Landwirtschaft


Was bei der Saisonarbeit verbessert werden muß

Ein Film- und Diskussionsabend der IG BAU und des PECO-Instituts

Gelungene Kooperation von IG BAU, EU-OSHA, Landwirtschaftlicher Rentenbank und Europäischem Verein für Wanderarbeiterfragen<br />von links: Ulrike Höfken (Staatsministerin RLP), Thomas Hentschel (PECO), Thomas Breuer, Ruxandra Empen (DGB-Projekt Bündnis gegen Menschenhandel), Martin Siecker (EWSA), Ludwig von Heyl (Landwirtschaftl. AG-Verband Rheinhessen-Pfalz), Sven Timm (EU-OSHA)
Gelungene Kooperation von IG BAU, EU-OSHA, Landwirtschaftlicher Rentenbank und Europäischem Verein für Wanderarbeiterfragen
von links: Ulrike Höfken (Staatsministerin RLP), Thomas Hentschel (PECO), Thomas Breuer, Ruxandra Empen (DGB-Projekt Bündnis gegen Menschenhandel), Martin Siecker (EWSA), Ludwig von Heyl (Landwirtschaftl. AG-Verband Rheinhessen-Pfalz), Sven Timm (EU-OSHA) © IG BAU (Uwe Simon)
09.09.2015
Wie es Erntehelfern bei der Weinlese in Frankreich ergeht, dokumentiert der Film „Weinlese“. Das PECO-Institut und die IG BAU Rheinland-Pfalz-Saar zeigten die preisgekrönte Produktion gestern Abend im Rahmen der Veranstaltung „Faire Saisonarbeit in der Erntezeit?“.

Knapp hundert Gäste – darunter auch Abgeordnete des rheinland-pfälzischen Landtags - kamen in das Capitol Kino in Mainz und diskutierten nach der Vorführung die Arbeitsbedingungen für Saisonkräfte. Durch den Abend führte Sven Timm von der Europäischen Arbeitsschutzagentur (EU-OSHA).

Dass Saisonarbeit zunehmend feste Jobs verdrängt, ist der Eindruck der rheinland-pfälzischen Agrarministerin Ulrike Höfken. „Saisonarbeit wächst sich aus“, sagte sie. „Zunehmend wird sie auch auf reguläre Beschäftigung wie etwa Melken angewandt.“ Sie forderte mehr Anstrengung, um feste Arbeitsplätze zu sichern und neue politische Ansätze für die Verbesserung der Saisonarbeit. Dazu zähle, Direktzahlungen mit sozialen Vorgaben zu verbinden, um bei Verstößen ein wirksames Sanktionsmittel in der Hand zu haben.

Martin Siecker vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss ergänzte, es müsse mehr Kontrollen gegen Schwarzarbeit geben und die Strafen müssten deutlich höher ausfallen, um unseriöse Betriebe von Lohnprellerei abzuschrecken.

Einen Mangel an sozialer Verantwortung auf EU-Ebene kritisierte Thomas Breuer, Regionalleiter der IG BAU Rheinland-Pfalz-Saar. Er stellte fest: „Menschen sind in der EU zweitrangig. Es geht immer nur darum, an die Geldtöpfe heranzukommen. Die Menschen spielen dabei keine Rolle.“ Diesem Aspekt stimmte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes Rheinhessen-Pfalz, Ludwig von Heyl, zu, der für eine Stärkung des sozialen Dialogs plädierte. „Das ist die Voraussetzung für den gemeinsamen europäischen Markt“, sagte er.

Keine Gemeinsamkeit gab es dagegen beim Thema gesetzlicher Mindestlohn. Während der Arbeitgeberverbands-Chef auf tarifpolitische Lösungen bestand, betonte der IG BAU-Regionalleiter, dass Unternehmen nicht überfordert sind, eventuelle Preissteigerungen an die Kunden weiterzugeben.

Ruxandra Empen vom DGB-Projekt „Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung“ stellte klar, dass die Praxis einen Mindestlohn für Saisonarbeiter notwendig macht. „Saisonarbeiter stehen ganz unten in der Hierarchie“, sagte sie. „Sie können meist nur wenig deutsch und kennen ihre Rechte nicht. Wer um seinen Lohn betrogen wird, fährt ohne Gegenwehr nach Hause. Der gesetzliche Mindestlohn ist ein Mindeststandard, auf den sich die Wanderarbeiter berufen können. Deshalb ist er wichtig.“

 © IG BAU (Uwe Simon)
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