Arbeitssicherheit / Gesundheitsschutz


Workers' Memorial Day: Nicht immer Ja und Amen sagen…


© Zigeunerin / www.pixelio.de
20.04.2017
„Dann gibt es nur eins: Sag NEIN!“, rief einst der deutsche Schriftsteller Wolfgang Borchert zum Widerstand auf. Doch das ist oft leichter gesagt, als getan. Besonders dem Chef gegenüber. Da mag Mann oder Frau sich keine Blöße geben, Schwächen zeigen schon gar nicht. Doch haben es Ja-Sager wirklich leichter im Leben?

In einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid gaben 81 Prozent der Befragten an, in der Regel ja zu sagen, wenn jemand sie um etwas bittet – auch wenn sie sich im Nachhinein über ihre Zustimmung ärgern. Vor allem den 30- bis 39-Jährigen fällt ein Nein schwer (85 Prozent), während es bei den über 60-Jährigen „nur“ noch 77 Prozent sind.

„Nein sagen bedeutet für viele gar eine Qual“, betont Prof. Jürg Frick, Schweizer Psychologe, in einem Interview mit der Zeitschrift ph-akzente. „Und doch ist diese Fähigkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gelingendes Leben. Erst mit dem Vermögen, Nein sagen zu können, lässt sich das eigene Leben wirklich steuern, richtig gestalten und weiterentwickeln.“

Denn sonst gestalten und steuern andere unser Leben: Zeitdruck, häufige Unterbrechungen, Zusatzaufgaben, fehlende Erholungsmöglichkeiten – die Anforderungen am Arbeitsplatz nehmen zu.

Wer sich dagegen wehrt, hat oft schlechte Karten. Doch, wer sich nicht dagegen wehrt, erst recht: Hektik und Arbeitsunfälle nehmen zu, ebenso wie Fälle von Langzeiterkrankungen aufgrund psychischer Belastungen am Arbeitsplatz.

Im ersten Halbjahr 2016 gab es nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung 3,4 Prozent mehr meldepflichtige Arbeitsunfälle als im Jahr zuvor – 434 603 waren es insgesamt. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle lag bei 198. Das waren zwar zwei weniger als im Vorjahr. Doch jeder Unfall und jeder Todesfall im Job ist immer noch einer zu viel.

Deswegen heißt es: Dranbleiben.

Dranbleiben, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Betrieben kontinuierlich zu verbessern.

Dranbleiben, den Chef – auch wenn es schwer fällt – auf Missstände hinzuweisen.

Dranbleiben, Kolleginnen und Kollegen immer wieder aufzufordern, die Vorschriften einzuhalten.

Und Dranbleiben, Rückgrat zu zeigen, und auch mal Nein zu sagen.

Ein Beitrag unserer Kollegin Christiane Nölle in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe 4/2017.

Workers‘ Memorial Day

Bereits 1984 rief erstmals die kanadische Gewerkschaft für Angestellte im öffentlichen Dienst dazu auf, der im Arbeitsleben verstorbenen Kolleginnen und Kollegen zu gedenken. Seither wird dieser Gedenktag am28. April in vielen Ländern weltweit begangen. Seit 2011 rufen IG BAU und DGB für diesen Tag dazu auf, der Kolleginnen und Kollegen zu gedenken, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit durch Unfall oder Berufskrankheit ihr Leben lassen mussten.

Gedenkgottesdienst in Berlin

Gedenkgottesdienst in Stuttgart

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

für den 28. April rufen Annelie Buntenbach (DGB) und ich Euch zu einer bundesweiten Schweigeminute auf. Lasst die Arbeit in den Betrieben, auf Baustellen und in Objekten ruhen und gedenkt den durch einen Arbeits- oder Wegeunfall verstorbenen Arbeitnehmern.

Dietmar Schäfers, Stellvertretender IG BAU-Bundesvorsitzender

IG BAU (Paul Schimweg)