Frauen


Zeit(t)raum – Wege zur neuen Zeitkultur


© Gerd Altmann / www.pixelio.de
26.12.2012
Um einen anderen Umgang mit der Zeit und um die Frage nach einer anderen Zeitkultur geht es im Schwerpunktthema der IG BAU-Frauen für 2013. Zeit ist der nächste Aspekt bei der Suche nach gesellschaftlichen Alternativen. Nach wie vor ist das Ziel, gemäß dem Motto des Gewerkschaftstags 2009 „Arbeit.Leben.Gerechtigkeit.“, konkrete Zukunftsvorstellungen zu entwickeln; Antworten zu geben auf die Frage: „Wie wollen wir leben?“

In 2012 haben sich die IG BAU-Frauen mit dem „Glück“ und den Rahmenbedingungen für eine glückliche Gesellschaft beschäftigt. Zuvor ging es um „Geld“ und „Arbeit“.

„Im Unterschied dazu ist ja die Zeit gerecht verteilt“, erklärt Angelika Müller, Bundesfrauenvorsitzende der IG BAU. „Jeder und jede hat 24 Stunden am Tag. Trotzdem klagen die meisten unserer Kolleginnen über Zeitnot. “Da ist die Gebäudereinigerin, die als Teilzeitbeschäftigte von Objekt zu Objekt hetzt und ihre Arbeit in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen kann. Die Bauleiterin mit einer 60-Stunden-Woche, der kaum noch Freizeit bleibt.

Viele Mütter sind mit Beruf, Kindern und Haushalt so belastet, dass sie fast keine Zeit mehr für sich selbst haben. Arbeitszeiten und oft auch Arbeitswege sind länger geworden. Tarifliche Arbeitszeiten spielen eine immer geringere Rolle. Von einer 35-Stunden-Woche sind die meisten Vollzeitbeschäftigten weiter entfernt als vor 30 Jahren.

An die Stelle einer klar definierten Arbeitszeit sind heute Zielvereinbarungen getreten, die eine Knebelwirkung haben, so dass sich immer mehr Beschäftigte nach der „guten, alten Stechuhr“ zurücksehnen. Das große, gewerkschaftliche Thema „Arbeitszeitverkürzung“ ist überholt worden von einer Arbeitgeberpolitik, die nicht selten ständige Erreichbarkeit fordert und eine Form der Entgrenzung von Arbeit und Freizeit zur Folge hat, die zu zunehmenden gesundheitlichen Problemen der Beschäftigten führt.

„Burnout“ – das psychische „Ausgebrannt-Sein“ durch permanente Überforderung – wird auch bei Frauen zu einem immer größeren Problem. Zwar gelten Frauen als „multitasking“-fähig, aber Angelika Müller sieht darin keine Lösung: „Wir sind nicht ,Wonder-Woman‘.“ Auch Zeitmanagement diene nur dazu, die vielfältigen, oft gleichzeitigen Aufgaben, das Diktat der Uhr und des Terminkalenders irgendwie in den Griff zu kriegen. Dahinter stehe der Glaube: Zeit ist Geld. In Wirklichkeit sei Zeit aber Leben.

Deshalb wollen die IG BAU-Frauen einen Schritt weiter gehen. Im Zeitalter von E-Mails und Smartphones, von steigenden Anforderungen von außen, geht es ihnen um ein grundsätzliches Verständnis von Zeit. Auf der persönlichen Ebene suchen sie Wege aus dem Hamsterrad hin zu einem erfüllten Erleben von Zeit. Gesellschaftlich geht es um Alternativen zum beschleunigten Kapitalismus und zum Wachstumswahn.

© privat

Angelika Müller,
Bundesfrauenvorsitzende
der IG BAU