Gebäudereinigung


Was für ein Theater ...

Die im Dunkeln sieht man nicht
Die im Dunkeln sieht man nicht © IG BAU (Alexander Paul Englert)
09.06.2013
... herrlich unterhaltsam und dennoch schonungslos. Mit „Theater für Tarif“ erobern neun Gebäudereinigerinnen im Rahmen der ­laufenden Tarifbewegung die Bühnen dieser Republik. Sie haben eine gemeinsame Mission:

Aysegül Dincer, Corinna Huschwar, Gabriele Knue, Martina Krebs, Galina Lapusov, Elke Luce, Svetlana Pfeifer, Iris Santoro und Ingrid Wellmann arbeiten als Gebäudereinigerinnen – in Nord und Süd, in Ost und West. Nachdem Peter Riedel, Abteilungsleiter Gebäudereiniger-Handwerk beim Bundesvorstand der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), sie von seiner Theateridee überzeugt hatte, haben sie sich unter der Anleitung von Regisseurin Gosia Schnelle ans Drehbuchschreiben gemacht.

Szenen, die das Leben schreibt
Zusammen haben sie sich hingesetzt, ihre Erfahrungen aufgeschrieben und bühnentauglich umgesetzt. Selbstverständlich ein wenig überspitzt und überzogen – denn das Publikum, zumeist Kolleginnen aus der Branche, soll trotz allem ernsten Hintergrund auch etwas zu lachen haben.

Selbst wenn ihnen das Lachen manchmal fast im Halse stecken bleiben möchte. Zu genau kennen sie die Situationen, die die Darstellerinnen und der einzige Mann in der Damenriege – Peter Riedel – in fünf Akten auf die Bühne bringen. Seien es der übellaunige Kunde, die herrische Vorgesetzte, die Arroganz der Mitmenschen, die unzumutbaren Arbeitsbedingungen in den einzelnen Objekten – alles Szenen, die das (Arbeits-)Leben schreibt. „Theater wird erst wirklich, wenn das Publikum innerlich mitspielt“, philosophierte einst Hermann Bahr, österreichischer Theater-Kritiker und Roman- und Bühnenautor – innerlich mitspielende Zuschauer hat „Theater für Tarif“ reichlich.

Fünf Auftritte hatte die Truppe ursprünglich „nur“ geplant, mit denen die aktuelle Tarifrunde in der Gebäudereinigung in Schwung gebracht und gehalten werden soll. Doch die Anfragen nach weiteren Gastspielen reißen nicht ab. Die Begeisterung schwappt über, 1000 Kolleginnen und Kollegen haben das Stück bereits gesehen, und immer mehr Menschen wollen die Reinigungskräfte in (Theater-) Aktion erleben. Doch die können und wollen nicht ­alle Auftrittswünsche erfüllen – trotz entflammter Liebe zur Schauspielerei. Denn der Ausflug in die Theaterwelt ist reines Privatvergnügen: Die Akteure opfern einiges an Freizeit und Privatleben, um mit der und für die IG BAU durch Deutschland zu tingeln. Zahlreiche Stunden gehen dabei drauf: Vorbereitung, Proben, Anreise, Auftritt, Abreise ...

Weitere Termine
Zu sehen ist „Theater für Tarif“ live und in Farbe unter anderem noch
am Tag der Gebäudereinigung (Samstag, 15. Juni) ab
11 Uhr in der Gesamtschule Duisburg-Mitte.

Dass dieser Tour-Aufwand sich letztendlich lohnt, darin sind sich alle Beteiligten einig. Zum einen im Hinblick auf die Tarifrunde 2013. Zum anderen natürlich auch im Hinblick auf den Zusammenhalt in der Gruppe und die Solidarität in der Branche.
Und so wirkt es auch geradezu selbstverständlich, dass das Theaterstück in seiner Schlussszene in folgenden Appell mündet: „Lasst uns zusammen kämpfen, denn nur gemeinsam sind wir stark!“

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann 6/2013).

Ich machte Theater für Tarif weil ich ...

... daran glaube, dass wir gemeinsam stark sind, und ich Respekt für mich und meine Kolleg(inn)en will. Hem isime, hem bana saygi isdiyorum.

Aysegül Dincer

... hoffe, auf diesem Wege auch branchenfremden Leuten unsere Probleme in der Gebäudereinigung zu verdeutlichen.

Gabriele Knue

... zeigen möchte, wie man nicht mit uns umgehen sollte.

Elke Luce

... unsere Kolleginnen und Kollegen zum Nachdenken bringen möchte. Wenn sie dabei auch über sich selbst schmunzeln können, ist das in Ordnung.

Iris Santoro

... andere Wege gehen möchte, um an mein Ziel zu kommen.

Ingrid Wellmann