Senioren


Lebensabend in Sicherheit und Frieden

15. Seniorenwochenende in St. Andreasberg


© IG BAU (Klaus Gabor)
14.11.2017
Das traditionsreiche Treffen der Senioren Niedersachsens am letzten Wochenende im Oktober im Berghotel in St. Andreasberg hatten sich die Organisatoren um Leopold Pilz sicher anders vorgestellt. Zunächst mussten die geplanten Wanderungen wegen des Regens und der unsicheren Wege abgesagt werden und zu guter Letzt sorgte das heftige Sturmtief „Herwart“ dafür, dass der politische Frühschoppen neu ausgerichtet werden musste. Das Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt, Andreas Steppuhn (SPD) und der Vorsitzende des IG BAU-Bezirksverbands Braunschweig-Goslar, Karl-Heinz Ehrenberg, konnten wegen blockierter Straßen nicht anreisen.

Dem Gedankenaustausch zwischen alten Bekannten und Mitstreitern, weit über den eigenen Bezirksverband hinaus, konnten diese Widrigkeiten aber nichts anhaben. Aus den geplanten Wanderungen wurden ein Kegelturnier bzw. ein Besuch des Nationalparkhauses mit einer beachtlichen Ausstellung über das Leben von Fledermäusen. Beim Tanz am Abend wurden die Beine kräftig geschwungen.

Protestwahl hat Ursachen
Da der Bundesseniorenvorstand der IG BAU zuvor im Hotel tagte und die meisten Mitglieder anschließend am Treffen der Senioren teilnahmen, war der Politische Frühschoppen auch gerettet. Informationen gab es zum Gewerkschaftstag der IG BAU, zu Themen und Forderungen, mit denen sich der Bundesseniorenvorstand verstärkt beschäftigen wird. Und, wen wundert es, auch der Ausgang der Bundestagswahl wurde betrachtet und diskutiert.

Hier wurde übereinstimmend festgestellt, dass man nicht einseitig über die AfD diskutieren sollte, sondern vielmehr die Ursachen des Wahlverhaltens benennen und beseitigen muss. Der andauernde Jubel um immer geringere Arbeitslosenzahlen kann nicht verdecken, dass der Niedriglohnsektor immer größer wird, immer mehr Beschäftigte kein verlässliches Einkommen haben, das für ein gutes Leben und Rücklagen fürs Alter reicht. Aussagen nach der Wahlklatsche wie: „Ich sehe nicht, was wir anders machen sollten“ von Angela Merkel (CDU) oder die Forderung des CDU-Politikers Spahn im Umfeld der Koalitionsverhandlungen nach Abschaffung der Rente mit 63 zeigen, dass aus der Protestwahl bisher keine hinreichenden Schlussfolgerungen gezogen wurden.

Lebensabend in Sicherheit und Frieden
Über Schwerpunkte und Ziele in der bundesweiten Seniorenarbeit gaben Elke Garbe, Bundesseniorenvorsitzende der IG BAU und Eva-Maria Pfeil, Ehrenamtliche Beauftragte des IG BAU Bundesvorstandes für die Seniorenarbeit, Auskunft. So sei es Anliegen, dass unser Land weiterhin nach sozialstaatlichen Grundregeln in einem stabilen Europa agiert und dass auch die Lebensbedingungen der derzeitigen und künftigen älteren Menschen einen Lebensabend in Sicherheit und Frieden garantieren. Drei Schwerpunkte stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Bundesseniorenvorstandes:

Rente muss für ein gutes Leben reichen
Dazu ist das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung zu stabilisieren und wieder anzuheben. Um die Beitragsbasis zu erweitern, ist das derzeitige Rentensystem zu einer Erwerbstätigenversicherung zu entwickeln. Die Senioren unterstützen daher das IG BAU-Rentenkonzept.

Wohnungsbau und Infrastruktur sollen auch auf die Erfordernisse älterer Menschen ausgerichtet werden
Der soziale Wohnungsbau muss alternative und bezahlbare Wohnformen für ältere Menschen unterstützen, um ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu gewährleisten. Gebraucht werden viele bezahlbare Wohnungen ohne Barrieren. Bei der energetischen Gebäudesanierung wird eine sozialverträgliche Lastenverteilung zwischen Mieter, Vermieter und Staat gefordert. Auch die Infrastruktur muss passend sein. Dazu sind Baubestimmungen, Normen und Standards altersgerecht zu aktualisieren. Leistungsfähige Nahverkehrssysteme müssen die Mobilität gewährleisten. Auch für den altersgerechten Umbau von Mietwohnungen muss es eine staatliche Zuschussförderung geben.

Gesundheit und Pflege: Altern in Würde mitten in der Gesellschaft
Die Bürgerversicherung, wie von den Gewerkschaften schon lange gefordert, soll endlich umgesetzt werden. Alle Einkommensarten wären dann sozialversicherungspflichtig. Die Bewahrung und Förderung der Volksgesundheit muss nach Auffassung der IG BAU-Senioren als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Auch in der Pflege ist eine solidarische Finanzierung aller Bevölkerungsschichten dringend erforderlich, denn nicht nur Reiche, sondern alle Menschen haben ein Recht auf Würde im Alter.

Wer weiß denn das?
Ein Rätsel sorgte dafür, dass im neuesten GEW-Urlaubskatalog aufmerksam geblättert wurde. Eine der Fragen: In welchem GEW-Hotel wird für IG BAU-Mitglieder der höchste Rabatt gewährt? Es lockte ein Kurztrip nach Berlin ins Seehotel Grunewald, gestiftet von der GEW Ferien GmbH. Trostpreise gab es in Form von Thermokannen.

Ein herzliches Dankeschön galt allen, die dazu beigetragen haben, dass auch das 15. Seniorenwochenende ein Erfolg wurde.

Am Ende des Treffens waren auch die letzten umgefallenen Bäume von den Straßen geräumt, so dass alle Teilnehmer eine sichere Heimfahrt antreten konnten.

Das 16. Seniorenwochenende im Jahr 2018 ist bereits im Berghotel St. Andreasberg gebucht und wird mit Sicherheit genauso viel Zuspruch finden wie die vorausgegangenen Treffen.

Ein Beitrag unseres Kollegen Klaus Gabor.

Von links: Leopold Pilz, Elke Garbe und Eva-Maria Pfeil erläutern Schwerpunkt und Ziele der bundesweiten Seniorenarbeit.