IG BAU - die tun was!


Tief im Westen ist die IG BAU weiblich

Die sonst Unsichtbaren machen laut.
Die sonst Unsichtbaren machen laut. © IG BAU (Jürgen Rümmler)
22.09.2017
Im Bezirksverband Bochum-Dortmund haben die Frauen das Zepter in der Hand. Zumindest, wenn man die Führung der örtlichen Gewerkschaft betrachtet. Neben der Vorsitzenden Gabriele Henter bringt sich auch Petra Vogel als Stellvertreterin aktiv ein.

Die Bochumerin arbeitet als Reinigungskraft in einem großen Krankenhaus und leitet im Bezirksverband die Fachgruppe Gebäudereinigung. „Mir macht das Arbeiten mit den Kolleginnen sehr viel Spaß. In den letzten Jahren haben wir viele tolle Aktionen auf die Beine gestellt. Ich bin sehr stolz darauf, mit so vielen starken Frauen zusammenzuarbeiten“, so Vogel.

Wie jedes Jahr hat sich auch 2017 die aktive Fachgruppe etwas besonderes zum Tag der Gebäudereinigung einfallen lassen. Unter dem Motto „Rente muss zum Leben reichen“ protestierten die Ehrenamtlichen in der Dortmunder Innenstadt. Mit Pappschildern und verkleidet als Rentner marschierend machten sie ihren Unmut Luft.

„Wer so wie ich 40 Jahre in der Gebäudereinigung tätig ist, bekommt eine Rente, die nicht zum Leben reicht. Wenn ich bald in den Ruhestand gehe, kann ich mir gar nichts mehr leisten. Da muss ich gar nicht erst überlegen, ob ich mir mal ein Eis oder etwas vom Imbiss hole. Dann geht es nur ums nackte Überleben“, so Petra Vogel weiter.

Dass aber auch ernste Themen Spaß machen, stellt die Fachgruppe Gebäudereinigung immer wieder unter Beweis. Mit knackigen Sprüchen unterstreichen sie, was ihnen wichtig ist. So stand Mitte Juni auf ihren Plakaten:

  • Geackert wie ein Tier, reicht die Rente noch nicht mal für ein Bier!
  • Oma & Opa sollten den Kindern heimlich Geld geben und nicht Flaschen sammeln.
  • Malocht ein Leben lang - Altersarmut heißt der Dank.
  • Nach uns die Armut.

Und so gab es neben Transparenten auch Rollatoren, Masken und Rollstühle, um auf die schlechte Situation von Rentnerinnen und Rentnern aufmerksam zu machen.

Petra Vogel, die im Alter höchstens eine Rente von knapp 650 Euro erwarten kann, brennt dieses Thema besonders unter den Nägeln. In den unterschiedlichsten Veranstaltungen von Bezirks- oder Stadtverband oder auf der ganz großen Bühne nimmt sie klar Stellung und fordert vehement, dass die Rente zum Leben reichen muss.

„Wir haben in den letzten Monaten sehr viel mit Bundestagskandidaten diskutiert. Vor der Wahl bekommen wir zum Glück etwas mehr Gehör. Ich freue mich, dass wir vor Ort alles Mögliche auf die Beine stellen können, damit die Politik endlich versteht, was uns unter den Nägeln brennt“, so Reinigungskraft Vogel weiter.

Einen besonderen Coup gelang der Bochumerin in der ZDF-Sendung „Klartext Merkel“. Vor 3,8 Millionen Zuschauern fragte sie die Kanzlerin, warum es nicht möglich ist, dass in Deutschland jeder eine Rente bekommt, die zum Leben reicht. Als Angela Merkel nur eine dürftige Antwort gab, hakte unsere IG BAU-Kollegin nach und sorgte für Sprachlosigkeit bei der Bundeskanzlerin.

Vogel: „Ich habe Frau Merkel gefragt, warum es in Deutschland nicht möglich ist, ein faires Rentensystem oder eine Bürgerversicherung zu schaffen, wo die Menschen wenigstens eine Grundrente von 1000 oder 1050 Euro bekommen können. Dann müssen die Rentner nicht nach 40 Jahren Arbeiten am Bahnhof rumstreichen, um Flaschen und Dosen zu sammeln.“ Und weiter unterstreicht sie: „ Ich habe große Angst vor der Rente. Es ist ja nicht so, dass ich jetzt schon in Saus und Braus gelebt habe. Wie soll ich von den paar Kröten, die ich verdiene, noch etwas weglegen?“

Um einen Weg aus der Spirale zu schaffen, setzt sich die Fachgruppe Gebäudereinigung im Ruhrgebiet für gerechte Löhne ein. So bereiten sie aktuell wieder kreatives Demomaterial vor, um die Tarifkommission bei den Verhandlungen zu unterstützen. Sei es, als Nikolaus, der seinen Liebsten zu den Feiertagen mal eine Freude machen will, oder wieder mit markigen Transparenten. Sicher ist, dass die Frauen aus dem Bezirksverband Bochum-Dortmund nicht aufhören, sich Gehör zu verschaffen.

IG BAU - die tun was!

Ein Beitrag der Fachgruppe Gebäudereinigung und des Branchensekretärs Sascha Brüggemann.

IG BAU (Jürgen Rümmler

Aufgehört wird erst, wenn gar nichts mehr geht.

IG BAU (Jürgen Rümmler

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IG BAU (Jürgen Rümmler)

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IG BAU (Fürgen Rümmler)

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