Bauhauptgewerbe


Tatort Essen: 50 polnische Bauarbeiter sitzen mittellos fest

IG BAU verhandelt über ausstehende Löhne

© IG BAU
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Essen, 08.08.2012
Es geht hoch her bei der IG BAU Essen-Mülheim-Oberhausen. Seit gestern sitzen 50 polnische Bauarbeiter mittellos in Notunterkünften fest, tausend Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Seit einem Monat haben sie keinen Lohn bekommen. Ihre Unterkunft wurde gekündigt. Verpflegt werden sie durch Spenden und mit Hilfe der IG BAU. Die wurde über die Beratungsstelle des DGB für entsandte Beschäftigte alarmiert.

Seit vier Wochen haben sie die Kernsanierung des Klinikgebäudes an der Essener Virchowstraße – eine Baustelle des Landschaftsverbands Rheinland – durch Abbrucharbeiten für den Umbau vorbereitet. Lohn dafür? Eine Mini-Abschlagszahlung von 190 Euro in der ersten Woche – das war’s.Die IG BAU verhandelt für die Kollegen über rund 100.000 Euro ausstehenden Lohn.

Das hatten die Bauleute in der vorangegangenen Woche selbst versucht. Anstatt ihr sauer verdientes Geld zu erhalten, sind sie von der Baustelle verwiesen worden. Zu allem Überfluss hat sie dann auch noch ihre Vermieterin auf die Straße gesetzt. Angeblich hatte die Firma, die die Unterkünfte in Gelsenkirchen angemietet hat, nicht bezahlt und den Mietvertrag zwischenzeitlich gekündigt.

Doch die Rechnung des Bauunternehmers ist nicht aufgegangen. Die Kollegen sind nicht – wie von ihm offenbar gewollt – nach Polen gefahren, um dort auf ihren Lohn zu warten. Mit Hilfe der IG BAU Mülheim-Essen-Oberhausen gingen sie an die Öffentlichkeit, machten auf ihre Not aufmerksam, verhandelten mit Vertretern der Bauleitung, des Generalunternehmens und dem Auftraggeber, dem Landschaftsverband Rheinland.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: die Kollegen erfahren von unerwarteter Seite viel Unterstützung und praktische Solidarität. Während der Demonstration an der Virchowstraße konnten die 50 Kollegen eine größere Geldspende einer Passantin entgegennehmen - und damit Lebensmittel für das Wochenende besorgen.

Dank der Medienberichte sind in der Zwischenzeit weitere Geldspenden und Solidaritätsbekundungen bei der IG BAU MEO eingetroffen. So zum Beispiel die einer Essenerin, die aus der Zeitung von dem Skandal erfuhr und den Kollegen einen Schlafplatz angeboten hat. ver.di Personalräte der Uni-Klinik haben am Freitag Essen und Getränke spendiert. LVR-Personalräte waren vor Ort und haben ihre Solidarität bekundet, Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE haben sich solidarisch erklärt sowie Geldspenden überweisen.

Die IG BAU wird auch in diesem Fall am Ball bleiben - bis die Kollegen ihr schwer verdientes Geld erhalten haben.