Bauhauptgewerbe


Zu Lande, im Wasser und in die Höhe…


Die Baustelle JadeWeserPort im Mai 2010 © IG BAU (Dieter Gehrken)
10.08.2011
…so könnte man das riesige zusammenhängende Baugebiet am Jadebusen in Wilhelmshaven beschreiben. Zu Lande entsteht der 2012 in Betrieb gehende „Jade Weser Port“ mit einer Fläche von 360 ha und einer Kajenlänge von 1725 Metern. Eine 16-gleisige Vorstellgruppe, bei insgesamt 14 km Gleisbau, dem Umschlagplatz für die Schiene, sorgt wie der umfangreiche Ausbau der Autobahn mit neuen Brücken, Zu- und Abfahrten für die Erschließung des neuen Terminals. Und natürlich das entstehende 160 ha große Verkehrsgüterzentrum, von dem aus der Weitertransport der Container sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße erfolgt. Für Leute vom Bau eine Baustelle der Superlative.

An der 18 Meter tiefen Wasserkante, einzig an der deutschen Nordseeküste, werden die größten Containerschiffe der Welt bis zu 2,7 Millionen Container pro Jahr umschlagen. 47 Mio. Kubikmeter Sand, aufgespült aus dem Jadebusen werden, wenn sie verbaut sind, die Grundlage des neuen Terminals sein.

Allein für die Ausbaggerung der 18 Meter tiefen Fahrrinne kam es zu einer Extra-Anfertigung des neuen Schneidkopfsaugbaggers PIRAT X mit 104 Meter Länge und 17 Meter Breite. Vier Riesencontainerschiffe von 430 Metern Länge könnten künftig von den 16 Containerbrücken gleichzeitig gelöscht werden.

Aber nicht nur auf dem Landwege, sondern mit sogenannten Feederschiffen (Zubringerschiffe), wird es zu einer Weiterverteilung der Fracht in den skandinavischen Raum und Baltische Staaten wie auch Polen und Russland kommen.

All dies wird möglich durch die Arbeit unserer Kollegen, die bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter, oft auch in Nachtschicht, unermüdlich den Bau des Terminals mit durchschnittlich 350 Beschäftigten (ohne die zusätzlichen Kontraktoren) vorantreiben. Die Dimensionen lassen sich kaum in Worte fassen. Ein extra eingerichtetes InformationsCenter und ein sonntäglicher Bus-Besucherdienst gibt die Möglichkeit, vor Ort die größte Wasser- und Landbaustelle Norddeutschlands in Augenschein zu nehmen.

In unmittelbarer Nachbarschaft, ebenfalls am Jadebusen gelegen, entsteht auf einem Polder ein neues 800 MW großes Kraftwerk der GDF SUEZ Energie Deutschland. Auch diese Baustelle soll im Jahre 2012 seiner Vollendung entgegen gehen. Ein Kraftwerk, von dem nach Aussagen der zukünftigen Betreiber eine um 50 Prozent geringere Umweltbelastung ausgehen soll, als sie die gesetzlichen Vorschriften zulassen. Die Kühlung des Kraftwerkes sowie die Wärmeableitung erfolgt durch eine durch den Deich gepresste Zu- und Abwasserleitung zum Jadebusen.

Rund 1500 Kollegen und Kolleginnen werden hier am Werk gewesen sein, um das später mit 170 Kraftwerkern zu betreibende Kraftwerk fristgerecht zu erstellen. Auf den 12 Fußballfeldern großem Baufeld werden von den Arbeitern oftmals Fahrräder benutzt, um an ihre Arbeitsstellen zu gelangen. Schwindelerregend ist es zu beobachten, wie hier die Arbeiten für das Kesselhaus in 107 Meter Höhe von den Kollegen vorangetrieben werden.

Riesige Dimensionen verzeichnet auch die Ertüchtigung* der 1300 Meter langen, ans tiefe Fahrwasser reichende, „Niedersachsen-Brücke“ im derzeitigen Baugebiet. Die Abfertigungsbrücke für Massengut, an der insbesondere Kohleimporte gelöscht werden, erhält nach baulichen Verstärkungen zwei neue Verladekrane mit einem jeweiligen Fassungsvermögen von 44 Kubikmetern. Das sind etwa 44 Tonnen Kohle. Durch ein umweltschonendes, geschlossenes Fördersystem gelangt so die Kohle von den großen Kohlefrachtern aus Übersee auf den Kohle-Umschlagsplatz zwischen dem neuen und eines bereits im Betrieb stehenden Kraftwerkes. Von hier werden künftig aber nicht nur die beiden Kraftwerke gespeist, sondern der größte Teil per Schiene ins Hinterland transportiert.

Um die Versorgung und Betreuung von Mannschaft und Baustelle von der Seeseite sicherzustellen, wurde eigens ein vorübergehender Bauhafen innerhalb des Baugebietes eingerichtet.

Sicherlich für Urlauber und Reisegruppen ein lohnendes Ausflugsziel, besonders aber für Leute, die mit dem Baugewerbe verbunden sind, um sich vor Ort ein Bild von den Dimensionen der Baustellen zu machen.

Ein Beitrag unseres Kollegen Dieter Gehrken.


*Ertüchtigung
... ist eine bauteil- oder bauwerksbezogene, in der Regel rechnerisch nachzuweisende konstruktive Maßnahmen mit dem Ziel:
die Tragfähigkeit zu erhöhen,
das Ermüdungsverhalten zu verbessern,
die Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit zu verbessern.

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