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Zwischenruf: Das Potenzial ist da


© Friedrich-Ebert-Stiftung
27.02.2013
Immer mehr Menschen müssen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit und damit auch die Zeit für freiwilliges Engagement mit ihrer Arbeits- und Lebenssituation abgleichen. Die Entwicklung hin zu immer weniger Vollerwerbsarbeit und die damit einhergehende Vielzahl von Teilzeitjobs und befristeten Arbeitsverhältnissen sowie die sich ändernden Arbeitsanforderungen, die eine zunehmende Mobilität, Flexibilisierung und ständige Erreichbarkeit bei wachsendem Leistungsanspruch beinhalten, erschweren vielen Menschen ein freiwilliges Engagement.

Während Engagement zwar Zeit in Anspruch nimmt, bietet es auch Chancen für eine Ergänzung und einen sinnstiftenden Ausgleich zur Erwerbsarbeit und die Möglichkeit zur Mobilisierung individueller und sozialer Ressourcen. Das spiegelt sich auch in den Erwartungen der Engagierten an ihr Engagement wider. Neben dem Motiv, "etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun", rückt immer mehr der Wunsch nach individueller Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung in den Vordergrund. Engagement soll attraktiv sein, Spaß machen, das Zusammensein mit gleichgesinnten Menschen ermöglichen, aber auch Gestaltungsspielraum, Teilhabemöglichkeiten und Anerkennung bieten.

Wie kann man den Einstieg erleichtern? Gut bezahlte Jobs, die es den Menschen ermöglichen, von ihrer Arbeit zu leben, und flexiblere Arbeitszeitmodelle, wie Gleitzeitarbeit, sind nur einige Beispiele, die es gerade Arbeitnehmern ermöglichen, Familie, Beruf und Engagement besser zu vereinbaren.

Aber auch gemeinnützige Organisationen können potenziellen Freiwilligen eine Tätigkeit in ihrer Organisation erleichtern. Weniger zur Verfügung stehende Zeitressourcen fordern zeitlich begrenzte und innovative Formen von Engagement. Neben "traditionellem" Engagement gilt es daher, in Absprache miteinander attraktive, an den Bedürfnissen und dem Zeitbudget der Freiwilligen orientierte projektförmige Aufgaben zu schaffen.

Klarheit über Aufgaben und Zuständigkeiten und eine konstante unterstützende Betreuung, die die Arbeit der Freiwilligen anerkennt und die Weiterentwicklung dieser fördert, motivieren und ermöglichen mehr Menschen mit geringem Zeitbudget den ausgleichenden "Luxus" des Engagements.

"Zwischenruf" von Katrin Matuschek, Leiterin Akademie Management und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung, in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann 2/2013".