaben, Arbeitsweise und Rechte der Seniorenarbeitskreise“ wurde der Weg frei gemacht für eine bundesweite Seniorenarbeit. Auf der 1.Bundesseniorenkonferenz am 20. Januar 2000 in Berlin wurde Hubert Fiedler vom damaligen Landesverband Nordrhein als Vorsitzender gewählt. In dieser Funktion war er bis 2009 tätig. Seine langjährige engagierte Arbeit wurde mit der Ernennung als Ehrenvorsitzender gewürdigt. Sein Stellvertreter bis 2005 war Walter Wenzel vom Landesverband Berlin-Brandenburg. Ihm folgte Horst Pfab vom Landesverband Sachsen. Er arbeitete von Anfang an im Bundesseniorenvorstand mit und war bis 2009 stellvertretender Vorsitzender. Elke Garbe aus der jetzigen Region Sachsen-Anhalt-Thüringen-Sachsen wurde 2009 zur Vorsitzenden des Bundesseniorenvorstandes und Robert Schneider aus der Region Baden-Württemberg zum Stellvertreter gewählt. Beauftragte des Bundesvorstandes der IG BAU für die Seniorenarbeit standen bzw. stehen mit Rat und Tat zur Verfügung: von 2001-2009 Karl-Heinz Vorbrücken, von 1999-2001 und ab 2009 Eva-Maria Pfeil. Alle, die in der Seniorenarbeit tätig waren oder sind, haben viel Zeit und Herzblut eingebracht, um die gesteckten Ziele Stück für Stück zu erreichen oder zumindest spürbare Verbesserungen durchzusetzen.

Mit guter Arbeit überzeugt

Zur Wahrheit gehört auch, dass die ehrenamtliche Arbeit der Senioren von einigen Hauptamtlichen anfangs von der Seite betrachtet wurde. Da dachte man wohl zunächst an Kaffeekränzchen, Busfahrten und Kosten. Die Skeptiker wurden eines Besseren belehrt. In einem vom Bundesseniorenvorstand verfassten Leitfaden für die Seniorenarbeit wurde der große Strauß von Möglichkeiten zur Unterstützung der Gewerkschaft aufgezeigt. Die Senioren richteten ihre Arbeit u.a. darauf aus, für die Erhaltung des Sozialstaates zu kämpfen, geeignete Wohnungen für Senioren zu fordern und der IG BAU bei Baustellenbesuchen, der Werbung neuer Mitglieder, bei Rückholaktionen, der Betreuung von Jubilaren mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen sowie bei Protesten zu unterstützen.

Im Jahre 2000 wurde die IG BAU Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen(BAGSO). In Nürnberg stellte im Juni des gleichen Jahres der 6. Seniorentag die Verstärkung der Solidarität zwischen den Generationen als ein sehr wichtiges Anliegen heraus. Daraus entstand der Vorschlag einer gemeinsamen Beratung von Mitgliedern des Bundesjugendvorstandes der IG BAU und des Bundesarbeitskreises Senioren. Die Solidarität und der Dialog zwischen den Generationen werden gebraucht. Nur so lassen sich die anstehenden Probleme lösen. Beim gemeinsamen Gedankenaustausch zeigte sich, dass die Rentnerinnen und Rentner von heute nicht gerade nach der Devise leben „Nach uns die Sintflut“.

© IG BAU

Senioren fragen - Politiker antworten
(v.l.): Kurt Michaelis (IG BAU), MdB Karin Evers-Meyer und Margarete Oswald (IG BAU)

Ohne Senioren geht es nicht

In verschiedenen Büros der IG BAU-Bezirksverbände stellten sich bald rüstige Senioren als Ansprechpartner für Rat suchende IG BAU-Mitglieder zur Verfügung. Egal ob ZVK-Antrag, Arbeitslosengeld oder Fragen um die Mitgliedschaft: man kennt sich aus und hilft weiter. So z.B. in den Büros Goslar und Uelzen. Im IG BAU-Büro Friedberg sind es Senioren, die Öffnungszeiten sicherstellen, Probleme erfassen und an die im Außendienst tätigen Sekretäre weitergeben. Diese Initiative wurde später auch woanders aufgegriffen. In Bayern und Franken füllen sich immer wieder Festzelte und Säle, wenn es um Informationsveranstaltungen geht. Im Saarland ist man besonders aktiv beim Sammeln von Unterschriften, z.B. gegen die Rente mit 67 oder für eine Bürgerversicherung, wie sie die IG BAU vorgeschlagen hat. Man könnte an dieser Stelle noch viele weitere Beispiele aktiver Seniorenarbeit hinzufügen.

Auch bei der Unterstützung der IG BAU bei Tarifrunden oder Streikmaßnahmen ließen sich die Senioren bisher nicht lange bitten. Die Formen dieser Unterstützung sind vielfältig und reichen von der Betreuung der Infostände bis hin zur Verteilung von Proviant.
Als 2007 sich die Arbeitgeber in Niedersachsen weigerten ihre Zustimmung zu einem bereits ausgehandelten Tarifvertrag zu geben, kommt es zum Streik. Senioren aus vielen Bundesländern gaben mehrere Wochen aktive Unterstützung vor Ort und konnten schließlich den angestrebten Erfolg feiern. Auf die Frage, warum sie sich in diesem Arbeitskampf so engagieren, hörte man immer wieder: „Weil wir wollen, dass die noch im Arbeitsprozess stehenden Mitglieder gerecht entlohnt werden und weil wir wissen, dass sich jede Lohnerhöhung auch günstig auf unsere Rente auswirkt.“

© IG BAU (Eva--Maria Pfeil)

Das Team am Infostand der IG BAU beim Deutschen Seniorentag 2012 in Hamburg.

Steigender Bedarf an bezahlbaren altersgerechten Wohnungen

Der Bundesseniorenvorstand der IG BAU fordert seit 15 Jahren den Neubau von altersgerechten, barrierefreien Wohnungen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Mit der Weisheit und den Erfahrungen des Alters wurde jungen Bauherrn geraten, bei der Planung ihres Hauses auch daran zu denken, dass sie dort alt werden könnten. Um aber darin wohnen zu bleiben, werden gewisse Voraussetzungen gebraucht. Mit Blick auf die Kommunen forderte der Bundesseniorenvorstand der IG BAU die Infrastruktur in den Quartieren seniorengerecht zu gestalten. Ärzte, ÖPNV und Geschäfte müssen gut erreichbar sein. Darüber hinaus können fehlende Bordsteinabsenkungen, schmale Geh-/Radwege und hohe Einstiege in öffentliche Verkehrsmittel nicht nur für Rollstuhlfahrer zu unüberwindbaren Barrieren werden.

Beim 9. Deutschen Seniorentag im Jahr 2009 fand das Forum „Im Alter selbständig wohnen“ großen Anklang, in dem die IG BAU zusammen mit dem Architektenbüro „Projektscheune“, der AWO Erfurt und der Deutschen Kreditbank AG das Modellprojekt „Wohnen im Klassenzimmer“ vorstellte. Am Umbau der ehemaligen Döllbergschule in Suhl wurde gezeigt, wie aus einem nicht mehr genutzten Gebäude eine altersgerechte Wohnanlage entsteht. Die so entstandenen Wohnungen waren in Windeseile bezogen. Das zeigt den hohen Bedarf an altersgerechten Wohnungen. Noch warten über 10 Millionen Mietwohnungen auf eine Modernisierung. Um die Lebensqualität der älteren Generation zu verbessern und darüber hinaus dauerhaft Pflege- und Betreuungskosten einzusparen, bedarf es noch großer Anstrengungen.

In die Politik einmischen

In verschiedenen Arbeitsgruppen des Bundesseniorenvorstandes wird verfolgt, welche Vorhaben die Politik plant und wie man darauf reagieren kann. Mit Stellungnahmen z.B. zur „Gesundheitsreform und den Auswirkungen auf chronisch Kranke“, der Forderung nach einer „Solidarischen Rentenversicherung“, die alle Einkommensarten einbezieht und die zum Leben reicht, mischten sich die Senioren der IG BAU immer wieder in die Politik zur Optimierung des gesellschaftlichen Zusammenlebens ein. Als besonders wirkungsvoll hat sich erwiesen, vor Wahlen den Politikern vor Ort auf den Zahn zu fühlen, ihre Haltung zu seniorenpolitischen Forderungen zu erfahren, bekannt zu machen und das eigene Wahlverhalten darauf auszurichten.

© Elke Garbe

Politischer Frühschoppen beim Bundesseniorentreffen 2012

Aufeinander zugehen – besser verstehen

Der Bundesseniorenvorstand der IG BAU war von Anfang an bemüht zu einem besseren Verständnis zwischen den Senioren in Ost und West beizutragen. Im Juli 2003 fand im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter ein Ost – West Seminar statt. Unter dem Motto „Miteinander reden-besser verstehen“ tauschten Senioren aus Ost- und Westdeutschland ihre Meinungen aus. Es gab Rückblicke in die unterschiedliche historische Vergangenheit und man entdeckte Gemeinsames von früher und heute. Dieses Seminar, wie auch die seit dem Jahr 2000 jährlich stattfindenden bundesweiten Seniorentreffen trugen wesentlich zum besseren Verständnis bei. Neben der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und der Möglichkeit viele Gespräche mit Gleichgesinnten zu führen, bieten diese Treffen auch die Chance, sich mit der Arbeit des Bundesseniorenvorstandes vertraut zu machen. Nicht selten erwuchs aus einem solchen ersten Kontakt der spontane Wunsch zur Mitarbeit.

© Mitglieder des Bundesseniorenvorstands mit IG BAU-Kolleginnen und Kollegen aus der Region Berlin-Brandenburg © IG BAU

Erfahrungsaustausch: Mitglieder des Bundesseniorenvorstandes mit KollegInnen aus der Region Berlin-Brandenburg

Gemeinsam sind wir stark

Blickt man auf 15 Jahre Arbeit des Bundesseniorenvorstandes der IG BAU zurück, dann wurde viel erreicht. Aber die Senioren sind sich auch darüber im Klaren, dass es noch jede Menge Probleme gibt, deren Lösung noch aussteht. Dazu gehört z.B. eine faire Arbeit und eine faire Bezahlung – ein Einkommen mit dem man gut auskommt und das nicht in die Altersarmut führt. Gerade die Rentenkürzungen und die hohe Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse werden in den kommenden Jahren dazu führen, dass immer mehr Ruheständler nicht von ihrer Rente leben können. Deshalb verlangt der Bundesseniorenvorstand der IG BAU von der Politik eine Umkehr in der Rentenpolitik. Ältere müssen ohne materielle Not leben können. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement werden sich die Senioren der IG BAU auch weiterhin einmischen und fest an der Seite der noch aktiv im Arbeitsleben stehenden Kolleginnen und Kollegen stehen. Sie lassen sich dabei von der Erkenntnis leiten: „Wenn jeder für den anderen einsteht, dann sind wir gemeinsam stark.“

© IG BAU (Eva-Maria Pfeil)

Am Stand der Senioren beim Gewerkschaftstag 2013

Ein Beitrag unseres Kollegen Klaus Gabor.