E-Klasse / Wir sind die IG BAU


"Verkauft Euch nicht unter Wert!"

Eine Familie von uns

Selbstbewußtes Trio: Handwerk, was sonst.
Selbstbewußtes Trio: Handwerk, was sonst. © zplusz (Susanne Lindner)
01.09.2015
Diesen Rat hat die 21-jährige Gewerkschafterin Anja Göbel für die Mitglieder der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) bereit. Sie kommt aus einem Haus, in dem schon die Großeltern die Gewerkschaftsfahne hochgehalten haben. Drei Generationen wohnen in dem ehemaligen Zechenhaus in Bochum unter einem Dach. 24 Jahre hat der Dachdecker Andreas Göbel (52) an ihm gewerkelt und umgebaut.

Seine beiden Töchter Anja (21) und Jana (17) wollten nie etwas anderes, als einen Handwerksberuf erlernen. Sie haben klar den Vater als Vorbild, waren schon im Kindergartenalter mit auf Baustellen, sind absolut schwindelfrei. Mutter Sabine hat da längst keine Bange mehr.

Beide Töchter machen eine Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk. Anja hat gerade die Gesellinnenprüfung abgelegt, jetzt steht ihr diese Berufswelt offen. Auch ihr Vater trat schon in der Berufsschule in die Gewerkschaft ein. Andreas Göbel hatte einen Chef, der ihm beim Lernen und Durchbeißen half. Er blieb über vier Jahre in seiner ersten Firma, war 15 Jahre in der nächsten, bis sie verkauft und er übernommen wurde. 17 Jahre ist das her.

Sie sind eine Handvoll Beschäftigte, ein kleiner Betrieb. Der Chef weiß, dass Andreas in der Gewerkschaft ist, und er weiß, dass Andreas sich Rat und Unterstützung holt, wenn es mal knirschen sollte. „Du kannst es auch schriftlich kriegen, sage ich dann zum Chef“, lacht Andreas Göbel und setzt hinzu: „Der normale Rechtsschutz nutzt dir weit weniger als die Gewerkschaft. Die kennen sich aus, da musst du keinem jungen Typen im Anzug etwas vom Pferd erzählen, die sind einfach mit der Materie vertraut, das merkt die Gegenseite schnell.“

Auch seiner Mutter und seinem Vater hat die Gewerkschaft damals bei Berufswechsel und Rente überzeugend geholfen. „Auf die Gewerkschaft lassen wir nichts kommen“, sagen die Beiden, die gerade im Garten werkeln. Jana Göbel, die Jüngste, hat das erste Lehrjahr als Maler- und Lackiererin bald fertig. Am „Girl’s Day“ in der Schule war sie „mit Papa auf dem Dach“. Da war die Richtung Handwerk bereits klar. Er hat ihr dann den Ausbildungsplatz vermittelt, Bochum und Umgebung kennt er wie seine Westentasche.

Jana arbeitet wie Anja in einem kleinen Maler- und Lackierbetrieb, schwört auf die Betriebsgröße: „Weil man da einfach alles machen muss und kann, weil man viel mitbekommt und lernt. Mehr als in einem großen Laden, wo du immer das Gleiche tust.“ Anjas Betrieb ist auf Kreativtechniken spezialisiert, zum Beispiel auf Goldverspachtelung oder auf Beton Ciré, einen dreifach gespachtelten Feinputz, der wie gewachst aussieht. Jetzt, nach dem Ende der Ausbildung, will sie sich umschauen, vielleicht die Meisterausbildung machen.

Auf jeden Fall wird sie sich auch weiter in der Jungen BAU engagieren, da hat sie Feuer gefangen. Sie ist im Bezirksjugendvorstand aktiv, wurde zudem für die Tarifkommission delegiert. Vor einigen Wochen war sie bei den Verhandlungen für das Maler- und Lackiererhandwerk in Mainz dabei. Was man dabei lernt? „Sich zu beherrschen“, lacht sie schlagfertig. In der Gewerkschaft zu sein und aus einem solchen Haushalt zu kommen, macht im Berufsleben selbstbewusst, „auch wenn du als Gewerkschafterin manchmal schief angeschaut wirst“. Die Verbesserung der Qualität der Ausbildung ist ihr ein Anliegen – „Faire Arbeit Jetzt!“, eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen inklusive. So leicht lassen sich die Göbels nicht unterbuttern, das ist klar.

Ein Beitrag unseres Kollegen Alf Meayer in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", 07-08/2015.