Bildung / Berufsbildung


Zehn Jahre Imagekampagne im Handwerk sind genug


27.04.2018
Im Jahr 2010 ging die Imagekampagne des deutschen Handwerks an den Start. Die ersten fünf Jahre federführend begleitet durch die Agentur „Scholz & Friends“. Seit dem Jahr 2015 durch die Agentur „Heimat“. Die beschlossene Laufzeit geht bis 2020. Nun wird über eine Verlängerung der Kampagne für weitere fünf Jahre diskutiert.

Bis zum Ende der momentanen Laufzeit werden die deutschen Handwerkskammern 100 Millionen Euro in den Sonderhaushalt „Imagekampagne“ abgeführt haben.

Zielsetzungen der „Imagekampagne“ waren und sind eine verbesserte Wahrnehmung des Handwerks in der Bevölkerung, sowie das Handwerk attraktiv zu machen für junge Menschen die dann im Handwerk eine Ausbildung machen sollen. Hierbei soll dem fortschreitenden „Fachkräftemangel“ entgegengewirkt werden.

Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter im Deutschen Handwerkskammertag (DHKT) sind die erhofften Effekte nur zum Teil oder gar nicht eingetreten. Die momentan brummende Konjunktur im Handwerk ist wohl eher der Geldpolitik der europäischen Zentralbank, als der Imagekampagne zuzuordnen.

Die Ausbildungszahlen im deutschen Handwerk zeigen nicht in die angestrebte Richtung. Und die immer größere Zahl der offenen Stellen in den Handwerksbetrieben lässt auch nicht zwingend den Schluss zu, dass die Imagekampagne gute Facharbeiter an das Handwerk bindet.

Wesentlich zielführender wäre es, an den grundlegenden Rahmenbedingungen im Handwerk Verbesserungen einzuleiten und diese zu verstetigen. Im Bereich Ausbildung ist insbesondere das Augenmerk auf die Ausbildungsqualität, eine Qualitätssicherung im Prüfungswesen sowie eine angemessene Ausbildungsvergütung, und Arbeitszeiten auf Basis von verbindlichen Tarifverträgen zu legen. Um gut ausgebildete Facharbeiter zu halten, ist es nötig die Bedingungen in den Betrieben so zu gestalten, dass die jungen Menschen daraus für sich Lebensperspektiven ableiten können.

Aus der vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) beauftragten Forsa-Studie geht hervor, was Schulabgänger, Auszubildende und Auslernende in vielen Handwerksberufen vermissen. Auf die Frage „einen Beruf zu finden, der gute Verdienstmöglichkeiten bietet“, antworteten nur fünf Prozent das dies zutrifft, wenn man einen Beruf im Handwerk erlernt hat. Die Bezahlung halten 62 Prozent und die Arbeitsbedingungen 46 Prozent der Jugendlichen davon ab, einen Handwerksberuf zu erlernen.

Junge Menschen wollen Spaß an der Arbeit, gute Verdienstmöglichkeiten, qualitativ hochwertige Arbeit, gute Weiterbildungsmöglichkeiten und gute Aufstiegsmöglichkeiten in tariflicher Sicherheit. Dies ist durch kaschieren mit der „Imagekampagne“ nicht zu erreichen. Ein handwerkspolitisches Umdenken im Zentralverband, den Fachverbänden, den Innungen und den Betrieben ist hierfür dringend notwendig.

Die Arbeitnehmervertreter stehen auf dem Standpunkt, zehn Jahre dieser Art der „Imagekampagne“ ohne messbare Erfolge sind genug. Klickzahlen auf Werbefilmchen und Anzahl von in Umlauf gebrachten Plakaten und Werbebannern sind für uns kein Qualitätsbeweis.

Wir erkennen an, dass die Wahrnehmung des Handwerks gestiegen ist. Das Image hat sich nach unserer Ansicht nicht verbessert.

Deswegen fordern wir ein Ende der „Imagekampagne“ in der jetzigen Form nach dem Ablauf der beschlossenen Laufzeit.

Eine Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Betrieben, die Förderung gleicher, guter Arbeitsbedingungen in den einzelnen Gewerken sowie Perspektive nach der Ausbildung trägt mehr zu einem positiven Image bei, als es eine Kampagne jemals leisten kann. Das positive Erleben von hochwertigem Handwerk wird bei Mitarbeitern und Kunden wesentlich schneller zu Erfolgen führen als die jetzige Imagekampagne.